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Chancen und Sicherheit

01.01.2006

Von Anette Stein

Veröffentlicht in der  «Creditreform»

01/2006, Ausgabe: 01/2006, Seite: 58-59


Die Assetklasse der Wandelanleihen stellt eine interessante Depot-Beimischung dar. Sie begrenzt das Aktienrisiko mit einer festverzinslichen Anlage. Für Privatanleger sind Fonds empfehlenswert.


Wandelanleihen, auch Convertibles genannt, sind Unternehmensanleihen mit einer festen Verzinsung und Laufzeit. Das Besondere daran: Mit der Wandelanleihe erwirbt der Besitzer das Recht, diese innerhalb einer bestimmten Frist in eine vorher festgelegte Anzahl Aktien desselben Unternehmens zu tauschen, das die Anleihe emittiert hat. Eine Variante ist die so genannte Umtauschanleihe. Bei dieser erwirbt der Investor ebenfalls das Recht zu wandeln, jedoch nicht in Aktien des Emittenten, sondern in Aktien eines anderen Unternehmens. Die Wandelanleihe ist also eine Mischung aus Anleihe und Aktie. Zum einen hat der Anleger die Möglichkeit an Kurssteigerungen der Aktienmärkte zu partizipieren, ohne die entsprechenden Risiken eines direkten Aktieninvestments in Kauf nehmen zu müssen. Andererseits geniesst er die Vorteile einer Anleihe: Neben der Festverzinsung und Rückzahlung des Nennwertes am Ende der Laufzeit garantiert die Anleihekomponente des Papiers auch eine Absicherung gegen den Totalverlust, zumindest solange

der Emittent liquide ist. 'Aufgrund ihrer Konstruktion bieten Wandelanleihen Anlegern ein sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis', sagt Dieter Merz, Leiter Portfoliomanagement bei der Feri Wealth Management GmbH, Bad Homburg.

Wandelanleihen legen zu

Wandelanleihen sind in den vergangenen Jahren besonders in Europa immer beliebter geworden. Einerseits haben die Unternehmen sie als neue Finanzierungsquelle entdeckt, andererseits ist das Interesse von Anlegern gestiegen, die aufgrund der unsicheren Börsenzeiten nach risikoärmeren Anlageformen Ausschau halten. Beim Erwerb einer Wandelanleihe zahlt der Anleger für das Wandelrecht einen Aufpreis für die Anleihe im Vergleich zur Aktie. Diese so genannte Wandelprämie ist die der Differenz zwischen dem für die am Markt zugrunde gelegte Aktie bezahlten Kurs und dem Wandelpreis und kann mit einer Optionsprämie verglichen werden. Der Wandelpreis ergibt sich aus dem Verhältnis der festgelegten Anzahl wandelbarer Aktien und dem Nominalbetrag der Anleihe. Er liegt in der Regel über dem Kurs der Aktie zum Zeitpunkt der Emission der Anleihe und bleibt während der gesamten Laufzeit unverändert. Steigt der Wert der Aktien so stark an, dass der Gegenwert der getauschten Aktien über dem Nominalwert der Anleihe liegt, lohnt

es sich für den Anleger zu wandeln.

 

Tauscht der Anleger die Anleihe nicht ein, kann er sich am Ende der Laufzeit den Nennwert der Anleihe auszahlen lassen. Diese Sicherheit bezahlt er jedoch mit einer geringeren Verzinsung als bei einer herkömmlichen Unternehmensanleihe: Wandelanleihen sind in der Regel mit sehr niedrigen Zinskupon ausgestattet. Steigt der Kurs der Aktie über den Umtauschpreis der Anleihe, kann der Besitzer sein Papier eintauschen und die Aktie an der Börse verkaufen. Doch auch ohne Umtausch profitiert er vom Kursanstieg der Aktie, denn wenn der Wandelpreis überschritten wird, zieht der Kurs der Wandelanleihe aufgrund des Wandlungsrechts fast eins zu eins nach. Bei fallendem Kurs ist der Anleger auf der sicheren Seite, da er am Ende der Laufzeit in jedem Fall den Nennwert der Anleihe und bis dahin regelmässig vom Emittenten den Zinskupon ausgezahlt bekommt.

 

'Wandelanleihen sind in Börsenzeiten mit geringer Volatilität, wie derzeit der Fall, von Vorteil, da die Optionen niedrig bewertet sind: Je geringer die Schwankungen auf den Aktienmärkten sind, desto günstiger ist bei der Wandelanleihe die Kaufoption auf eine Aktie', sagt Roland Hotz, Partner bei Fisch Asset Management, Zürich. Die Wandelprämien, die die Emittenten für den Verkauf ihrer Aktien über Wandelanleihen erhalten seien zurzeit sehr gering und der Einstieg in den Markt für den Anleger deshalb günstig.

