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Chancen mit Risikoschutz

02.08.2005

Veröffentlicht in «Mein Geld»

08/2005, Ausgabe: 7-8/2005, Seite: 36 - 37, Rubrik: Investment


Interessant für Privatanleger: Sicherheit einer Anleihe gepaart mit Renditechancen einer Aktie.


Nicht nur institutionelle Anleger haben längst die Vorteile des Produkts Wandelanleihe erkannt, auch Privatanleger interessieren sich immer häufiger für die Vorzüge dieser Assetklasse. Die zunehmende Berichterstattung in den Medien sorgt für eine gesteigerte Wahrnehmung bei Privatanlegern. Und nach den Erfahrungen in den vergangenen Jahren hat ein angemessenes Risiko/Rendite-Verhältnis eine wesentlich grössere Bedeutung gewonnen.

 

'Das verstärkte Sicherheitsdenken gepaart mit Gewinnchancen durch die Aktienoption lässt die Wandelanleihe zu einem sinnvollen Baustein auch im Portefeuille der Privatanleger werden. Wandelanleihen beziehungsweise Wandelanleihenfonds sind geeignete Alternativen im grossen Markt der Finanzprodukte für Anleger, die eine gesunde Mischung aus Aktien- und Anleiheninvestition bevorzugen', so Roland Hotz, Partner der auf Wandelanleihen spezialisierten Fisch Asset Management AG, Zürich.

Kombination: Anleihe-Aktie

Wandelanleihen, auch Convertibles genannt, stellen eine Kombination aus Anleihe und Aktie dar. Wie eine traditionelle Anleihe auch, ist das Papier ein festverzinsliches Wertpapier mit fester Laufzeit und fixem Rückzahlungsbetrag. Der Clou des Instruments ist die Option zum Tausch in eine vorher festgelegte Anzahl von Aktien desselben Unternehmens (bei Umtauschanleihen wird in die Aktie eines anderen Unternehmens gewandelt), das so genannte Umtauschverhältnis. Dabei gibt der Wandelpreis an, zu welchem Kurs in Aktien gewandelt werden kann. Er entspricht dem 'Tauschkurs' der Aktie, der während der gesamten Laufzeit unverändert bleibt.

 

Anleger müssen jedoch nicht wandeln. Dies lohnt sich nur, wenn der Aktienkurs soviel steigt, dass der Gegenwert der 'getauschten' Aktien über dem Nominalwert der Wandelanleihe liegt. Sinken die Kurse, verfügt das Papier über den Kapitalschutz. Denn Anleger erhalten bei Nichtwandlung die Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nominalbetrag zurückbezahlt. Das dynamische Finanzinstrument erhält bei steigendem Aktienkurs automatisch mehr Aktiencharakter während es bei sinkenden Kursen den Charakter einer Obligation annimmt.

 

Der Kurs, mit dem Wandelanleihen gehandelt werden, liegt meist über ihrem inneren Wert oder auch Parität genannt. Bei einer Parität von beispielsweise 85 Prozent müssen Käufer für die Wandelanleihe rund 100 Prozent zahlen, erläutert Roland Hotz. Der Aufpreis für die Anleihe im Vergleich zur Aktie ist die Wandelprämie und kann mit einer herkömmlichen Optionsprämie verglichen werden. Der Unterschied liegt darin, dass der Anleger aber den Nominalwert der Anleihe zurück erhält, falls er vom Wandelrecht nicht Gebrauch machte. Dieser Schutz wirkt wie eine Versicherung und gibt Wandelanleihen ein äusserst attraktives Risiko/Ertrags-Profil. Papiere, deren zugrunde liegende Aktie eine hohe Volatilität aufweist, sind meist durch eine höhere Prämie gekennzeichnet, da die zugrunde liegende Aktie schneller steigen und ebenso schnell an Wert verlieren kann.

Breite Auswahl an Wandelanleihenfonds

Mit dem Wachstum im Segment Wandelanleihen findet eine zunehmende Professionalisierung statt. Die Produktpalette der angebotenen Fonds reicht von der einfachen 'Aktienersatz-Strategie' über 'Hybride' bis hin zu 'Bondersatz-Strategien' mit oder ohne Währungsabsicherung. Diese und weitere Anlagevarianten sorgen für eine Vielfalt unter Wandelanleihenfonds, die die unterschiedlichen Erwartungen der Investoren erfüllen. 'Für konservative Anleger eignen sich Fonds mit 'Bondersatz-Strategien', die eine geringere Aktiensensitivität, aber grösseren Schutz vor Kursrückschlägen gewährleisten. Der 'Aktienersatz-Stratege' setzt auf eine möglichst hohe Partizipation an der erwarteten Aktien-Hausse. Ausgewogene Anleger möchten in erster Linie vom positiven asymmetrischen Risiko-Ertrags-Verhältnis hybrider Wandelanleihen profitieren', so Roland Hotz.

