Erfolg mit Wandelanleihen in volatilen Seitwärtsmärkten
16.05.2003
Von Kurt Fisch
Erschienen in der Börsen-Zeitung
Freitag 16. Mai 2003, Nr. 93, Seite 4, Rubrik: Finanzmärkte
Für den weiteren Verlauf des Jahres 2003 und die folgenden Jahre müssen volatile Aktienmärkte ohne klaren Trend erwartet werden. Dazu gehören markante Bewegungen von 20 bis 40 Prozent in die eine Richtung, die dann wieder von Korrekturen in die andere Richtung abgelöst werden. Das heisst unter dem Strich vor allem Volatilität und viele Möglichkeiten, Fehler zu machen. Es wartet also ein Marktumfeld, in dem Geld zu verdienen zu einer noch anspruchsvolleren Sache wird, als es ohnehin schon immer der Fall ist.
Gefüllte Pipelines
Und wie sieht es auf dem Wandlermarkt aus? Nach der Erholung an den Aktienmärkten der letzten Wochen hat sich die Emissionstätigkeit markant belebt. Mehrere grosse Emissionen sind erfolgreich platziert worden. Es zeigt sich, dass die 'Pipelines' gefüllt sind und die Nachfrage die angebotene Ware komplett aufnimmt. Allerdings weisen zahlreiche Emissionen bestimmte Eigenheiten auf: Beliebt sind Zwangswandler und Wandler mit sehr hohen Prämien. Diese Eigenheiten haben mit der Tatsache zu tun, dass viele Emittenten nach den sehr stark gefallenen Aktienkursen zurückhaltend sind mit dem Verkauf (indirekt über die Wandelanleihe) ihrer Aktien auf dem gegenwärtigen Niveau. Sollte sich die Normalisierung am Aktienmarkt aber fortsetzen, dann ist mit einer Flut von neuen, interessanten Wandleremissionen zu rechnen.
Der Schlüssel zum optimalen Anlageerfolg wird sich in den vor uns liegenden Monaten und Jahren verändern. In den vergangenen 20 Jahren herrschten klare, lang anhaltende Trends nach oben oder nach unten vor. Der 'Trend is your friend' war die Erfolg versprechende Losung. Künftig dürfte es für mehrere Jahre mit volatilen Seitwärtsmärkten weitergehen. Jetzt wird die Timing-Frage zur zentralen Erfolgskomponente. Zwar gibt es weiterhin Trends, aber kurze. Hier gilt es, rechtzeitig ein- und auszusteigen ('Buy low, sell high') und die jeweilige Bewegung dazwischen voll zu nutzen. Die Wandelanleihe kann hier eine sehr wertvolle Hilfe leisten.
Kurze Trends nutzen
Denn die Charakteristik der Wandelanleihe unterstützt in idealer Weise sowohl die optimale Nutzung kurzer Trends als auch den jeweiligen Ein- und Ausstieg. In ihrem hybriden Stadium ist über das Wandelrecht das perfekte Timing in die Wandelanleihe eingebaut. Grund: Bei steigenden Börsen nimmt die Wandelanleihe immer stärker (beschleunigt) an der Bewegung nach oben teil, weil jederzeit gewandelt werden kann und man damit ein entsprechend höheres Aktienexposure besitzt. Umgekehrt nimmt die Beteiligung an der unterliegenden Aktie bei sinkenden Aktienkursen sehr schnell ab. Der garantierte Rückzahlungspreis schützt. Insgesamt werden somit auch kurze Trends systematisch ausgenutzt.
Zur optimalen Realisierung des 'Buy low, sell high'-Zieles muss das Wandelanleihen-Portefeuille zusätzlich noch aktiv verwaltet werden. Das geschieht, indem eine Bandbreite festlegt wird, innerhalb derer sich die über die Wandelrechte vorhandene Aktienexposure bewegt. Sobald die Wandelanleihen steigen und sich damit die Aktienexposure dem oberen Rand der festgelegten Bandbreite nähert, werden bei dieser Strategie systematisch Gewinne realisiert. Konkret werden Wandelanleihen verkauft, die einen grösseren Anstieg hinter sich haben. Es geschieht also ein systematisches 'Sell high'. Am unteren Rand der festgelegten Bandbreite dagegen verlangt die Strategie, dass neue Aktienexposure über Wandelanleihen aufgebaut wird. Es werden somit Wandelanleihen gekauft, die mehr Aufwärtspotenzial bieten. Durch die Bandbreitenfestlegung wird also tatsächlich systematisch 'buy low, sell high' betrieben, falls sich die Märkte nach unten oder nach oben bewegen. Und je hektischer die Märkte, desto besser die Strategie.
Gleich bleibendes Risiko
Zusätzlich ist durch die Bandbreite ein stets gleich bleibendes Risiko (und Ertragspotenzial) des Portefeuilles gewährleistet. Insgesamt ergibt sich für hybride Wandelanleihen-Portefeuilles in Aufwärtsbewegungen eine Partizipation von 60 bis 70 Prozent an den Bewegungen der unterliegenden Aktien und an der anschliessenden Abwärtsbewegung, falls der Prozess der Gewinnrealisierung richtig wahrgenommen worden ist, nur noch eine Partizipation von 30 bis 40 Prozent. Daher wird das Wandelanleihen-Portefeuille die erwarteten, grossen Schwankungen der Märkte ideal ausnutzen. Am Jahresende notiert das Portefeuille höher, selbst wenn sich die Bewegungen an den Märkten über die Zeit neutralisiert haben. Natürlich verlangt diese Strategie ein sehr aktives Management, das auf grossem Know-how basiert. Es ist aber ein Weg, um in dem schwierigen Umfeld der kommenden Jahre erfolgreich bestehen zu können.