Wandelanleihen, die clevere Alternative
02.08.2004
Veröffentlicht in «Mein Geld»
08/2004, Ausgabe: 7-8/2004, Seite: 31 - 36, Rubrik: Investment
Finanzinstrument mit Zukunft – Zwitterpapiere mit 'reizenden' Eigenschaften
Beim Suchen der idealen Geldanlage eröffnet sich Investoren eine riesige Auswahl an Finanzprodukten. Immer häufiger gerät dabei die Wandelanleihe ins Blickfeld. Ein gewachsenes Sicherheitsdenken, gepaart mit dem Wunsch bei steigenden Aktienkursen im Boot der Gewinner zu sitzen, sind die Gründe. Die Wandelanleihe als Anlageform findet gerade in Zeiten fallender oder uneinheitlicher Börsen mehr Beachtung. Dabei ist sie zu jeder Phase ein lohnendes Investment, vorausgesetzt die sich bietenden Vorteile werden konsequent ausgenutzt.
Auf den ersten Blick stellt sich die Wandelanleihe als 'normale' Anleihe mit fester Laufzeit, Rückzahlung und Verzinsung dar. Niedrige Zinsen – zwischen null und drei Prozent – und eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren erscheinen kurz betrachtet nicht gerade verlockend. Der Reiz dieses Zwitterpapiers liegt jedoch im Wandelrecht. Während ihrer Laufzeit lässt sich die Wandelanleihe – zu einem vorher festgelegten Preis – in Aktien des selben Unternehmens 'wandeln'. Der Wandelpreis ist das Verhältnis vom Nominalbetrag der Anleihe zur Anzahl der wandelbaren Aktien. 'Im ständig wachsenden Wandelanleihenmarkt wurden vergangenes Jahr weltweit immerhin 101 Milliarden Dollar platziert – und damit das drittgrößte je erreichte Volumen erzielt', unterstreicht Kurt Fisch von der auf Wandelanleihen spezialisierten Fisch Asset Management AG, Zürich, die zunehmende Bedeutung dieser Anlageform.
Gewinnchancen mit Risikoschutz
Wandelanleihen können während der Laufzeit ihren Charakter ändern: Bei sinkenden Kursen sind sie typische Anleihen mit leicht niedrigeren Zinsen als Rentenpapiere. Gleichzeitig besteht dafür die Kurs-Chance der zugrundeliegenden Aktie. Steigt der Basiswert – der Aktienkurs – über den Wandelpreis, tauscht man in Aktien und verkauft diese mit Gewinn. Fallen die Kurse, hält man die Anleihen und bekommt am Ende der Laufzeit den Nennbetrag zurück. Somit partizipieren Investoren am Kurswachstum sofort, während sie gegen die Risiken der Kursverluste durch den Kapitalschutz abgesichert sind.
Wer die Tauschoption nicht einlösen möchte, kann Wandelanleihen auch während der Laufzeit verkaufen. Ihr Preis richtet sich dabei nach dem aktuellen Basiswert. Steigt die zugrunde liegende Aktie, wächst auch der Wert der Wandelanleihe. Fallen die Kurse, verliert auch die Anleihe an Wert – jedoch nicht so stark wie der Basiswert. Meist machen Wandelanleihen zwei Drittel des Kursanstiegs der Aktie mit, hingegen nur etwa ein Drittel der Abwärtsbewegung. Die Volatilität des Papiers ist damit geringer als bei anderen Anlagen. Gerade ein professionelles Management nutzt durch aktives Kaufen und Verkaufen von Wandelanleihen die Gewinnchancen aus.
Wandelanleihen bieten gegenüber anderen Mischungen aus Anleihen und Aktien das beste Risiko-/Ertragsverhältnis. Und sie bieten in jedem gemischten Portefeuille einen wertvollen Diversifikationsbeitrag. Dies bestätigt eine Untersuchung, die die Fisch Asset Management AG beim Schweizer Institut für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen in Auftrag gegeben hatte. Im Zeitraum von 1994 bis 2000 lagen Rendite und Risiko von Wandelanleihen über dem von Obligationen, aber unter dem von Aktien. 'Kauft man zu einem bestehenden Depot aus Aktien und Obligationen Wandelanleihen hinzu, ergibt sich bei gleichem Risiko eine höhere Rendite, oder das Risiko sinkt bei gleicher Rendite,' erläutert Kurt Fisch.
