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Strategie mit ausgewählten Fonds langfristig durchziehen

02.09.1996

Von Stefan Conradi

Veröffentlicht in der Bilanz

09/1996, Ausgabe: 9/96

 

Interview mit Kurt Fisch

 

Bilanz: Sie beobachten seit Jahren die Fondsszene, Herr Fisch, und versuchen, die weltweit besten Fondsmanager für Ihre Kunden herauszufinden. Wie wichtig ist für Sie dabei die Performance?

 

Kurt Fisch: Die absolute Performance sagt mir zunächst nichts. Die hängt in erster Linie von der Marktkonstellation ab. Daher analysiere ich zuerst die Strategie des Fondsmanagers und schaue, wie er sich in seinem Markt geschlagen hat. Dann kann man einen ersten Vergleich mit anderen Fondsmanagern ziehen.


Bilanz: Über welchen Zeitraum stellen Sie solche Vergleiche?

 

Kurt Fisch: In der Regel drei bis fünf Jahre, auch mal kürzer oder länger.

 

Bilanz: Nach welchen anderen Kriterien gehen Sie vor?

 

Kurt Fisch: Wichtig ist auch, mit welchem Risiko ein Resultat erzielt wird. Für den Kunden zählt ganz besonders, wie hoch das Rückschlagsrisiko ist. Zur Messung des Rendite-Risiko-Verhältnisses gibt es verschiedene Kennzahlen.

 

Bilanz: Da wird es für den Laien aber schon kompliziert.

 

Kurt Fisch: Möglich, man kann sich auch anschauen, welches Ausmass hatte der grösste Rückschlag in einem Portefeuille, und wie lange hat der Fondsmanager gebraucht, den Ausgangspunkt wieder zu erreichen. Je schneller ihm dies auch im Vergleich zu den Mitbewerbern gelingt, um so besser. Und wenn ich mehrere Fondsmanager über eine längere Periode beobachte, dann wähle ich natürlich denjenigen aus, der in diesem Zeitraum die kleinsten Rückschläge aufzuweisen hatte.


Bilanz: Wie kann sich der private Anleger sonst noch ein Bild machen, ohne dass es für ihn allzu schwierig wird?

 

Kurt Fisch: Er sollte immer auch auf das Volumen des Fonds im Verhältnis zur Grösse eines Marktes achten. Zur Erläuterung ein Beispiel: Ein deutscher Small-cap-Fonds war ausserordentlich erfolgreich und hatte enorme Mittelzuflüsse. Als dann der Wind an der Börse drehte, war der Fonds so stark in Aktien einzelner Unternehmen engagiert, dass die entsprechenden Titel ins Bodenlose gefallen wären, hätte der Fondsmanager zu diesem Zeitpunkt verkauft.


Bilanz: Und wo liegen für den Anleger die höchsten Hürden?

 

Kurt Fisch: Sicherlich auch bei den Kosten, wo es oft an der nötigen Transparenz fehlt. Denn bei einem aktiv gemanagten Fonds können die Kosten ausserordentlich zu Buche schlagen. Deshalb ist es gut, wenn der Fondsmanager eine Erfolgsbeteiligung hat.

 

Bilanz: Was aber empfehlen Sie nun einem privaten Anleger konkret?

 

Kurt Fisch: Er sollte zunächst durch einen unabhängigen, professionellen Berater eine Bedürfnisanalyse bezüglich dem Rendite-Risiko-Profil machen lassen. Dann erfolgt der Aufbau einer entsprechenden Depotstruktur mit überdurchschnittlich verwalteten Fonds. Und diese Strategie ist langfristig durchzuziehen.

Das schützt vor sehr negativem, prozyklischem Anlegen, das bei vielen Investoren zu beobachten ist. Sie verändern oft im dümmsten Moment das Risiko ihrer gesamten Anlagen. Man baut den Aktienanteil gegen Schluss einer Hausse auf, und nach dem Crash wird dann abgebaut.


Bilanz: Sind da die Fondsboutiquen für den privaten Investor eine grosse Hilfe?

 

Kurt Fisch: Es macht sehr viel Sinn, sich von einem professionellen Fondskenner eine Anlagestrategie zurechtlegen zu lassen. Da sollte der Anleger denn auch keine Kosten scheuen.

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