HOME > MEDIEN > Medienspiegel > Details

Mauerblümchen mit Perspektive

02.03.2003

Von Alfons Niederländer

Veröffentlicht in der «portfolio international» (Kleine Hochstrasse 9-11 / 60313 Frankfurt/Main)

03/2003, Ausgabe: 3/2003, Seite: 12, Rubrik: Fonds

 

Wer die Chancen einer Aktienanlage nutzen will, ohne auf die Sicherheit eines Anleiheinvestments zu verzichten, kann auf Convertible Bonds setzen. Die Wandelanleihen federn die Risiken weiterer Kursverluste ab, versprechen bei Kurssteigerungen aber zusätzliche Gewinne. Bei der Auswahl der geeigneten Papiere ist jedoch Expertenwissen gefragt - Privatanleger kaufen sie deshalb am einfachsten im Fonds.

 

Anleger erleben momentan eine Zeitenwende. Auf die Hausse des vergangenen Jahrzehnts folgt jetzt eine Phase der Kurskorrekturen. Positive strukturelle Effekte, wie eine rückläufige Inflation und niedrige Zinsen, werden abgelöst durch eine erhöhte Unsicherheit, die die Märkte erfasst hat. Viele Anleger wissen nicht recht, wie und wo sie investieren sollen. Rentenpapiere mit guter Bonitätseinstufung (Investment Grade) versprechen keine grosse Gesamtrendite; andererseits gibt es genügend Argumente, warum man zur Zeit nicht unbedingt Aktien kaufen sollte.

 

In einem solchen Marktumfeld gewinnt eine Anlageklasse an Attraktivität, die sehr lange und völlig zu Unrecht das Dasein eines Mauerblümchens geführt hat - Convertible Bonds oder Wandelanleihen. Trotz zahlreicher Vorteile wurde und wird diese Anlageform selbst von professionellen Vermögensverwaltern und Portfoliomanagern nur selten konsequent genutzt. Möglicherweise sorgen der verhältnismässig geringe Bekanntheitsgrad sowie eine nicht immer ganz einfache Bewertung einer Wandelanleihe für Berührungsängste. Dem Spezialisten eröffnen sich daraus aber nicht selten vorteilhafte Anlagemöglichkeiten.

 

Bei der Wandelanleihe handelt es sich um eine Zwitterform aus Anleihen und Aktien, die dem Eigentümer das Recht einräumt, den Bond innerhalb einer bestimmten Frist unter bestimmten Bedingungen und in einem festen Umwandlungsverhältnis in Aktien des Unternehmens zu tauschen. Interessant sind Convertible Bonds zum einen deshalb, weil sie in der Vergangenheit regelmässig höhere Renditen abgeworfen haben als normale Renten - bei einem deutlich geringeren Risiko als Aktien. Zum anderen bieten Convertible Bonds Anlegern die Möglichkeit, vom Aufwärtspotenzial der Aktien zu profitieren und sich gleichzeitig gegen Abwärtsrisiken zu schützen.

 

Steigt der Wert der unterlegten Aktie, so steigt in der Regel auch der Kurs der Wandelanleihe. Fällt umgekehrt der Wert der Aktie, wird der Kurs der Wandelanleihe durch die Kupons und den Rückzahlungsbetrag gestützt. Ausserdem können Anleger auf Grund des Doppelcharakters mit Hilfe von Wandelanleihen den Übergang zu einem ausbalancierten Portfolio von Aktien und Renten besonders gut abfedern.

Wert bei Rückzahlung

Grundsätzlich lohnt sich für einen Anleger die Wandlung der Anleihe in Aktien immer dann, wenn der Aktienkurs den so genannten Wandelpreis überschritten hat. Dieser Wandelpreis ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen dem Nennbetrag der Anleihe und der Anzahl der wandelbaren Anleihen.

 

Wertentwicklung einer Wandelanleihe

 

Das so genannte pay-off-Diagramm (siehe Grafik) einer Wandelanleihe zeigt, wie hoch der Wert der Anleihe bei Rückzahlung (pay-off) sein wird. Da dieser Wert vom Kurs der wandelbaren Aktien am Rückzahlungstag abhängt, dieser Kurs aber nicht im voraus bekannt ist, zeigt das pay-off-Diagramm einen ganzen Bereich möglicher Aktienkurse.

