HOME > MEDIEN > Medienspiegel > Details

Chancen bei den Zwittern

02.09.2005

Von Ali Masarwah

Veröffentlicht im «portfolio international»

09/2005, Ausgabe: September 7/2005, Seite: 19


Angesichts der Gefahren an den Bond-Märkten und des Risikos steigender Spreads bei Unternehmensanleihen haben hybride Wandelanleiheportfolios noch gute Kurschancen. Allerdings bietet derzeit nur noch die Aktienkomponente der Wandler Phantasie.


Anlageberater befinden sich in der Zwickmühle: Angesichts der niedrigen Zinsen an den springen bei Anleihen im besten Fall nur minimale Renditen für den Anleger heraus, im schlimmsten Fall drohen den Langläufern bei steigenden Renditen sogar empfindliche Kursverluste. Andererseits zeigen sich private Investoren in diesem Jahr äusserst risikoavers, so dass sich Aktienfonds kaum noch an den Mann bringen lassen.

 

Eine auf den ersten Blick sinnvolle Alternative stellen im derzeitigen Marktumfeld Wandelanleihen dar. Die Zwitterpapiere weisen mit einer festen Laufzeit, einer festgelegten Rückzahlung und einer festen Verzinsung einerseits die Merkmale einer Anleihe, bieten dem Investor auf der anderen Seite aber auch die Option, bei einem Anstieg der Aktienmärkte an den Kurssteigerungen zu partizipieren. Zudem fallen die Volatilitäten bei Wandlern deutlich geringer aus als bei den Aktien derselben Unternehmen. Der Bondcharakter des Papiers bietet zudem eine Absicherung gegen den Totalverlust, zumindest solange der Emittent nicht insolvent wird. Doch wie viel Potenzial bieten Wandelanleihen im derzeitigen Marktumfeld tatsächlich, und welche Risiken drohen den zunehmend beliebteren Zwittern? 'Die Asset-Klasse ist prinzipiell noch immer eine gute alternative zu klassischen Bonds, das Marktumfeld ist aber nicht mehr ganz so attraktiv wie noch vor einem Jahr, da die Aktienmärkte schon sehr gut gelaufen sind', erklärt Ingo Klamroth, stellvertretender Direktor Fondsanalyse bei der Bad Homburger Feri Trust. 'Wenn der Börsenzyklus in die Phase eintritt, in der sowohl die Aktien als auch die Zinsen steigen, dann sind hybride Wandelanleihen interessant', ergänzt Kurt Fisch, Gründer der Schweizer Fisch Asset Management, die sich auf Wandelanleihen spezialisiert. Dass angesichts der niedrigen Volatilität und den daraus resultierenden niedrigen Optionspreisen ein Teil der Phantasie bei Wandelanleihen verloren geht, sieht Fisch gelassen: Die niedrige Volatilität an den Aktienmärkten sehe er als Kaufchance, da die Optionen niedrig bewertet seien. Deshalb sei auch ein Verharren der Volatilität auf dem derzeitigen Niveau kein Problem. 'Schlecht sähe es dagegen aus, wenn die Volatilität weiter fällt', sagt Fisch.

Niedrige Verzinsung

Allerdings hängt Wohl und Wehe der Wandelanleihen an einer weiteren Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt. Denn über die Bondkomponente ist heute angesichts des Niedrigzinsumfelds nicht viel zu holen. 'Es sind derzeit kaum Wandelanleihen am Markt, die unter Pari notieren. Auf Grund des niedrigen Kupons ist eine negative Realverzinsung dann auch keine Seltenheit', spricht Klamroth von Feri Trust ein Dilemma für die Manager von Wandelanleihefonds an.

 

Problematisch ist auch, dass sich der Markt auf steigende Zinsen einstellt. 'Wenn die Zinsen steigen, dann wird die Liquidität knapper, und das wirkt sich tendenziell negativ auf den Aktienmarkt aus. Dann steigt auch die Unsicherheit über die Bonität der Unternehmen, und die Spreads weiten sich aus', schildert Fisch ein mögliches Szenario. Für diesen Fall dürften die meisten Fondsmanager bei den Bonitäten auf die obere Bandbreite setzen. Um das Risiko von auseinander laufenden Spreads zu minimieren, dürften die meisten Fondsmanager eher auf Emittenten mit einer guten Bonität setzen. Das bedeutet aber, dass die laufende Verzinsung auf ein absolutes Minimum schrumpft.

 

Ein Blick auf die extrem geringen Risikoprämien bei Unternehmensanleihen lässt darauf schliessen, dass von der Bonitätsseite die Risiken die Chancen derzeit übersteigen. Das Zinsänderungsrisiko als solches dürfte für Wandler angesichts des freundlichen Aktienumfeldes dagegen kein Problem darstellen.

 

Worauf sollten also Berater achten, die gut 60 Wandelanleihefonds zu Wahl haben? Für den ersten Überblick bietet sich die Volatilität als wichtige Kennziffer zur Einordnung eines Fonds an, denn sie gibt einen ersten Aufschluss über die Strategie des Fondsmanagers. Hohe Volatilitäten lassen auf ein hohes Aktienexposure schliessen. 'Alle relativen Kennzahlen, wie etwa das Alpha oder der Tracking Error eignen sich angesichts der Heterogenität der Fonds aber nur bedingt', sagt Klamroth. Deshalb sei die qualitative Analyse der Wandelanleihefonds entscheidend. 'Zunächst muss der Investor wissen, welche Art von Wandelanleihen er haben will und welcher Fonds ihm das am ehesten bietet, was er sucht', ergänzt Kurt Fisch. Neben der Bonität seien auch die Fragen nach der Anlageregion und dem Aktien-Exposure wichtig.

Zurück