Wandelanleihen - Gute Alternative für Unentschlossene
02.05.2007
Veröffentlicht in der «Kurs»
01/05/2007, Ausgabe: 5/2007, Seiten: 45-46
Autor: Benjamin Rubin
Immer mehr Privatanleger und Anlageexperten haben sich in den letzten Jahren den Wandelanleihen zugewandt. Vor allem volatile Märkte, bei denen sich viele Investoren über die weitere Entwicklung von Zins- und Aktienkurven unsicher sind, scheinen der ideale Zeitpunkt zu sein, sich dieser hybriden Anlageklasse zuzuwenden.
„Die steigende Beliebtheit der Wandelanleihen hat dazu geführt, dass wir aufgrund der enormen Mittelzuflüsse unseren europäischen Wandelanleihenfonds schließen mussten“, erklärt etwa Alexandre Jeanblanc von BNP Paribas Asset Management gegenüber KURS. Nun habe man mit dem Parvest European Small Convertible Bond einen vergleichbaren Fonds aufgelegt, der in Wandelanleihen kleiner und mittlerer Unternehmen aus Europa investiert. „Seit 2005 waren Investoren nervös, was die Bewertung von Aktien angeht oder auch die Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Viele, die an ihren Investments festhalten wollen, tun dies über Wandelanleihen“, so Jeanblanc.
Wandelanleihen werden von den meisten Marktexperten als eine eigene Anlageklasse gewertet, bilden sie doch ein Zwitterwesen aus Anleihe und Aktie. Wie eine Anleihe weisen sie einen Kupon und eine Restlaufzeit auf, nach der eine Rückzahlung erfolgt. Allerdings wird dem Inhaber eine Wandlung der Anleihe in Aktien des jeweiligen Unternehmens zu einem festgelegten Umtauschverhältnis eingeräumt – weswegen die Wandelanleihe positiv auf Aufwärtsbewegungen der jeweiligen Aktie reagiert, durch ihren Anleihestatus aber auch bei Kursstürzen eine Sicherheit bietet. „Ein Fonds mit einer hybriden Wandelanleihen-Strategie wird in einem langfristig schwierigen Aktienmarkt rund 30 Prozent des Abschwungs mitmachen“, erläutert Kurt Fisch, Geschäftsführer der auf Wandelanleihen spezialisierten Fisch Asset Management AG aus Zürich gegenüber KURS. „Dagegen wird ein langfristiger Aufschwung am Aktienmarkt zu gut 70 Prozent mitgemacht.“ Kurzfristige scharfe Bewegungen an den Märkten, die unverhofft erfolgen, könnten aber zu einer stärkeren Beteiligung nach oben und unten führen – je nachdem, wie der Manager mit seinem Fonds positioniert ist. Schaut man sich etwa das vergangene Jahr am europäischen Markt an, so haben Unternehmensanleihen (MSCI Euro Credit Corporates) knapp 0,5 Prozent zugelegt, während der Marktbreite Aktienindex Stoxx 600 um rund 22,6 Prozent anstieg. Europäische Wandelanleihen (UBS Europe Focus Convertibles Index) wurden ihrer Zwitterstellung auch bei der Rendite gerecht und legten um 13,4 Prozent zu.
Jeanblanc rät jedoch dazu sich die extremeren Jahre der Märkte anzuschauen und etwa den Absturz der Jahrtausendwende mit einzubeziehen. Von Ende 1996 bis Ende 2006 hätten von den drei Indizes die Unternehmensanleihen die stabilste Entwicklung, seien aber von der Rendite her mit rund 70 Prozent plus auch am niedrigsten. Der europäische Aktienmarkt sei dagegen um rund 110 Prozent angestiegen, wobei er im Herbst 2000 sogar noch etwas höher notierte und dann bis in die ersten Monate 2003 seine Gewinne fast komplett wieder verlor. Der Wandelanleihenindex sei dagegen nur um rund 20 Prozentpunkte von seinen Höchstständen gesunken und hätte über die zehn Jahre insgesamt um über 160 Prozent zugelegt.