Entwicklung der Aktienmärkte entscheidend

Ob sich das Investment in Wandelanleihen tatsächlich auszahlt, hängt vor allem von der Entwicklung an den Aktienmärkten ab. Denn aufgrund des Niedrigzinsumfelds lässt sich derzeit über Anleihekomponente der Wandelanleihe kein grosser Gewinn erzielen – die Kurse der Anleihen notieren selten unter dem Nennwert, und die Zinskupons fallen in der Regel sehr niedrig aus. Zudem erwarten Experten für die Zukunft steigende Zinsen an den Rentenmärkten – erst kürzlich erfolgte eine leichte Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) –, was bei Anleihen aller Art zu Kursverlusten führen kann. Steigen die allgemeinen Zinsen sind die Geldanleger weniger bereit eine Anleihe mit geringerem Zinskupon zu kaufen, denn im Vergleich zu einer Neuemission mit höherem Zinskupon ist sie unattraktiv. Aufgrund der sinkenden Nachfrage sinkt auch der Kurs Anleihe. Das wirkt sich für den Anleger dann nachteilig aus, wenn er seine Wandelanleihe vor Laufzeitende verkaufen möchte, denn in diesem Fall muss er Verlusten hinnehmen. Der

Anleihekurs wird jedoch nicht ins Bodenlose sinken, da ein niedriger Kurs die Anleihe wieder interessanter werden lässt, weil zusätzlich zu den Zinsen ein Kursgewinn erzielt werden kann, da die Anleihe zum Ende der Laufzeit in jedem Fall zu 100 Prozent zurückgezahlt wird. Aufgrund dieser Tatsache finden sich bei sinkenden Kursen wieder mehr Käufer, was den Kurs wieder steigen lässt. Gewinne können derzeit also nur über die Aktienkomponente erzielt werden, und da sieht es aufgrund der steigenden Aktienkurse positiv aus. Sinken die Aktienkurse hingegen, verlieren die Wandelanleihen ebenfalls an Wert. Bei einem Rückgang an den Aktienmärkten, erhöht sich in der Regel jedoch die Volatilität. Damit steigt wiederum der Wert der in der Anleihe enthaltenen Kaufoption und somit auch der Wert der Anleihe – die Ausschläge der Wandelanleihe halten sich in Grenzen.

 

Wandelanleihen können verschieden ausgerichtet sein – je nachdem in welchem Verhältnis der Aktienkurs und der Wandelpreis stehen. Bei hohem Wandelpreis und niedrigem Aktienkurs kann die Kursentwicklung der Wandelanleihe mehr der einer Anleihe gleichen, bei einem Aktienkurs, der nahe am Wandelpreis liegt, orientiert sie sich stärker an der Aktienkursentwicklung. Je höher diese Sensitivität – im Fachjargon Delta genannt – desto mehr Aktiencharakter hat eine Wandelanleihe. Je nach Delta können sich Wandelanleihen als Anlageform also in unterschiedlichsten Marktphasen eignen. Bei der Auswahl der richtigen Anleihe kommt es neben der Einschätzung des Aktienkurses auf die Beurteilung der Bonität des Emittenten an, da bei einer schlechten Bonität auch bei einer Wandelanleihe – wie bei einer normalen Unternehmensanleihe – die Gefahr des Totalverlustes besteht.

Wandelanleihefonds als Alternative

Da es für Privatanleger schwer ist, die vielen verschiedenen auf dem Markt angebotenen Varianten von Wandelanleihen zu überblicken und einzuschätzen, kann ein entsprechender Fonds eine sinnvolle Alternative darstellen. Zudem liegt die Mindeststückelung bei Wandelanleihe oft bei 50.000 Euro oder sogar höher. 'Bei Wandelanleihenfonds reicht die Produktpalette von der einfachen Aktienersatz-Strategie über Hybride bis hin zu Bondersatz-Strategien mit oder ohne Währungsabsicherung' erläutert Roland Hotz. Für risikoreiche Anleger seien Fonds mit 'Aktienersatz-Strategie' geeignet – sie weisen ein starkes Delta auf und setzen damit auf eine möglichst starke Partizipation an den Aktienkursen. 'Konservative Anleger sollten auf Fonds mit Bondersatz-Strategien setzen, da diese eine geringere Aktiensensitivität aufweisen und somit grösseren Schutz vor Kursrückschlägen gewährleisten', sagt Hotz, 'ausgewogene Anleger streben an, in erster Linie vom positiven asymmetrischen Risiko-Ertrags-Verhältnis hybrider Wandelanleihen zu profitieren.' Bei der Auswahl des richtigen Fonds müsse der Investor wissen, welche Art von Wandelanleihe er haben wolle und welcher Fonds ihm am ehesten das biete, was er suche. Eine wichtige Kennziffer zur Einordnung sei die Volatilität. Sie gibt Aufschluss über die Strategie des Fondsmanagements – hohe Volatilitäten weisen auf ein hohes Aktienexposure hin. Ausserdem seien die Bonität der Emittenten, die Anlageregion und die für den Fonds anfallenden Gebühren ausschlaggebend.

 

Wandelanleihen können mittel- bis langfristig gute Renditen erzielen. In den letzten zehn Jahren legte der Index globaler Wandelanleihen – der UBS Global Convertible Index – um 8,9 Prozent pro Jahr zu, bei einer Volatilität von 11 Prozent. Die Wandelanleihenfonds, die bereits über eine solche Historie verfügen, konnten dieses Ergebnis sogar noch übertreffen. Im gleichen Zeitraum erzielte der MSCI World Index 8,6 Prozent bei einer Volatilität von 17,5 Prozent. Zwar erreichte der UBS Global Convertible Index aufgrund der extrem niedrigen Volatilitäten an den Börsen in den letzten drei Jahren nur 4,7 Prozent. Für das kommende Jahr rechnen Experten aber wieder mit einem Anziehen der Renditen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine erfreuliche Entwicklung der Aktienmärkte.

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