Wandelanleihen: Keine gleicht der anderen

12.12.2002


Von  Kurt Fisch , Fisch Asset Management

Erschienen in der «Schwäbische Zeitung»

12. Dezember 2002, Seite 7, Rubrik: Mehr von Geld



In unsicheren Börsenzeiten bieten Wandelanleihen eine aussichtreiche Alternative zu Aktien und Obligationen. Mit der richtigen Strategie bieten diese Papiere die Möglichkeit, sich mit begrenztem Risiko am möglichen Aufschwung der Märkte zu beteiligen.


Mit der deutschen Wirtschaft soll es aufwärts gehen, die Entwicklung des deutschen Aktienmarktes ist aber nach wie vor unsicher. Bei vielen Anlegern sitzt der Schock über ihre Börsenverluste in den vergangenen zwei Jahren noch tief. Anleger wissen daher gegenwärtig nicht, ob sie auf steigende Kurse hoffen oder an fallende glauben sollen.


In einem solchen Umfeld sind Anlagen gefragt, die sich möglichst stark an einem Aufschwung beteiligen, im gegenteiligen Fall der Verlust aber möglichst gering ausfällt. Diese Anforderungen können Wandelanleihen erfüllen. Wenn Wandelanleihen am richtigen Punkt gekauft werden, ist ihre Beteiligung an den unterlegten Aktien asymmetrisch: die Beteiligung an der Aufwärtsbewegung der unterlegten Aktie ist markant grösser als die Beteiligung an sinkenden Aktienkursen.


Wandelanleihen entsprechen indirekt einer Kombination aus Obligation und Aktie. Wie eine traditionelle Anleihe auch, ist das Papier ein festverzinsliches Wertpapier, mit fester Laufzeit und fixem Rückzahlungsbetrag. Der 'Clou' des Instruments ist die Option zum Tausch in eine vorher festgelegte Anzahl von Aktien des Unternehmens. Anleger müssen jedoch nicht wandeln. Dies lohnt sich nur, wenn der Aktienkurs über dem Nominalwert der Wandelanleihe liegt. Sinken die Kurse, verfügt das Papier über den Kapitalschutz. Denn Anleger erhalten in jedem Fall Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nominalbetrag. Das dynamische Finanzinstrument erhält bei steigenden Kursen automatisch mehr Aktiencharakter während es bei sinkenden Kursen den Charakter einer Obligation annimmt.


Zum Zeitpunkt der Emission einer Wandelanleihe repräsentiert diese ungefähr zur Hälfte eine Obligation und zur anderen Hälfte die unterlegte Aktie. An diesem Punkt bezeichnen wir die Wandelanleihe als ein hybrides Instrument. Steigende Aktien lassen auch den Wandelanleihenkurs wachsen. Ist der Anstieg sehr stark, wird das Papier immer mehr zum Aktienersatz. Sinken die Aktienkurse stark, wird das Instrument ein Obligationenersatz. Es reagiert nur noch auf Zinsänderungen. Ein vorteilhaftes Risiko/Rendite-Verhältnis bieten Wandelanleihen, die sich im hybriden Bereich bewegen. Denn die Beteiligung an der Aufwärtsbewegung der unterlegten Aktie ist grösser (65 bis 75 Prozent) als die Abwärtsbeteiligung (35 - 45 Prozent).


Für eine erfolgreiche Strategie mit Wandelanleihen sollten die positiven Eigenschaften dieses Papiers optimal ausgenutzt werden. Die Kunst besteht darin, die kombinierte Anleihe dort zu positionieren, wo sie bei steigenden Aktienkursen möglichst viel an Wert gewinnt verglichen mit den Rückschlägen.


Die Funktionsweise der Wandelanleihe wirkt leicht verständlich, jedoch stellt die richtige Bewertung hohe Anforderungen. Denn die Einflussfaktoren auf die Kursbildung sind vielfältig und befinden sich in einem ständigen Veränderungsprozess. Den idealen Kaufzeitpunkt zu treffen ist schwierig und Anleger benötigen viel Erfahrung. Dazu wurde eine spezielle Software entwickelt, die Wandelanleihe nach allen möglichen Kriterien analysiert. Sie zerlegt die Wandelanleihe in ihre Einzelteile und ermöglicht es, die Einflussfaktoren genau festzustellen sowie zu quantifizieren. Dies geschieht auf Titel-, ebenso wie auf Portefeuille-Ebene. Das aktive Management des Spezialisten sorgt dafür, dass das gesamte Portefeuille über die gleichen positiven Eigenschaften verfügt wie eine ideale einzelne Wandelanleihe.


Durch die konsequente Anwendung der hybriden Strategie bleibt das Risiko eines Portefeuilles von Wandelanleihen auch bei hoher Volatilität der Märkte sehr stabil. Das verlangt vom Manager allerdings die Erfüllung wichtiger Voraussetzungen: Wandelanleihen verändern ihren Charakter mit der Marktentwicklung. Papiere, die durch starke Bewegungen zu einem Aktien- oder Obligationsersatz geworden sind, müssen gegen hybride Wandelanleihen getauscht werden, die sowohl Zins- wie auch Aktienbewegungen nachvollziehen. Um eine Risiko-Stabilität zu realisieren, müssen die Titel zudem über Qualität, Liquidität und die richtige technische Ausstattung verfügen. Denn im Fall eines Börsencrashs müssen sie den Obligationsschutz gewähren. Nur bei einer hohen Schuldnerqualität können Anleger sicher sein, ihr Kapital zurück zu erhalten. Eine solche Wandelanleihe gewährt aber auch die Beteiligung an den positiven Entwicklungen der unterlegten Aktie.


Wandelanleihen, die diese Voraussetzungen erfüllen, haben nur ein sehr geringes Risiko. In Zeiten unsicherer Börsenentwicklungen sind sie daher eine Alternative für alle, denen Aktien noch zu unsicher sind, die aber an einem möglichen Aufschwung beteiligt sein wollen.


Zurück