 

Obwohl der Zinsertrag einer Wandelanleihe mit guter Schuldnerqualität nur rund ein Drittel einer herkömmlichen Anleihe beträgt, können mittel- bis langfristig sehr gute Renditen mit dieser Anlagekategorie erzielt werden. Dies verdeutlichen die Resultate der Fonds 'BayernLB Convertible Bond Fonds AL' (WKN 723488) oder des 'International Convertible Expert Fund HA1' (WKN 216720), mit je über elf Prozent seit Auflage im Oktober 2002 respektive März 2003.

 

'Liquidität kein Problem'

Wandelanleihen sind in Deutschland nicht besonders populär - obwohl sie einiges zu bieten haben. MeinGeld sprach mit dem Experten Roland Hotz von Fisch Asset Management aus Zürich. Interview: Gian Hessami


Mein Geld: Herr Hotz, warum sollten Anleger Wandelanleihen kaufen?

 

Roland Hotz: Eine Wandelanleihe scheint zunächst nichts anderes als eine Mischung aus einem Aktien- und Anleiheninvestment zu sein. Tatsächlich gibt es aber eine Reihe spezieller Gründe für Wandelanleiheninvestments. Eines der Hauptmerkmale ist das asymmetrische Kursverhalten. Damit ist die Kombination aus garantiertem Rückzahlungspreis (=limitiertes Risiko) aber unlimitiertem Kurspotenzial nach oben gemeint. Aufgrund des Wandlungsrechtes profitiert der Käufer von steigenden Aktienkursen. Da aber nicht gewandelt werden muss, behält er bei schlechter Börsenlage die Anleihe und ist durch den Rückzahlungspreis geschützt.


Mein Geld: Welche Risken gibt es?

 

Roland Hotz: Bei Wandelanleihen bestehen grundsätzlich die selben Marktrisiken wie bei Renten oder Aktienpapieren. Die meisten Wandelanleihen sind nach der Liberierung an einer Börse notiert oder werden OTC (over the counter) von den Investment Banken (Marketmaker) gehandelt. Ihre Hausbank ist problemlos in der Lage, Ihr gewünschtes Papier zu fairen Preisen am Markt zu kaufen oder zu verkaufen. Die Liquidität ist heute kein Problem mehr. Lediglich bei ganz kleinen Privatplatzierungen könnte wegen der beschränkten Marktteilnehmerzahl ein Liquiditätsrisiko auftreten. Wir raten deshalb von solchen Emissionen ab. Zu beachten ist jedoch die Mindeststückelung der Wandelanleihe, die gerade bei deutschen Emittenten oft bei 50'000 Euro oder gar höher liegt. Gerade deswegen empfehlen wir dem Privatkunden, über einen Publikums-Wandelanleihenfonds zu investieren.


Mein Geld: Die Postbank machte 2004 bei ihrem Börsengang den Begriff Wandelanleihe populärer. Der Aktienkurs ging stetig nach oben, konnten die Besitzer der Wandelanleihe schon davon profitieren?

 

Roland Hotz: Ja. Die Wandelanleihe (Mindeststückelung 50'000 Euro!) wurde mit einem Kupon von 2,65 Prozent bei 100 Prozent emittiert. Die Wandelprämie betrug zu diesem Zeitpunkt 38 Prozent. Heute steht die Anleihe bei 107 Prozent. Der WA-Investor könnte heute also einen Gewinn von 7 Prozent plus die aufgelaufenen Stückzinsen des Kupons für fast ein Jahr realisieren.

 

Mein Geld: Welches Produkt würde Sie empfehlen?

 

Roland Hotz: Dies ist eine immer wieder gestellte Frage und ist so allgemeingültig nicht zu beantworten. Zu unterschiedlich sind die individuellen Interessen der Anleger. Sicher ist, dass der 'nichtprofessionelle' Kunde mit einem Wandelanleihenfonds eine bessere Diversifikation und somit ein kleineres Risiko als mit Einzelanlagen eingeht. Als ausgewogenes Beispiel möchten wir hier den Convertible Bond Fonds der BayernLB, oder den International Convertible Expert Fund der Experta Gruppe nennen. Beides sind Luxemburger Publikums-Fonds und es bestehen ausschüttende oder thesaurierende Klassen. Die Referenzwährung ist Euro.


Mein Geld: 2004 machten renommierte Geldinstitute wie Deutsche Bank und Commerzbank zum Teil Verluste mit dem Handel von Wandelanleihen. Wie beurteilen Sie dies?

 

Roland Hotz: Diese Verluste haben weniger mit dem absoluten Preisverlauf der Wandelanleihen zu tun als vielmehr mit dem Umstand, dass diese Tradingdesks Verluste aus dem Handel mit Wandelanleihen realisieren mussten. Dies darum, weil der 'Marketmaker' sich in der Regel mit einem Hedge in der unterliegenden Aktie gegen die Wandelanleihenposition absichert. (Long Wandelanleihe, short Aktie oder umgekehrt). Aufgrund der stark gefallenen Optionsvolatilitäten letztes Jahr sind aus diesen Arbitragegeschäften Verluste entstanden. Auch CB-Arbitrage Fonds haben deswegen letztes Jahr schlechte Resultate hinnehmen müssen.

Mein Geld: Herr Hotz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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