Kurssturz wird begrenzt
„Wandelanleihen sind ein Produkt für die Unentschlossenen und eignen sich bestens für unsichere Zeiten“, so Jeanblanc. Unterliegende Aktie, Volatilität, Zinsniveau und Kreditspreads seinen die entscheidenden Kriterien für die Wandelanleihen, erläutert Fisch. „Dank steigender Aktien sollte die Wandelanleihe eine überdurchschnittlich hohe Aktiensensitivität, also ein hohes Delta aufweisen“, gibt sich der Schweizer Experte zuversichtlich für die bereits gestiegene Aktiensensibilität der Wandelanleihen. „Bei den anderen drei Faktoren sehen wir für die unmittelbare Zukunft keine großen Veränderungen.“
Der Franzose Jeanblanc widerspricht hier. Zunächst sei die implizite Volatilität im Nachklang zum Börsencrash von über 40 auf etwa 18 zu Beginn des Jahres 2005 gesunken; mittlerweile liege sie eher wieder bei 30. Zudem hätten die Sicherheitspuffer zum Aktienkurs in den Jahren 2004 und 2005 deutlich höher gelegen, während derzeit die Korrelation zum Aktienmarkt wieder stärker zum Tragen käme. „Selbst wenn diese Korrelation wieder gestiegen ist, sollten sich Investoren klar machen, dass Wandelanleihen den Aktienmarkt über die letzten zehn Jahre outperformed haben, weil der Kurssturz durch den Anleihecharakter der Papiere begrenzt ist“, gibt sich Jeanblanc zuversichtlich. „Wer sich sicher ist, dass der Aktienmarkt derzeit übertrieben hoch bewertet ist, der sollte komplett ins Anleihenlager wechseln. Wer sich aber eine Option auf steigende Märkte bewahren will, der kann sich dies mit Wandelanleihen erhalten.“
Parvest hat nun als erste Anlagegesellschaft mit ihrem neuen Fonds speziell das Segment der kleinen und mittleren Unternehmen in den Anlagefokus genommen. Die Größen der Wandelanleihen müssen sich dabei zwischen 50 und 250 Millionen Euro bewegen, so dass sie liquide genug sind. Zudem ist der Fonds auf einen Höchstanteil von 15 Prozent an einzelnen Anleihen begrenzt und einzelne Positionen dürfen nicht mehr als fünf Prozent im Fondsportfolio ausmachen. Eine Währungsabsicherung nehmen Jeanblanc und sein Team nicht vor, da die meisten Wandelanleihen sowieso in Euro denominiert seien. „Investoren haben hier die Möglichkeit, eine höhere Diversifikation zu erreichen und erhalten sich ein gewisses Engagement an europäischen Nebenwerten“, erläutert der Experte. Gerade durch die zumindest 80-prozentige Ausrichtung des Fonds auf europäische Nebenwerte rechnet Jeanblanc mit einer langfristig höheren Rendite des Fonds als bei Wandelanleihen von den großen, so genannten „Blue-Chip“-Werten. Denn über lange Sicht haben Nebenwerte durch ihr durchschnittlich größeres Wachstumspotenzial besser abgeschnitten als Standardwerte. Und letztlich sei es vor allem die Aktienrendite, die das Gros der Performance bei Wandelanleihefonds ausmache, erläutert der Parvest-Stratege.
Dass der neue Fonds aber ebenfalls Probleme durch zu hohe Mittelzuflüsse erhält, glaubt Jeanblanc nicht. „Noch sind Wandelanleihen ein Nischenprodukt“, meint er. „Investoren kennen die Anlageklasse einfach zu wenig, denn eigentlich ist es ein Kernprodukt fürs Portfolio.“
Dass sich Fisch Asset Management seit der Gründung 1994 als Spezialist für Wandelanleihen etabliert hat und kontinuierlich wächst, zeigt die Entwicklung - gerade in jüngerer Vergangenheit. Fisch Asset Management beschäftigt aktuell 25 Personen - davon wurden allein zwölf in den vergangenen zwei Jahren eingestellt. Auch als Ausbildungsbetrieb übernimmt Fisch Asset Management Verantwortung und bildet derzeit eine junge Frau und einen jungen Mann aus.
Das erfreuliche Wachstum drückt sich nicht nur in Mitarbeiterzahlen aus, sondern in erster Linie im verwalteten Vermögen. Ende des Jahres 2006 betreute Fisch Asset Management ein gesamtes Vermögen (hauptsächlich institutionell, aber auch privat) von vier Milliarden Schweizer Franken und damit ein Zuwachs von 85 Prozent gegenüber dem Jahr 2005.