Profitable Wahl
12.02.2004
Von Uli Kühn
Veröffentlicht im Focus-Money
12/02/2004
Wandelanleihen gelten als lukratives Aktieninvestment mit Verlustversicherung. Privatanleger verdienen mit den besten Fonds.
Der 'Ibbotson-Almanach' zählt ein deutig zur Lieblingslektüre von Pimco-Chef Bill Gross. 'Das Jahrbuch ist eines der zwei Bücher, die ich stets in Griffweite brauche ', verrät der Anleihen-Papst.
Nicht umsonst: Das rund 400 Seiten starke Nachschlagewerk im Format eines Weltatlas enthält wertvolle – und häufig wenig bekannte – Fakten für Anleger: etwa über die überragende Kursentwicklung von Wandelanleihen.
In den vergangenen 30 Jahren brachten diese Zwitter zwischen Aktien und Anleihen fast exakt den gleichen Ertrag wie Aktien – bei deutlich niedrigerem Risiko. Privatanleger profitieren mit den richtigen Wandelanleihen-Fonds. Die besten Fonds überstanden sogar die letzte Megabaisse ohne Blessuren.
Zwischen Anfang 1973 und Ende 2002 rentierten US-Aktien, gemessen am S&P-500-Index;, mit 10,7 Prozent pro Jahr. Wandelanleihen brachten 10,6 Prozent Jahresrendite. Ihr Kurs schwankte dabei mit einer Standardabweichung von 13,1 Prozent. Die Volatilität von US-Aktien lag bei durchschnittlich 18,3 Prozent.
Starker Beweis.
'Die Zahlen zeigen das überlegene Chance-Risiko-Verhältnis der Wandler', kommentiert Beat Thoma von der auf diese Wertpapiere spezialisierten Fisch Asset Management in Zürich. Marc-Alexander Kniess, Manager des Wandelanleihen-Fonds DWS Convertibles, kürt die Wertpapiere sogar zum 'Basisinvestment für risikoscheue Aktienanleger'.
Doch selbst wer ohnehin nur sichere Zinspapiere kauft, profitiert von Wandelanleihen. 'Unter Diversifikationsaspekten machen Wandelanleihen am meisten Sinn in Anleihen- oder Immobilienportfolios', urteilen die Experten von Ibbotson Associates in einer bereits 1993 veröffentlichten Studie. Grund: Die Kurse der Wandler orientieren sich am Trend der Aktien. Anleihen und Immobilien folgen anderen Pfaden.
Grosser Vorteil.
Die Erklärung für die höhere Korrelation mit dem Aktienmarkt liegt in der Konstruktion der Wandler. Wer solch ein Papier erwirbt, erhält neben jährlichen Zinsen und dem Versprechen der Rückzahlung des eingesetzten Kapitals ein Wandlungsrecht: Die Anleihe kann jederzeit in Aktien des emittierenden Unternehmens umgetauscht werden.
Die Verbindung zwischen Aktien- und Anleihekurs ist dabei umso enger, je höher der Aktienkurs über dem Wandelpreis liegt. Ab einem bestimmten Niveau steigt der Anleihekurs parallel zum Aktienkurs.
Bei sinkenden Aktienkursen fällt der Anleihekurs jedoch nur bis auf das Niveau des Nominalbetrags der Anleihe. Unterhalb dieser Sicherheitsschwelle macht der Umtausch in Aktien für den Anleger keinen Sinn mehr. In diesem Fall kassiert er bis zur Rückzahlung der Anleihe lieber die (niedrigen) Zinsen.
'Im Grunde kann man Wandelanleihen als ein Aktieninvestment mit Verlustversicherung bezeichnen', sagt Experte Thoma. Konsequenz: In der Vergangenheit partizipierten Wandelanleihen zu 70 Prozent an Gewinnen der Aktienbörse. Fallende Kurse machten sie nur zu 53 Prozent mit. Das berechneten Analysten der Investmentbank Goldman Sachs.
Die Wertentwicklung typischer Wandelanleihen-Fonds demonstriert diese Eigenschaft. So blieb etwa der Kurs des weltweit anlegenden DWS-Fonds in der Jahrhunderthausse 1995 bis 1999 etwas hinter dem Höhenflug des MSCI-Weltindex zurück. Im anschliessenden Abschwung bewies der Fonds jedoch Widerstandskraft. Die Verluste fielen weniger stark aus.
Schöner Erfolg.
Nahezu vollständig von Verlusten verschont blieben die Besitzer des ebenfalls weltweit anlegenden Nordcumula. Dafür fuhr der Fonds allerdings in der Aktienhausse mit angezogener Handbremse. 'Der Grund für diese Kursentwicklung ist unsere vorsichtigere Anlagestrategie', erläutert Nordcumula-Manager Sven Pfeil. Im Fonds finden sich überwiegend Wandelanleihen mit moderater Aktienkurs-Sensitivität.
Völlig abkoppeln von Aktien und Anleihen konnte sich dagegen der Japan CB Universal Fonds. Dessen Manager Hans-Joachim Parschau produziert seit dem Start vor 14 Jahren fast regelmässig Gewinn – in einer Zeit, in der japanische Aktien 75 Prozent ihres Wertes verloren und Zinspapiere auf der Stelle traten. Dieser Erfolg dürfte sogar die Ibbotson-Forscher überrascht haben.
Spekulation mit AirbagWandelanleihen sind ein Zwitter zwischen Aktien und Anleihen. Investoren erhalten Zinsen und am Ende der Laufzeit ihr Kapital zurück. Alternativ können sie jedoch die Anleihe jederzeit in eine festgelegte Zahl von Aktien des emittierenden Unternehmens tauschen. Das lohnt, sobald der Aktienkurs über den vereinbarten Wandelpreis steigt, im Beispiel ab 50 Euro. Tausch und anschliessender Verkauf der Aktien bringen dann sofort sicheren Gewinn. Deshalb steigt auch der Wert der Anleihe. Der Börsenkurs der Anleihe liegt meist noch oberhalb des theoretischen Werts, im Beispiel bei 120 anstatt bei 118 Prozent. Notiert die Aktie weit über dem Wandelpreis, entwickeln sich Aktien- und Anleihekurs parallel. |