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Mal Aktie, mal Bond

02.04.2003

Von Jutta Perkmann

Veröffentlicht in «Finanzen»

04/2003, 13. Jahrgang, Ausgabe: 4, Rubrik: Börse


Wandelanleihen bieten eine sinnvolle Depotergänzung: Denn mit diesen Papieren dürfen sich Anleger über eine sichere Verzinsung freuen und können zusätzlich von Aktien-Chancen profitieren.


Nur kein Risiko eingehen, so lautet derzeit das Motto vieler Anleger. Sie verkaufen Aktien und stecken ihr Geld lieber in sichere Papiere wie Staatsanleihen. Denn wann der nächste Aufschwung kommt, ist ungewiss.

 

'Dies ist die beste Zeit, um Wandelanleihen zu kaufen', sagt Kurt Fisch. Der Inhaber des Unternehmens Fisch Asset Management in Zürich hat sich auf die Analyse der Kombinations-Produkte spezialisiert. Das Besondere an dieser Form der Wertpapiere: Sie verknüpfen die Vorteile von Rentenpapieren mit denen von Aktien. Mit Wandlern erwerben Investoren das Recht, die Anleihe innerhalb einer bestimmten Laufzeit zu den im Prospekt festgelegten Bedingungen in Aktien zu wandeln.

 

'Bei einem starken Kursanstieg der Aktie wird die Wandelanleihe mitziehen', sagt Fisch. Das heisst, das Papier wird verstärkt seinem Aktiencharakter gerecht. Fällt der Basiswert hingegen, setzen sich die Wandler ihren Anleihen-Hut auf. Die Zwitterpapiere sind dann durch einen so genannten 'Anleihenboden', im Fachjargon 'Bond Floor' genannt, abgesichert. Der Anleihenkurs koppelt sich von der Aktie ab und notiert auf einem Niveau, auf dem Unternehmensanleihen mit ähnlicher Zins- und Laufzeitenausstattung notieren. Laut Fisch nehmen die Wandelanleihen rund zwei Drittel der Aufwärtsbewegung einer Aktie mit. Im Abschwung hingegen liege die Partizipation nur bei einem Drittel.

'Wandelanleihen verlangen aktives Management und eine klare Strategie.'

'Dieser Automatismus der Wandelanleihen ist mit keiner Mischung aus Aktien und Anleihen nachvollziehbar', ist Fisch überzeugt. Rendite und Risiko von Wandelanleihen liegen zwar höher als bei herkömmlichen Anleihen, aber tiefer als bei Aktien. Der Nachteil: Der Kupon von Wandelanleihen ist naturgemäss niedriger als bei herkömmlichen Corporate Bonds.

 

Vorsicht: Chamäleon! Wer in Wandler investiert, muss sich in der Welt der Anleihen, der Aktien und bei der Optionspreistheorie gut auskennen. Das Team von Fisch Asset Management prüft die Qualität der Aktien genauso wie die Bonität der Anleihen. Darum warnt der St. Gallener davor, Wandelanleihen zu kaufen, ohne sich mit dem emittierenden Unternehmen auseinanderzusetzen.' Was nutzt eine Wandelanleihe, wenn die Aktie des betreffenden Unternehmens kein Kurspotenzial besitzt?'

 

Unerlässlich ist auch die Beurteilung der Bonität des Emittenten. 'Der Kapitalschutz nach unten funktioniert nur bei guten Schuldnern', sagt Fisch. 'Kommen Zweifel an der Bonität auf, kennt der Anleihenkurs kein Halten mehr und rutscht unter den Bond Floor.'

 

Jüngstes Beispiel: Ahold. Die Wandelanleihe des niederländischen Konzerns ist mit dem Aktienkurs weit nach unten gestürzt, notiert derzeit bei 65,7 Prozent - ähnlich wie die Ahold-Unternehmensanleihen. Der Traum von der Wandlung ist vorerst geplatzt, denn der Aktienkurs müsste sich beinahe versechsfachen, damit die Aktienchance wieder auflebt. Allerdings rentieren Ahold-Wandler nach dem Sturz mit 26,3 Prozent. Für sehr spekulative Anleger sicherlich eine Überlegung wert. Auch in Deutschland gibt es geplatzte Wandelanleihen. Am bekanntesten ist die des ehemaligen Neuen-Markt-Highflyers EM.TV.

