Wandler verbessern die Rendite von Pensionskassen
06.09.2000
Von Peter Kuster
Veröffentlicht in der Finanz und Wirtschaft
06/09/2000, Ausgabe: 71, Seite: 39, Rubrik: Ausland
Der Markt ist auf Wachstumskurs - Bonds und Aktien sind kein Ersatz
Die Märkte für Wandelanleihen sind kräftig gewachsen (vgl. Grafik). Weltweit dürften heute Wandler im Wert von mehr als 500 Mrd.$ ausstehend sein. Das Instrument wird wie eine Obligation gehandelt und i.d.R. zu pari (100%) zurückbezahlt, gibt aber dem Investor zugleich das Recht, die Titel zu bestimmten Bedingungen in Aktien zu wandeln. Trotzdem handelt es sich verglichen mit Aktien oder Bonds um ein Nischenprodukt. Viele Anleger (und Unternehmen) kennen Wandelanleihen zu wenig und lassen deshalb die Finger davon oder hegen Vorurteile.
Das Schweizerische Institut für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen hat im Auftrag der Fisch Asset Management (FAM), einem auf Wandler spezialisierten Zürcher Vermögensverwalter, die Studie «Wandelanleihen - Replikation und Einsatz in BVG-Portfolios» verfasst. Die Ergebnisse wurden am Dienstag vorgestellt und entziehen zwei weit verbreiteten Argumenten gegen Wandler die Grundlage. Zum einen legt das Team von Prof. Heinz Zimmermann dar, dass sich Wandelanleihen nur sehr beschränkt durch ein Portefeuille aus Aktien und Obligationen replizieren, d.h. nachbilden lassen. Zum andern wird nachgewiesen, dass Wandelanleihen zwischen 1994 und Februar 2000 die risikobereinigte Rendite (von Pensionskassen) deutlich verbessert hätten.
Wandelanleihen lassen sich nur unter bestimmten Voraussetzungen durch Aktien und Bonds ersetzen. Zum einen sei es schwierig, die teils komplexen Anleihensbedingungen wie Kündigungsklauseln modellmässig zu erfassen, beobachten die Wissenschafter. Zum andern erschwere die Unvollständigkeit der Märkte die Replikation. So ist nur in Ausnahmefällen neben dem Wandler eine normale Anleihe mit analoger Struktur ausstehend.
Das analysierte Anlageuniversum der Pensionskassen umfasst Schweizer und internationale Aktien (verkörpert durch MSCI Aktien Welt und Schweiz) sowie internationale Staatsanleihen und Schweizer Anleihen (Salomon-Staatsanleihen- und Pictet-Inlandanleihen-Index). Dabei wurde zwischen Portfolios unterschieden, die den Anlagerestriktionen von Art. 54 der Verordnung über die BVG (BVV 2) unterworfen sind, sowie solchen ohne Einschränkungen. Untersucht wurde, ob sich die Risiko-Rendite-Struktur mit Wandelanleihen (Referenzwert WDR Convertible Index) optimieren lässt. Zimmermann zieht das Fazit, dass sich der Einsatz von internationalen Wandelanleihen für beide BVG-Portfolios gelohnt hätte.
Für die Forschung seien Wandelanleihen ein interessantes Objekt, weil sie zur Bewertung von Kreditrisiken eingesetzt werden könnten und zudem noch wenige Untersuchungen vorlägen, stellte Zimmermann an der Präsentation fest. Noch mehr Freude dürfte FAM, die mit der Studie eine gutes Instrument erhält, um Pensionskassenverwalter von den Vorzügen der Wandler zu überzeugen, die Bemerkung des Professors bereiten, wonach er selbst schon lange in diesem Markt investiere.