HOME > MEDIEN > Medienspiegel > Details

Vor einer weiteren Zinsentspannung - Laufzeiten verlängern - Wandelanleihen sind attraktive Alternative zu Fremdwährungsobligationen

13.08.2000

Von Franz Schneider

Veröffentlicht in der Finanz und Wirtschaft

12/08/2000, Ausgabe: 64, Seite: 31, Rubrik: Podium

 

'Jetzt in ausgewogenen Depots 50% in Obligationen anlegen' - Interview mit Kurt Fisch.

 

Heute mit: Kurt Fisch, Fisch Asset Management, Zürich


Franz Schneider: Herr Fisch, wie attraktiv sind im heutigen konjunkturellen Umfeld Franken-Obligationen? Soll man jetzt kaufen?

 

Kurt Fisch: Eine Reihe von Gründen spricht für eine weitere Entspannung an der Zinsfront. Die weltweite Konjunktur wird in der zweiten Jahreshälfte eine leichte Abschwächung erfahren. Die durch die Notenbanken kräftig erhöhten kurzfristigen Zinsen, die steigenden Erdölpreise und nicht zuletzt die Korrektur an den Aktienmärkten sind dafür verantwortlich. In der Schweiz zeichnet sich am Horizont zudem eine markante Verbesserung der öffentlichen Finanzen ab, was einen geringeren Mittelbedarf zur Folge haben wird und bald gar zu einem Schuldenabbau führen dürfte. Dazu kommen Sondereinnahmen - UMTS-Lizenzen, Goldverkäufe sind die Stichworte - sowie stark steigende Steuereinnahmen. Von dieser Entwicklung werden die Obligationen profitieren.

 

Lohnt es sich mit Blick auf Ihre Beurteilung, vermehrt von Aktien in Festverzinsliche umzuschichten?

 

Wir raten, je nach Bedürfnis des Anlegers, eine Asset allocation mit Obligationen, Wandelanleihen, Aktien und alternativen Investments zu definieren und diese konstant zu fahren. Diese Vermögensaufteilung sollte ein optimiertes Portefeuille in Bezug auf die individuelle Risikofähigkeit des Investors darstellen. Wir würden deshalb immer ungefähr den gleichen Obligationenanteil halten. Allerdings sollte je nach Einschätzung der künftigen Zinsentwicklung die Duration der Obligationen angepasst werden. Gegenwärtig verlängern wir die Laufzeiten, weil wir mit sinkenden Renditen rechnen.

 

Wie hoch sollte in ausgewogenen Portefeuilles von Schweizer Privatanlegern heute der Obligationenanteil sein? Wie viel davon in Franken-Anleihen?

 

Ich würde 50% der Mittel in Obligationen halten. 15% des Depots in Franken-Anleihen, 10 in Fremdwährungsobligationen und 25 in Wandelanleihen.


Welche Laufzeiten favorisieren Sie für Anlagen in Franken-Anleihen?

 

Da wir vorläufig nicht mit einem Steigen der Zinsen rechnen und in den nächsten Jahren gar deutlich tiefere Sätze erwarten, ist der Zeitpunkt für langfristige Obligationen geeignet. Ich würde eine Duration von mindestens sechs Jahren anpeilen.


Wie beurteilen Sie Fremdwährungsanleihen? Rechtfertigen die attraktiveren Renditen das Währungsrisiko?

 

Für Fremdwährungsanleihen gelten momentan die gleichen Überlegungen wie für die Franken-Anlagen. Der gegenwärtige Trend zu tieferen Obligationenrenditen wird sich sowohl im Dollar- wie auch im Euro-Bereich fortsetzen. Daher wählen wir im Bereich der Fremdwährungsobligationen Langläufer. Grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass die höhere Rendite der Fremdwährungsobligationen das höhere Risiko durch den Fremdwährungseffekt nicht ganz wettmacht. Das lässt sich aber durch die Beimischung von Spezialprodukten im Segment Obligationen ausgleichen. Daher bestreiten wir in unserer Vermögensaufteilung die Hälfte des Obligationenteils mit Wandelanleihen. Es sollten dabei allerdings Wandelanleihen sein, die in den Bereich Obligationen gehören.