 

Neben der Beurteilung der Aktie und der Bonität des Schuldners gibt es eine weitere Hürde: 'Der Wandelanleihen-Markt ist sehr unübersichtlich, weil quasi jede Emission anders ausgestaltet ist', sagt Fisch. Tatsächlich ähnelt kaum ein Wandler dem anderen. Die Emissionen haben unterschiedliche Stückelungen, manche bieten vorzeitige Kündigungsrechte oder haben andere Rückzahlungsmodalitäten. Verwirrend sind beispielsweise Konstrukte wie Pflicht-Wandelanleihen, etwa das jüngste Papier der Deutschen Telekom. Mit dieser Anleihe war kein Optionsrecht auf den Kauf der Aktie verbunden, sondern die Pflicht, das Papier in die Telekom-Aktie zu wandeln. Mit dem Zwangsumtausch verliert das Papier jedoch die typisch positiven Eigenschaften der Wandelanleihe.

 

Die Chamäleon-Investments bieten durch ihren Charakter einem Aktiendepot eine Absicherung und einem Rentendepot einen Schuss Extrarendite-Chance. Klar ist auch, dass Wandelanleihen einer genauen Beobachtung bedürfen. Privatanlegern, die die Märkte nicht jeden Tag verfolgen, empfiehlt Fisch daher, in Wandelanleihen-Fonds zu investieren. Als kostengünstige Alternative bieten sich auch Zertifikate von UBS Warburg, DZ Bank oder Dresdner Bank an.

 

Fünf attraktive Wandler hat Fisch für die FINANZEN-Leser zusammengestellt. Darunter befinden sich neben Euro-Anleihen von Pernod Ricard und Bouygues auch ein Pfund-Produkt auf den britischen Finanzdienstleister Man Group und Dollar-Anleihen von Kosmetikhersteller Avon Products sowie Biotech-Ikone Amgen. Diese Wandler haben auch ein Währungsrisiko: Sollte der US-Dollar beziehungsweise das Pfund gegenüber dem Euro abwerten, verlieren Anleger Geld. Bei seinen Empfehlungen legt Kurt Fisch grossen Wert auf den Investment-Grade-Status. Das heisst, die Unternehmen müssen sich durch angemessene Zahlungsfähigkeit auszeichnen. Die Kupons sind - wie bei Wandelanleihen üblich - niedrig. Alle Firmen haben gute Wachstumschancen, sodass ein Anstieg der Aktie langfristig sehr wahrscheinlich ist. Die Wandlungsprämien liegen bei den angeführten fünf Wandlern zwischen 30 und 56 Prozent. Es gilt: Je höher die Prämie, desto grösser ist der Anleihencharakter des Papiers, weil die Wandlung in eine Aktie unwahrscheinlich wird (siehe Kasten).

 

Bei den aufgelisteten Papieren hingegen ist eine Wandlungschance durchaus vorhanden. Entweder sind die Aktien wie Bouygues stark gefallen oder verfügen wie Avon oder Amgen über erhebliches Kurspotenzial. Fisch achtet darüber hinaus auf eine weitere Kennzahl: das Delta. Es misst die Auswirkung einer Aktienkurs-Schwankung. Ein Delta von 0,5 bei der Anleihe von Pernod Ricard bedeutet beispielsweise, dass sich die Wandelanleihe bei einem Kursanstieg der Aktie um einen Euro theoretisch um 50 Cent verteuert.

 

Für Investoren lohnt es sich, am Ball zu bleiben. Denn eine Reihe von Firmen wird 2003 neue Produkte auf den Markt bringen. Wegen der Unsicherheit werden die Emittenten zudem höhere Kupons bieten.

 

Prämie entscheidet


Die Käufer von Wandelanleihen sollten beim Erwerb der Wertpapiere besonders die Prämie beachten.


Notiert der Aktienkurs weit unter dem Wandelkurs der Anleihe, wird eine Wandlung unwahrscheinlich. In diesem Fall hat die Wandlungsoption ihren Wert verloren.


Für den Anleger ist es deshalb sehr wichtig zu wissen, wie hoch die Prämie (auch Aufgeld)ist. Die Prämie ist der Preisunterschied zwischen dem Bezug der Aktien über die Wandelanleihe und dem direkten Kauf über die Börse.


Bei der Höhe der Prämie spielt auch die Volatilität (Schwankungsbreite) der Aktie eine Rolle. Als Merksatz für Anleger gilt: Titel, die stark schwanken, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Wandlungshürde überschritten wird. Ihre Prämien dürfen deshalb auch höher sein.

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