Portfolio-Steuerung im Baukastensystem

06.09.2005

Von Beat Thoma

Veröffentlicht im «Finanz Business»

06/09/2005, Ausgabe: 5/2005, Seite: 32 - 33

 

Die Wandelanleihe verhilft zu einer Optimierung des Markttimings und bietet einen effizienten Kapitalschutz. FINANZ BUSINESS stellt die drei Basisstrategien vor.

 

Durch die Beimischung von Wandelanleihen kommt es zu einer massiven Verminderung des Gesamtrisikos des Portfolios – gepaart mit der Chance, von steigenden Aktienmärkten zu profitieren. Mit Wandelanleihen sind Strategien vom Charakter einer Anleihenanlage bis zu äusserst aggressiven Ansätzen möglich. Die drei Basisstrategien im Einzelnen:

1. Die 'Hybride-Wandelanleihen-Strategie': Der Klassiker

Die 'Hybride-Wandelanleihen-Strategie“ ist die klassische Art in Wandelanleihen (auch Wandler oder Convertibles genannt) zu investieren. Hier kauft der Investor Papiere, die in der Nähe (+/- 15 Prozent) des Rückzahlungspreises notieren. Daraus resultiert ein stark beschränktes Risiko. Eine Wandelanleihe in diesem Kursbereich hat noch Anleihencharakter - das Kapital ist zu 90 Prozent geschützt. Trotz des Kapitalschutzes reagieren hybride Anleihen auf steigende Aktienkurse. Aufgrund mathematischer Bewertungsmodelle partizipiert ein solcher Wandler zu rund 50 bis 60 Prozent an einem Anstieg der Aktie. Somit kann eine hybride Wandelanleihe als Mischung (zu je rund der Hälfte) aus einer Obligationen- und Aktienanlage interpretiert werden. Daher auch der Name 'Hybrid“ für diese Strategie. Der erwähnte Kapitalschutzmechanismus greift nur dann, wenn der Schuldner des Wandlers trotz fallender Aktienkurse jederzeit zahlungsfähig bleibt und die Anleihe zurückbezahlen kann. Eine hybride Wandler-Strategie im klassischen Sinn verfügt daher über eine hohe durchschnittliche Schuldnerqualität. Entscheidend ist zudem, dass ein hybrides Wandelanleihen-Portfolio stets im hybriden Kursbereich gehalten wird! Denn bei einem starken Kursanstieg der Börsen steigen auch die Kurse der Wandelanleihen. Damit verlieren diese aber ihren hybriden Charakter und weisen zunehmend das Risiko einer direkten Aktienanlage auf. Denn eine Wandelanleihe, die bei Kursen um 150 Prozent oder höher notiert (Rückzahlung bei 100 Prozent), hat immerhin ein Rückschlagsrisiko von mindestens 33 Prozent. Daraus folgt, dass die Papiere nach einem starken Kursanstieg verkauft und in defensivere Titel getauscht werden müssen. Das sichert gleichzeitig die bisher erzielten Gewinne.

 

Bei fallenden Märkten verlieren die ursprünglich gekauften Wandelanleihen immer mehr den Kontakt zur Aktie. Die Wandelprämie steigt (die Wandlung wird damit uninteressant) und die Anleihe wird quasi zu einer gewöhnlichen Anleihe, die nicht mehr auf Bewegungen der unterliegenden Aktie reagiert. Auch in diesem Fall läuft ein hybrides Portfolio mit der Zeit aus dem vorgegebenen Bereich (der einen hälftigen Aktien/Anleihen-Charakter haben sollte) und die Positionen müssen ersetzt werden (durch aggressivere Titel). Damit kann bei einer Kurserholung der Börse wieder profitiert werden. Zusammenfassend gilt: Eine fachgerecht umgesetzte hybride Wandelanleihen-Strategie baut Risiko (=Aktienexposure über Wandelanleihen) nach einem Kursanstieg ab und erhöht das Aktienexposure nach Rückschlägen oder kurz formuliert: buy low, sell high!

