Wandelanleihen schalten Anlegerpsychologie aus
13.07.2007
Veröffentlicht in der «Effecten Spiegel»
12/07/2007, Ausgabe: 29/2007, Seite: 28
Rubrik: 'Fachbegriffe rund um die Börse'
Die Entwicklung an den Aktienbörsen meint es seit längerer Zeit gut mit Anlegern. Kursgewinne sind die Regel und Rückschläge die Ausnahme. Doch spielt die Angst vor Kursverlusten schon seit jeher eine besondere Rolle bei Börsianern, führt zu Stress und daraus resultieren unüberlegte Verkäufe.
„Bevor sie nachdenken, verkaufen Anleger aus dem Bauch heraus und dann meist zum falschen Zeitpunkt. Mit Wandelanleihen sind Investoren davor geschützt. Denn dieses dynamische Instrument übernimmt automatisch das optimale Timing, schaltet die Anlegerpsychologie aus und macht Wandelanleihen damit zu einem überlegenen Papier“, so Beat Thoma, Mitglied der Geschäftsleitung der auf Wandelanleihen spezialisierten Fisch Asset Management AG, Zürich.
Eine gewinnbringende Strategie an den Aktienmärkten kann es sein, Titel zu kaufen, wenn alle an fallende Kurse glauben. „Gegen den Strom schwimmen“, rät Thoma. Aber gerade dies falle den meisten Investoren schwer. Auch bei Verkäufen neigen Anleger zu Fehlentscheidungen. Ein Verkauf mit Verlust in einem schwachen Markt bereitet Investoren Probleme. Häufig verfahren Aktienbesitzer nach der Durchhaltestrategie. Bis zur Endphase der Abwärtsbewegung halten Anleger durch, um dann im ungünstigsten Augenblick Titel zu veräußern. Grund: Gegen das Eingeständnis eines Fehlkaufs wehrt sich die Anlegerpsychologie.
„Nur wenige Aktionäre sind diszipliniert genug, bei falschem Timing sofort auszusteigen“, so Thoma. Steigende Aktienkurse können ebenfalls zum Fehlverhalten führen: Marktteilnehmer neigen zu frühzeitigen Gewinnmitnahmen statt im wachsenden Umfeld Titel hinzuzukaufen.
Wandelanleihenanlegern hingegen wird die Entscheidung, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, abgenommen. Das Papier ist eine Kombination aus einer gewöhnlichen Anleihe, mit fester Laufzeit, fixen Zinsen und einem definierten Rückzahlungsbetrag. Dazu kommt eine Call-Option – das untrennbar mit der Anleihe verknüpfte Wandelrecht. Anleger können zu einem im Vorfeld definierten Preis ihre Anleihe in Aktien des emittierenden Unternehmens tauschen. Ein Zwang besteht jedoch nicht. Das Recht verleiht der Wandelanleihe eine eingebaute Timing-Dynamik. Denn steigt der Wert der zugrunde liegenden Aktie, profitieren Besitzer der Wandelanleihe von den haussierenden Kursen, da das Papier ebenfalls die Aufwärtsbewegung macht.
Fällt jedoch der Basiswert, vollzieht der Wandler diesen Trend nur begrenzt mit. Der Kapitalschutz verhindert große Verluste, auch wenn an dem Papier festgehalten wird. Denn durch die garantierte Rückzahlung sinkt der Wandelanleihenkurs nur begrenzt. Ohne Zutun des Anlegers entfaltet die Anleihe damit ihre Timing-Dynamik und macht sie so zu einem konkurrenzfähigen Instrument. „Der Fangnetzmechanismus der Wandelanleihe führt zu einer Reduktion der psychologisch motivierten Fehler. Panikverkäufe werden fast komplett verhindert, da Anleger nicht in Stresssituationen geraten“, so Thoma.