HOME > MEDIEN > Medienspiegel > Details

Aktien mit Airbag - Wandelanleihen kombinieren die Chancen der Börse mit der Sicherheit von Rentenpapieren.

24.05.2006

Von Werner Rüppel

Veröffentlicht in «Die Zeit»

24/05/2006, Ausgabe: 22/2006, Seite: 42, Rubrik: Geld Spezial


Wandelanleihen, auch Convertibles genannt, profitieren zum einen, wenn die Aktienkurse steigen. Zum anderen verlieren sie weitaus weniger an Boden als Aktien, wenn es zum befürchteten Einbruch der Kurse kommen sollte. Zudem klettert der Wert dieser Papiere, wenn die Aktienkurse stärker schwanken als in der Vergangenheit.


Ist es klug, jetzt noch in Aktien einzusteigen? Immerhin hat sich der Deutsche Aktienindex Dax seit dem Tief von vor drei Jahren, als er bei 2.200 Punkten lag, inzwischen beinahe verdreifacht – auf mehr als 6.000 Zähler. »Nach dem deutlichen Anstieg erscheint ein Einbruch des Dax im Sommer oder Herbst dieses Jahres gut möglich«, sagt Klaus Schlote, Chefstratege von Solventis Research.

 

Nicht das Ob der Korrektur ist strittig, sondern lediglich das Wann. Vor diesem Hintergrund bieten sich Wandelanleihen als interessante Alternative an. Wandelanleihen, auch Convertibles genannt, profitieren zum einen, wenn die Aktienkurse steigen. Zum anderen verlieren sie weitaus weniger an Boden als Aktien, wenn es zum befürchteten Einbruch der Kurse kommen sollte. Zudem klettert der Wert dieser Papiere, wenn die Aktienkurse stärker schwanken als in der Vergangenheit.

 

Als Anlageform ist die Wandelanleihe zwischen Aktien und Anleihen angesiedelt. Ihre Grundausstattung gleicht der einer Anleihe. Sie wird meist jährlich verzinst, allerdings liegt der Kupon in aller Regel unter dem Niveau vergleichbarer Papiere. Das liegt am Clou der Wandelanleihe: der Tauschoption. Die Wandelanleihe kann zu einem vorher festgesetzten Preis in eine festgelegte Anzahl von Aktien umgewandelt werden. »Der Wert einer Wandelanleihe setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem Wert der Anleihenkomponente, dem Wert der Aktienkomponente und dem Wert der Option«, erläutert Olivia Mayell, Client Portfolio Managerin bei JPMorgan Asset Management.

Wenn die Kurse steigen, werden Anleihen zu Aktien

»Eines der Hauptmerkmale von Wandelanleihen ist das so genannte asymmetrische Kursverhalten«, sagt Roland Hotz, Partner bei Fisch Asset Management in Zürich. Damit ist die Kombination aus garantiertem Rückzahlungspreis, also einem limitierten Risiko nach unten, aber unlimitiertem Kurspotenzial nach oben gemeint. Aufgrund des Wandlungsrechts profitiert der Käufer von steigenden Aktienkursen. »Da aber nicht gewandelt werden muss, behält er bei schlechter Börsenlage die Anleihe und ist durch den Rückzahlungspreis geschützt«, erklärt Hotz.

Darüber hinaus eröffnet die Optionskomponente der Wandelanleihe in der derzeitigen Marktsituation weitere Vorteile. Denn bei relativ niedrigen Schwankungen an den Aktienmärkten ist die Optionskomponente verhältnismäßig preiswert. Erhöhen sich aber die Schwankungen, was bei größeren Unsicherheiten über die weitere Entwicklung und insbesondere auch bei Kurseinbrüchen regelmäßig der Fall ist, dann steigt auch der Wert der Optionskomponente der Wandelanleihe. Auch das stützt den Kurs des Wertpapiers.

 

Ein weiterer Vorteil von Wandelanleihen liegt laut Hotz in einer kleinen List. Auch erfahrene Anleger machen den psychologisch bedingten Fehler, dass sie Gewinne begrenzen – also bei einer positiven Kursentwicklung Aktien recht bald verkaufen –, aber Verluste laufen lassen, sie also nicht begrenzen. Erfolgversprechender ist jedoch das umgekehrte Verhalten, nämlich Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen. Durch Wandelanleihen werden für den Anleger schwierige Investmententscheidungen automatisch vereinfacht. Klettern die Kurse, steigt automatisch der Aktienanteil. Umgekehrt nimmt via Wandelanleihen das Engagement auf dem Aktienmarkt bei fallenden Kursen automatisch ab, da dann die Anleihenkomponente in den Vordergrund tritt. So blieben Wandelanleihen weitgehend vom Aktiencrash Anfang des Jahrhunderts verschont. Zwar kam es auch bei dieser Anlageklasse zu Verlusten, sie fielen aber bei weitem nicht so hoch aus wie bei Aktien.

Privatanleger sollten Fonds bevorzugen

Nun sind aber Wandelanleihen nicht gleich Wandelanleihen. Wenn der Kurs einer Aktie sehr deutlich über dem Kurs liegt, bei dem sich ein Tausch in Aktien lohnt, dann entwickelt sich die Wandelanleihe ähnlich wie die zugrunde liegende Aktie. Ist hingegen bis zum Umtauschkurs viel Luft nach oben, gleicht die Wandelanleihe beinahe einer herkömmlichen Anleihe. »Die Asymmetrie ist am stärksten im Bereich eines Deltas von 35 bis 70 Prozent ausgeprägt«, sagt Marc-Alexander Knieß, Fondsmanager des DWS Convertibles Fonds. Das Delta beschreibt, inwieweit sich Veränderungen des Kurses der zugrunde liegenden Aktie auf die Wandelanleihe auswirken. Fondsmanager streben mit ihrem Portfolio den Bereich an, in dem die Risiken geringer als bei Aktien, die Chancen aber weitaus höher als bei Anleihen sind. »In diesem mittleren Bereich nimmt dann eine Wandelanleihe etwa zu zwei Dritteln an den Kursgewinnen der zugrunde liegenden Aktie teil, aber nur zu etwa einem Drittel an den Kursverlusten«, erläutert DWS-Mann Knieß.

 

Privatanleger, die die Vorteile von Wandelanleihen nutzen wollen, sollten sich für Fonds statt für Direktanlagen entscheiden. Denn zum einen gibt es ein Informationsdefizit bei Kleinanlegern. Viele Wandelanleihen weisen spezielle Ausstattungen wie komplizierte Umtauschbedingungen und Kündigungsrechte auf, deren Tücken kaum zu durchschauen sind. Zum anderen fällt es dem privaten Anleger schwer, durch Direktanlagen bei Wandelanleihen eine akzeptable Streuung zu erreichen. Eine Streuung ist aber unerlässlich, weil auch Wandelanleihen Unternehmensanleihen sind. Deshalb muss neben den Chancen der Wandelanleihe auch die Bonität des Unternehmens berücksichtigt werden – und damit das Ausfallrisiko berücksichtigt.

Zurück