2. Aktienähnliche Strategie: mehr Potenzial als Aktien

Wandelanleihen, die 50 Prozent und mehr über dem garantierten Rückzahlungspreis notieren, haben ein Rückschlagsrisiko, das mit jenem einer Aktie verglichen werden muss - daher aktienähnliche Wandelanleihen genannt. Für das höhere Risiko wird der Anleger aber mit hohem (ebenfalls aktienähnlichem) Kurspotenzial entschädigt. Denn in diesem Kursbereich weisen die Wandelanleihen eine tiefe oder überhaupt keine Wandelprämie mehr auf. Das bedeutet, die Anleihe kann nahezu im Verhältnis eins zu eins in die Aktie getauscht werden. Dementsprechend ist das Aufwärtspotenzial der Anleihe identisch mit jenem der Aktie. Interessant ist nun die Tatsache, dass trotz hoher Aktienähnlichkeit solche Convertibles bei starken Rückschlägen der Börse besser abschneiden als direkte Aktienanlagen. Dieser Kapitalschutz greift zwar später und schwächer als etwa bei einer hybriden Wandelanleihe. Dennoch ergibt sich im Vergleich zu einem Aktieninvestment bei Rückschlägen ein deutlich kleinerer Verlust. Im Aufwärtstrend ergibt sich aber eine Partizipation zwischen 80 bis 100 Prozent. Die aktienähnliche Wandelanleihen-Strategie entspricht einem Aktieninvestment mit teilweiser Absicherung.

3. Anleihenähnliche Strategie: Der Rentenersatz

Bei einer anleihenähnlichen Strategie werden Wandler gekauft, die eine positive Verfallrendite aufweisen, unabhängig davon, ob die Aktienmärkte steigen oder fallen. Dabei werden in der Regel Papiere gekauft, die unterhalb ihres Rückzahlungspreises notieren. Wandelanleihen in diesem Bereich weisen Wandelprämien von 25 Prozent und mehr auf und reagieren deshalb nur sehr abgeschwächt auf Bewegungen des Aktienmarktes. Im Vergleich zu einer hybriden Strategie ergibt sich hier eine höhere laufende Verzinsung des Portfolios, dafür aber weniger Kurspotenzial im Fall von steigenden Aktienmärkten. Zu den obligationenähnlichen Wandler-Strategien zählen Portfolios, die über ihre Wandelanrechte eine Aktienexposure im Bereich von 20 bis 30 Prozent aufweisen und zu 70 bis 80 Prozent Anleihen-Charakter verkörpern. Wichtig: Die Gesamtvolatilität eines solchen Portfolios ist nur minimal höher als ein reines Anleihenportfolio.

 

Auch hier führen die vorteilhaften Eigenschaften der Wandelanleihe (günstige Wandelrechte) zu einem besseren Chancen/Risikoverhältnis als eine entsprechende direkte Aktien-Obligationenanlage. Letztlich erhält man über die Wandelanleihe eine äusserst günstige Partizipation am Aktienmarkt. Auch hier ist stets darauf zu achten, dass der Aktienanteil (indirekt über die Wandelanleihen) die festgelegte prozentuale Richtlinie nicht übersteigt beziehungsweise nicht unter ein Mindestmass abfällt. Andernfalls muss umgeschichtet werden, um eine konsistente Strategie zu gewährleisten. Ganz besonders wichtig ist bei dieser Strategie die Schuldnerbonität. Denn hier liegt der reine Anleihenanteil (70 bis 80 Prozent) des Investments wesentlich höher als bei einer hybriden oder gar aktienähnlichen Wandelanleihen-Strategie. Die Strategie eignet sich für besonders konservative Investoren.

Fazit: Jede Risikostruktur ist möglich

Letztlich kann mit Wandelanleihen praktisch jede beliebig vorgegebene Risikostruktur erzeugt werden. Oder es können fast alle denkbaren Marktumfelder optimal abgedeckt werden. Aus einer etwas allgemeinen Perspektive sind Wandler deshalb nicht einfach nur eine (höchst interessante) Wertpapierklasse, sondern ein eigentliches Baukastensystem. Wandelanleihen sind ein 'High-Tech-Instrument“ zur Steuerung von Portfolios und gewissermassen ein Substrat elementarer Bausteine wie Aktien, Anleihen, Optionen und Futures. Es besteht damit ein universelles Einsatzgebiet, auch bei Investoren, die sich bisher noch nicht mit Wandlern beschäftigt haben.

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