Wandelanleihen mit „reizenden“ Eigenschaften - Finanzinstrument mit Zukunft!
01.09.2006
Von Kurt Fisch
Veröffentlicht in «Kapitalforum»
01/09/2006, Ausgabe: 9, Seite: 28 - 29
Beim Suchen der idealen Geldanlage eröffnet sich Investoren eine riesige Auswahl an Finanzprodukten. Immer häufiger gerät dabei die Wandelanleihe ins Blickfeld. Ein gewachsenes Sicherheitsdenken plus Spekulation auf steigende Kurse sind die Gründe für die Beliebtheit der Papiere.
Die Wandelanleihe als Anlageform findet gerade in Zeiten fallender oder uneinheitlicher Börsen mehr Beachtung. Dabei ist sie zu jeder Phase ein lohnendes Investment, vorausgesetzt die sich bietenden Vorteile werden konsequent ausgenutzt.
Auf den ersten Blick stellt sich die Wandelanleihe als „normale“ Anleihe mit fester Laufzeit, Rückzahlung und Verzinsung dar. Niedrige Zinsen – zwischen null und drei Prozent – und eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren erscheinen kurz betrachtet nicht gerade verlockend. Der Reiz dieses Zwitterpapiers liegt jedoch im Wandelrecht. Während ihrer Laufzeit lässt sich die Wandelanleihe – zu einem vorher festgelegten Preis – in Aktien desselben Unternehmens „wandeln“. Der Wandelpreis ist das Verhältnis vom Nominalbetrag der Anleihe zur Anzahl der wandelbaren Aktien.
Gewinnchancen mit Risikoschutz
Wandelanleihen können während der Laufzeit ihren Charakter ändern: Bei sinkenden Kursen sind sie typische Anleihen mit leicht niedrigeren Zinsen als Rentenpapiere. Gleichzeitig besteht dafür die Kurs-Chance der zugrundeliegenden Aktie. Steigt der Basiswert – der Aktienkurs – über den Wandelpreis, tauscht man in Aktien und verkauft diese mit Gewinn. Fallen die Kurse, hält man die Anleihen und bekommt am Ende der Laufzeit den Nennbetrag zurück. Somit partizipieren Investoren am Kurswachstum sofort, während sie gegen die Risiken der Kursverluste durch den Kapitalschutz abgesichert sind.
Wer die Tauschoption nicht einlösen möchte, kann Wandelanleihen auch während der Laufzeit verkaufen. Ihr Preis richtet sich dabei nach dem aktuellen Basiswert. Steigt die zugrunde liegende Aktie, wächst auch der Wert der Wandelanleihe. Fallen die Kurse, verliert auch die Anleihe an Wert – jedoch nicht so stark wie der Basiswert. Meist machen Wandelanleihen zwei Drittel des Kursanstiegs der Aktie mit, hingegen nur etwa ein Drittel der Abwärtsbewegung. Die Volatilität des Papiers ist damit geringer als bei anderen Anlagen. Gerade ein professionelles Management nutzt durch aktives Kaufen und Verkaufen von Wandelanleihen die Gewinnchancen aus.
Wandelanleihen bieten gegenüber anderen Mischungen aus Anleihen und Aktien das beste Risiko/Ertragsverhältnis. Und sie bieten in jedem gemischten Portefeuille einen wertvollen Diversifikationsbeitrag. Dies bestätigt eine Untersuchung des Schweizer Instituts für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen im Auftrag der Fisch Asset Management AG. Im Zeitraum von 1994 bis 2000 lagen Rendite und Risiko von Wandelanleihen über dem von Obligationen, aber unter dem von Aktien. Kauft man zu einem bestehenden Depot aus Aktien und Obligationen Wandelanleihen hinzu, ergibt sich bei gleichem Risiko eine höhere Rendite, oder das Risiko sinkt bei gleicher Rendite.
Vorteil Wandelanleihe
Der Wert von Wandelanleihen liegt vielfach unter ihrem theoretischen Wert. Ursache ist unter anderem die untrennbare Verbindung von Anleihe und Wandelrecht (Option). Denn viele Anleger bevorzugen frei handelbare Optionen und sind bereit, dafür einen höheren Preis zu bezahlen. Diese Unterbewertung von Wandelanleihen lässt sich systematisch nutzen und führt bei gegebener Rendite zu geringerem Risiko. Zudem ermöglichen Wandelanleihen ein fast perfektes Markttiming und helfen, unerwünschte Einflüsse der Anlegerpsychologie auszuschalten. Denn Investoren wird die Timing-Entscheidung abgenommen.
Der Kapitalschutz verhindert hohe Verluste, selbst wenn an stark fallenden Titeln festgehalten wird. So fühlen sich Investoren nicht zu Notverkäufen getrieben. Bei steigenden Kursen zieht die Wandelanleihe mit. Dies entspricht dem Verhalten eines Anlegers, der bei steigenden Aktien zukauft. Käufe bei steigenden Preisen fallen den meisten Investoren schwer, da sie eher zu frühen Gewinnmitnahmen neigen.
Das optimale Timing, das eine Wandelanleihe ermöglicht, macht sie in allen, vor allem aber auch in unsicheren Börsenzeiten zu einem wichtigen Instrument der Stabilität. Entscheidend ist allerdings auch die Bonität des Emittenten. Denn nur wenn er die Anleihe rückerstatten kann, bietet sie Kapitalschutz. Wer systematisch in ausgesuchte Wandelanleihen investiert, steht besonders in turbulenten Märkten über den Dingen.
Wandelanleihenfonds für Privatanleger ideal
Die richtige Bewertung von Wandelanleihen ist komplex und die Preisfindung erfordert Informationen, die meist nur professionellen Anlegern zur Verfügung stehen. Daher sind Wandelanleihen traditionell kein typisches Privatkundenprodukt. Meist betreiben nur Banken, Versicherungen und Fonds diesen Aufwand. Privatanleger, die von den attraktiven Gewinnmöglichkeiten der Wandelanleihen profitieren wollen, fahren in der Regel mit Fonds am besten.
Die aktive Verwaltung der Anlage erfolgt durch ein professionelles Management. Denn der Kaufpunkt der Wandelanleihe verlangt vom Investor die Fähigkeit, eine richtige Bewertung der Wandelanleihe vornehmen zu können. Falls er das kann, finden sich am Markt immer wieder sehr günstige Einstiegsmöglichkeiten. Ebenso werden Kauf- und Verkaufszeitpunkte einzelner Wandelanleihen ideal gewählt und die Schuldnerqualität der unterliegenden Aktien permanent im Auge behalten.