 

Welche Währungen kommen in erster Linie für Engagements in Frage?

 

Ich rate, die Fremdwährungsobligationen je zur Hälfte in Euro und Dollar zu halten. Die Wandelanleihen werden sich auf die vier Währungsblöcke Dollar, Euro, Yen und Franken verteilen.

 

Eine Alternative zu Fremdwährungsanleihen sind Wandelobligationen. Wie attraktiv sind sie heute?

 

Mit Wandelanleihen kann ein wesentlich günstigeres Rendite-Risiko-Verhältnis als mit reinen Fremdwährungsobligationen erzielt werden. Dabei muss das Depot nach einer klaren Strategie, die das Risiko definiert, aktiv verwaltet werden. Damit lässt sich die Rendite deutlich steigern, ohne das Risiko markant zu erhöhen. Mit einem solchen Yield-enhancement-Programm für Bonds sind Wandelanleihen übrigens in jedem Marktumfeld interessant.


Was gilt es mit diesem Investmentvehikel besonders zu beachten? Sind es die Aktienmärkte oder die Zinsen?

 

Mit Wandelanleihen, die im Risiko von Obligationen liegen, müssen sowohl Zinsen als auch Aktienmärkte beachtet werden, da beide auf die Kursgestaltung einwirken. Die Kunst besteht darin, eine Wandelanleihe zu finden, die möglichst viel an der Aufwärtsbewegung der Aktie mitmacht und möglichst schnell einen Schutz durch die Obligationenkomponente bietet. Weil die Aktienkomponente in der Wandelanleihe über eine Option gespielt wird, ist es mit geschicktem Timing des Kaufs möglich, eine asymmetrische Beteiligung am Aktienmarkt zu erzielen. Was will man mehr?


Welcher Faktor ist wichtiger?

 

Das hängt davon ab, in welchem Stadium sich die Wandelanleihe befindet. In einer oben beschriebenen Strategie werden Aktien und Obligationen einen ebenbürtigen Einfluss ausüben. Es gibt aber Wandler, die sich zu einem Aktienersatz entwickelt haben und sich exakt wie die Aktie verhalten, in die sie gewandelt werden können. Ebenso gibt es Wandelanleihen, die zu reinen Obligationen geworden sind, weil die Aktie, in die gewandelt werden können, massivst an Wert verloren hat.

 

Sind Wandelanleihen auch für Private ein geeignetes Instrument?

 

Selbstverständlich. Allerdings sollte die permanente Überwachung des Wandlerportefeuilles sichergestellt sein, damit man keine Überraschungen erlebt. Weil eben Wandelanleihen je nach Entwicklung der unterliegenden Aktien ihre Eigenschaften massiv ändern, benötigen sie eine aktive Bewirtschaftung. Zudem kann durch professionelles Management im Bereich Wandelanleihen ein Mehrwert geschaffen werden, da der Markt keineswegs total effizient ist und die richtige Bewertung der Wandelanleihe eine schwierige Aufgabe ist. Aus diesen Gründen empfiehlt es sich für einen grossen Teil der privaten Anleger, den Wandelanleihen-Anteil von Spezialisten verwalten zu lassen.

 

In der Schweiz werden nur noch selten Wandelanleihen emittiert. Woran liegt das? Fehlt es am Interesse der Anleger?

 

Im laufenden Jahr haben immerhin folgende Schweizer Unternehmen Wandelanleihen emittiert: Sulzer, Saurer, Feintool, Swisslog, Helvetia, Also und Kuoni. Alle sind ausserordentlich interessant. Sehr gute Wandler auf schweizerische Unternehmen, die viel grössere Aufwärts- als Abwärtsbeteiligung an der Aktie bieten, sind momentan Nestlé, Swiss Re, UBS, Roche, Jelmoli, Georg Fischer und Holderbank. Sie sehen, es gibt auch in der Schweiz für Wandelanleihen-Investoren eine grosse Zahl von Anlagemöglichkeiten.

Zurück