Wandelanleihen - Diversifikation
15.05.2010
Von Marco Müller
Veröffentlicht in der
«Finanz & Wirtschaft»
15/05/2010, Ausgabe: 37, Seite: 10, Rubrik: Boersen Europa-Uebersee
Der Paradigmenwechsel der Europäischen Zentralbank – nun private sowie öffentliche Anleihen aufzukaufen – hat den seit 16. April 2010 bestehenden Abwärtstrend vorerst gebremst. Die Ankündigung war sogar derart überzeugend, dass die Märkte abrupt die Richtung gewechselt haben. Derzeit etablieren sie erneut einen Aufwärtstrend.
Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten haben sich – global betrachtet – durch die Krise kaum verschlechtert. Die europäische Gemeinschaftswährung steht weiterhin unter Druck, was der Wettbewerbsfähigkeit der «starken» Europäischen Staaten zugute kommt. Es ist deshalb in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden durchaus mit einer Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs zu rechnen. Zumal wegen der Kreditkrise weiterhin mit einer eher lockeren Geldpolitik der Zentralbank zu rechnen ist. Die ausufernde Staatsverschuldung ist an sich jedoch ein globales Problem, das neben Europa auch die USA und Japan betrifft. Deshalb kann in jedem dieser Märkte jederzeit eine Ausweitung der Kreditrisikoprämien (Credit Spreads) eintreten. Meistens zieht dies dann auch die Aktienmärkte in Mitleidenschaft. Es ist also mit Rückschlägen an den Aktienmärkten zu rechnen. Doch mit einer Diversifikation des Portefeuilles können sie abgefedert werden.
Dass ein Portefeuille durch die Zugabe von Wandelanleihen optimal diversifiziert werden kann, wurde in einer kürzlich veröffentlichten Studie von Bank of America/ Merrill Lynch empirisch bewiesen (Philip Kramer: European Convertibles, 11. Mai 2010). Die Studie vergleicht die Renditen von Wandelanleihen, Aktien und Obligationen über einen Zeitraum von 1995 bis heute – also fünfzehn Jahre. Mit einer Optimierung der Sharpe Ratio (berechnet aus der Rendite des Portefeuilles minus die risikofreie Rendite, dividiert durch die Standardabweichung des Portefeuilles), erzielt der Anleger das beste Resultat mit einer Sharpe Ratio von 0,84. Das entspricht einem Anteil von 74,1% an Unternehmensobligationen sowie 25,9% an Wandelanleihen.
Aktien fallen im Rahmen dieser Optimierung sogar komplett aus dem Rennen, denn das Risiko-Rendite-Verhältnis ist im Vergleich zu Unternehmensanleihen und Wandelanleihen derart unvorteilhaft, dass Aktien während der vergangenen fünfzehn Jahre keinen positiven Beitrag zur Erhöhung der Sharpe Ratio leisten konnten. Nebst der Diversifikation der Anlageklassen ist natürlich auch eine optimale Diversifikation innerhalb der einzelnen Anlageklasse wichtig. Der Investor erreicht sie am einfachsten durch ein Engagement in Anlagefonds.