Wandelanleihen - Risiko steuern
30.06.2007
Von Beat Thoma
Erschienen in der «Finanz & Wirtschaft»
30/06/2007, Ausgabe: 51, Seite 11, Rubrik: BÖRSEN ÜBERSEE
Der langfristige Börsenzyklus befindet sich seit rund zwei Monaten in einer Phase steigender Aktienkurse und steigender Zinsen. Gemäss Lehrbuch müsste aufgrund der höheren Zinsen mit einem Kursrückgang gerechnet werden. Historisch gesehen bringt dieser Zyklusabschnitt erstaunlicherweise genau das Gegenteil mit sich: eine beschleunigte Aufwärtsbewegung und anschliessend sogar eine Euphoriephase. Allerdings muss auch mit einer deutlich höheren Volatilität gerechnet werden. Besonders die latente Schwäche der Anleihen führt vielfach zu Befürchtungen und temporären Panikattacken am Aktienmarkt.
In diesem Umfeld helfen Wandelanleihen dank eingebautem Kursschutz, das Risiko zu minimieren und das Aufwärtspotenzial bis zum Schluss voll auszunutzen. Vorübergehende Kursrückschläge bieten sogar eine Chance, gezielt umzuschichten, da auf den bestehenden Positionen in der Regel keine nennenswerte Verluste entstanden sind und damit die Handlungsfähigkeit erhalten bleibt.
Ein derzeit interessantes Papier ist die Anleihe 0% New World Development 2014 (Isin XS0301648738). Der Titel ist in Hongkong-Dollar denominiert, was aber wegen der festen Wechselkursparität einem US-Dollar-Investment entspricht. New World Development ist einer der grössten Immobilien- und Infrastrukturkonzerne in Hongkong und China. Bei Kursen um 99% und einer Rückzahlung zu 128,37% im Jahr 2014 ergibt sich eine jährliche Rendite von rund 3,6% bei gleichzeitig hohem Kurspotenzial auf der Aktie. Die Anleihe verfügt nicht über ein offizielles Bonitätsrating. Aufgrund der aktuellen Kreditspreads wird der Schuldner vom Markt im Bereich BB+/BBB– eingestuft und steht damit an der Grenze zu einer spekulativen Anlage. Insgesamt bietet die Anleihe aber einen wesentlich besseren Schutz als ein direktes Aktienengagement.
Etwas risikoreicher ist die Yen-Anleihe 0% Bank of Kyoto 2014 (JP325120P6C9) zu Kursen um 133%. Hier ist das Kapital auf Verfall lediglich zu 75% geschützt, damit aber attraktiver als ein direkter Aktienkauf. Das Aufwärtspotenzial ist dagegen nahezu identisch mit der Aktie. Zudem entspricht das Schuldnerrating einem guten Single-A (S&P;). Bank of Kyoto befinden sich kurz vor einem Kursausbruch nach oben (aus einer imposanten Schulter-Kopf-Schulter-Konsolidierung). Japans Bankensektor hat Aufholpotenzial und profitiert vom seit einiger Zeit steigenden Yen-Zinsniveau. Insgesamt bietet der Titel eine ausgezeichnete Trading-Gelegenheit für risikofreudigere Investoren.