Vorteil Wandelanleihe
Der Wert von Wandelanleihen liegt vielfach unter ihrem theoretischen Wert. Ursache ist unter anderem die untrennbare Verbindung von Anleihe und Wandelrecht (Option). Denn viele Anleger bevorzugen frei handelbare Optionen und sind bereit, dafür einen höheren Preis zu bezahlen. Diese Unterbewertung von Wandelanleihen lässt sich systematisch nutzen und führt, so Kurt Fisch, bei gegebener Rendite zu geringerem Risiko. Zudem ermöglichen Wandelanleihen ein fast perfektes Markttiming und helfen, unerwünschte Einflüsse der Anlegerpsychologie auszuschalten. Denn Investoren wird die Timing-Entscheidung abgenommen.
Der Kapitalschutz verhindert hohe Verluste, selbst wenn an stark fallenden Titeln festgehalten wird. So fühlen sich Investoren nicht zu Notverkäufen getrieben. Bei steigenden Kursen zieht die Wandelanleihe mit. Dies entspricht dem Verhalten eines Anlegers, der bei steigenden Aktien zukauft. Käufe bei steigenden Preisen fallen den meisten Investoren schwer, da sie eher zu frühen Gewinnmitnahmen neigen.
Das optimale Timing, das eine Wandelanleihe ermöglicht, macht sie in allen, vor allem aber auch in unsicheren Börsenzeiten zu einem wichtigen Instrument der Stabilität. Entscheidend ist allerdings auch die Bonität des Emittenten. Denn nur wenn er die Anleihe rückerstatten kann, bietet sie Kapitalschutz. 'Wer systematisch in ausgesuchte Wandelanleihen investiert, steht besonders in turbulenten Märkten über den Dingen', ist Kurt Fisch überzeugt.
Wandelanleihen für Privatanleger ideal
Die richtige Bewertung von Wandelanleihen ist komplex und die Preisfindung erfordert Informationen, die meist nur professionellen Anlegern zur Verfügung stehen. Daher sind Wandelanleihen traditionell kein typisches Privatkundenprodukt. Meist betreiben nur Banken, Versicherungen und Fonds diesen Aufwand. Privatanleger, die von den attraktiven Gewinnmöglichkeiten der Wandelanleihen profititeren wollen, fahren in der Regel mit Fonds am besten. Die aktive Verwaltung der Anlage erfolgt durch ein professionelles Management. Denn der Kaufpunkt der Wandelanleihe verlangt vom Investor die Fähigkeit, eine richtige Bewertung der Wandelanleihe vornehmen zu können. Falls er das kann, finden sich am Markt immer wieder sehr günstige Einstiegsmöglichkeiten. Ebenso werden Kauf- und Verkaufszeitpunkte einzelner Wandelanleihen ideal gewählt und die Schuldnerqualität der unterliegenden Aktien permanent im Auge behalten. Ein auf deutsche Anleger ausgerichteter Wandelanleihenfonds stellt der International Convertible Expert Fund dar, der in konservativer Form eine klassische Wandler-Strategie verfolgt.
Nähre Angaben dazu finden sich im Internet unter www.fam.ch.
Wandelanleihen der Deutschen Post ist für Anleger attraktiv
Wandelanleihen sind für viele Anleger eine interessante Geldanlage. Bestes Beispiel dafür ist die jüngst an die Börse gegangene Postbank. Mit der Wandelanleihe hat der Mutterkonzern, die Deutsche Post (von Standard & Poor's als 'A' eingestuft), vorerst 983,25 Millionen Euro eingenommen. Die Inhaber können diese Anleihe nun innerhalb von drei Jahren in Postbank-Aktien tauschen, die zu 28,50 Euro an den Markt gebracht werden.