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Königsdisziplin Wandler

17.09.2007

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten rufen nach Absicherung.
Wandelanleihen bieten einen natürlichen Kapitalschutz.


Von Katinka Gyomlay
Veröffentlicht in der «NZZ am Sonntag»
16/09/2007, Ausgabe: Nummer 37, Seite: 47, Rubrik: Invest


«Wandler sind ganz klar eine eigene Anlageklasse», sagt Kurt Fisch von der auf Wandelobligationen spezialisierten Finanzboutique Fisch Asset Management. Insbesondere Pensionskassen entdecken in diesen volatilen Zeiten das Anlageinstrument als Alternative zum klassischen Misch-Portfolio. Unter Privatanlegern sind Wandelanleihen (im Fachjargon Convertibles) und die dazu angebotenen Fonds immer noch ein Geheimtipp.

Nicht zu Unrecht bezeichnen Pius und Kurt Fisch, die mit ihrem Team in Zürich zu den bekanntesten Spezialisten in Europa gehören, Wandelobligationen als die Königsdisziplin der Portfolio-Optimierung.

Denn was auf den ersten Blick einfach anmutet, hat es in sich: Die Kombination aus Obligation und Aktie stellt erst unter den sich ändernden Marktbedingungen ihren facettenreichen und dynamischen Charakter so richtig zur Schau. Je nach Zinsniveau, Aktienkurs, Schuldnerbonität und Volatilität gleicht die Kursentwicklung des Wandlers derjenigen einer Aktie, einer klassischen Obligation oder einer risikoreichen High-Yield-Anleihe.

Einfluss Volatilität

In unruhigen, schwankungsanfälligen Märkten bewähren sich die hybriden Instrumente. Ein wichtiger Einflussfaktor für die Bewertung ist die Volatilität der zugrunde liegenden Aktien. Für Besitzer von Wandelanleihen wirken sich steigende Volatilitäten positiv auf den Optionswert und damit auf den Preis der Wandelanleihe aus. «Der Einfluss der Volatilität ist auch der Grund, dass mit Wandlern im Portfolio eine gute Diversifikation erzielt wird. Dies zahlt sich besonders im heutigen Marktumfeld aus», ergänzt Kurt Fisch.

So kommt der Kapitalschutz der Convertibles zum Tragen. Der Mix aus Dividenden- und Zinspapier bremst zwar die Aufwärtsbewegungen am Markt, dämpft aber umgekehrt auch die Verluste. In fallenden Märkten reduziert sich der Einfluss der Aktienbeteiligung, in steigenden erhöht sie sich. «Ein Portfoliomanager kann sich mit einer Wandelanleihen-Strategie in einer langfristigen Aufschwungphase am Aktienmarkt mit rund 70% an der Aufwärtsbewegung beteiligen. Dafür muss man in einem langfristig schwierigen Aktienmarkt nur rund 30% des Abschwungs mitmachen», sagt Pius Fisch.

Auch der Performancevergleich über einen längeren Zeitraum zeigt, wie gut der globale Wandelanleihen- Index im Vergleich zum Aktienindex mithält.

Für den Einsteiger sind Direktanlagen eher problematisch. Ein Wandelanleihen-Portfolio bedarf wegen seiner Dynamik einer ständigen Überwachung. Investitionen in Fonds sind durchaus sinnvoll, da das Portfoliomanagement das «Feintuning» übernimmt und in der Zusammenstellung strategisch vorgeht. Der Nachteil ist, dass es im Detail vergleichsweise schwierig ist, die Strategien nachzuvollziehen. Es kann zwischen offensiv und defensiv ausgerichteten Fonds gewählt werden. Fondsmanager steuern ihr Portfolio über das Delta der Wandler. Mit dieser Masszahl wird gemessen, wie stark der Convertible auf die Kursentwicklung der Basisaktie reagiert. Liegt das Delta bei 0,5, beträgt die Aktiensensitivität eines Wandlers 50%: Steigt die Basisaktie um 10%, gewinnt die Wandelanleihe um 5%.

Rekordjahr erwartet

Fisch Asset Management empfiehlt für Einsteiger einen global ausgerichteten Fonds. Wichtig sei neben der regionalen Ausrichtung, die Fondswährung, die Währungsabsicherung und die Bonitäten zu überprüfen. Denn die Obligationen-Komponente sichert die Rückzahlung, sofern die Anleihe eine entsprechende Bonität aufweist. Wer auf der sicheren Seite bleiben will, der achtet auf Wandelanleihen von Schuldnern mit guter Kreditwürdigkeit von mindestens BBB+ sowie einem hohen Gegenwert der Anleihen-Komponente, dem sogenannten Bond Floor.

Was die Angebotsseite anbelangt, ist es von der Emissionstätigkeit der Unternehmen abhängig, wie viel neues Volumen auf den Markt kommt. Aufgrund der bisher erreichten Zahlen könnte 2007 diesbezüglich zu einem Rekordjahr werden. Insbesondere die Emissionstätigkeit in Europa und Asien hat stark zugenommen. Grösster Markt sind traditionell die USA. Ein Unsicherheitsfaktor bleiben die Hedge- Funds: Kommen diese in Bedrängnis, stossen sie gern einmal grössere Mengen ihrer Convertibles ab. Zudem häufen sich dort die risikoreicheren Schuldtitel von Unternehmen. Auch diesen Sommer spürte der Markt diesen Einfluss.

Für das unterdessen 30 Mitarbeiter zählende Team der Fisch Asset Management wird 2007 ein erfolgreiches Jahr. Die verwalteten Vermögen konnten besonders in den letzten Jahren stark gesteigert werden. Derzeit werden 4,7 Mrd. Fr. Kundenvermögen vorwiegend von Banken, Pensionskassen, Versicherungen, Vermögensverwaltern und Family Offices verwaltet.

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