Fachbegriffe rund um die Börse: Wandelanleihen (Teil 2)
06.02.2003
Von Fisch Asset Management
Erschienen im «Effecten Spiegel»
6. Februar 2003, Nr. 7, Umschlagseite 4
Wichtige Begriffe zum Thema Wandelanleihen erläutert Kurt Fisch, Wandelanleihenspezialist der Schweizer Fisch Asset Management AG in Zürich. Aufgrund des allgemeinen Interesses werden hier Auszüge zitiert.
Wandelanleihen liegen im Trend. Wandelanleihen als Zwitter aus Aktie und Anleihe vereinen Sicherheit mit Renditemöglichkeiten. Gerade in unsicheren Börsenzeiten sind sie ein chancenreiches Investment.
Parität
Die Parität setzt sich aus dem inneren Wert im Verhältnis zum Nominalwert der Wandelanleihe zusammen und wird meist in Prozent angegeben. Sie entspricht also dem aktuellen Gegenwert der Aktie.
Bei einem grösseren Wert als 100% bietet sich eine Wandlung in Aktien an, da ein Gewinn realisiert werden kann, denn der Wert ist höher als der eingesetzte Nominalbetrag der Anleihe.
'In unserem Beispiel liegt die Parität bei: 10 multipliziert mit 580 EUR mal hundert dividiert durch 5000 EUR. Das ergibt 116%. Damit ist der Tausch gewinnbringend.'
Bond Floor
Fällt eine Aktie stark unter den Wandelpreis, ist eine Wandlung uninteressant. In diesem Bereich reagiert die Wandelanleihe meist kaum noch auf kleinere Schwankungen der zugrunde liegenden Aktie.
Sie koppelt sich von der Aktienkursentwicklung ab. Besonders bei weiter sinkenden Aktienkursen fällt der Kurs der Wandelanleihe nicht mehr.
Viel mehr pendelt er sich auf einem bestimmten Niveau ein. Dies wird als Bond floor - also Anleihenboden - bezeichnet. Erst wenn der Aktienkurs stark steigt, beginnt auch die Anleihe wieder an Wert zu gewinnen. Denn in diesem Bereich entspricht die Wandelanleihe eher einer Obligation und reagiert daher verstärkt auf Zinsänderungen.
Zeitwert des Wandelrechts
Ein Papier, das über mehrere Jahre Laufzeit verfügt, weist ein höheres Kurspotenzial auf. Dementsprechend seien Preise für Wandelanleihen mit längeren Laufzeiten meist höher als bei vergleichbaren Papieren mit kürzerer Laufzeit.
Zu Beginn liegt der Preis in der Regel deutlich über dem inneren Wert der Wandelanleihe. Mit sinkender Laufzeit strebt das Papier immer mehr in Richtung innerem Wert.
'Ist der innere Wert 116%, liegt der Kurs, mit einer Restlaufzeit der Anleihe von 5 Jahren, bei 123%. Bei 3 Jahren sind es noch 120% und am Ende der Laufzeit entspricht der Kurs der Wandelanleihe der ihres inneren Wertes - nämlich 116%.'
Wandlungsprämie
Der Kurs, mit dem Wandelanleihen gehandelt werden, liegt meist über ihrem inneren Wert und damit auch über der Parität. Bei einer Parität von 116% müssen Käufer für Wandelanleihen meist rd. 120% zahlen. Der Mehrwert der Anleihe im Vergleich zur Aktie ist die Wandlungsprämie.
Grundsätzlich lässt sich dieser mit dem Kursschutz erklären. Denn Anleger erhalten den Nominalwert der Anleihe in jedem Fall zurück. Dieser Schutz wirkt wie eine Versicherung und macht Wandelanleihen teurer als den Basiswert.
Papiere mit einer hohen Volatilität sind meist durch eine hohe Prämie gekennzeichnet, da die zugrunde liegenden Aktien schneller steigen und ebenso schnell an Wert verlieren können.