 

Da die Wandelanleihe ein Zwitter ist, müssen bei der Bewertung beide Bestandteile betrachtet werden - sowohl die Anleihe als auch die Aktie. Alle möglichen Werte der Wandelanleihe am Verfalltag werden durch die fette, schwarze-blaue Linie repräsentiert. Die gerade Linie zeigt, dass der Rentenanteil der Wandelanleihe am Rückzahlungstag zu 100 Prozent zurückbezahlt wird und das - wie bei Anleihen üblich - unabhängig vom Wert der unterliegenden Aktien.

 

Anders sieht die Situation beim Aktienanteil aus. Steht der Kurs der unterlegten Aktie unter dem so genannten Wandelpreis, dann lohnt es sich für den Anleger nicht, die Anleihe in Aktien zu wandeln. Er stellt sich besser, wenn er sich die Anleihe am Ende der Laufzeit auszahlen lässt. Steht der Kurs der unterlegten Aktie am Verfallstag über dem Wandelpreis, dann lohnt es sich, die Wandelanleihe in Aktien zu tauschen, die Aktien sofort zu verkaufen und dafür mehr als den Anleihewert zu erzielen.

Bewertung der Papiere

Neben dem Wandelpreis sind noch zwei weitere Grössen für die Bewertung einer Wandelanleihe von Bedeutung: Der Bond Floor und der innere Wert.

 

Der innere Wert der Anleihe entspricht dem Wert der Aktien, die der Anleger bei einem Umtausch seiner Wandelanleihe erhält. Aus diesem Grund schwankt der innere Wert ständig mit dem Aktienkurs. In der Graphik entspricht die erst gestrichelte, dann durchgezogene schräge Linie (blau) dem inneren Wert der Anleihe. Während ihrer Laufzeit notiert eine Wandelanleihe in der Regel über ihrem inneren Wert und nähert sich erst gegen Ende der Laufzeit diesem Wert beziehungsweise dem garantierten Rückzahlungsbetrag an.

 

Und noch eine Besonderheit muss ein Anleger im Umgang mit Wandelanleihen berücksichtigen. Für den Fall, dass die Aktie weit unter den Wandelpreis fällt, wird das Papier immer weniger auf kleinere Schwankungen des Aktienkurses reagieren. Sie koppelt sich gewissermassen von der Aktienkursentwicklung ab und wird bei einem noch weiter sinkenden Kurs nicht mehr zurückgehen, sondern sich auf einem bestimmten Niveau einpendeln. Der Kurs der Anleihe läuft dann seitwärts.

 

Dieses Niveau wird als Bond Floor bezeichnet. Dabei wird die Wandelanleihe mit einer gewöhnlichen Anleihe ohne Wandelrecht verglichen, die über die selbe Restlaufzeit und die gleiche Verzinsung verfügt wie die Wandelanleihe. Der Kurs dieses Papieres ist dann der Bond Floor der Wandelanleihe.

 

'Derzeit haben viele Convertible Bonds einen starken Anleihen Charakter', beschreibt Kurt Fisch, Geschäftsführer der auf das Management von Wandelanleihefonds spezialisierten Fisch Asset Management. 'Deshalb müssen die Papiere in solchen Fonds regelmässig umgeschichtet werden um die Chancen von Aktienkursgewinnen auch tatsächlich nutzen zu können wenn der Markt wieder anspringt.'

 

Dass Wandelanleihen gerade jetzt verstärkte Aufmerksamkeit finden, kommt nicht von ungefähr, sind die gegenwärtigen Marktbedingungen für diese Anlageklasse doch wie geschaffen. Traditionelle Renten-Anleger entscheiden sich zur Zeit für Wandelanleihen, weil ihnen die Verzinsung normaler Renten zu niedrig ist. Traditionelle Aktien-Anleger halten sich in fallenden Märkten mit dem Kauf von Aktien zurück und tendieren dazu, auf Wandelanleihen auszuweichen und auf diesem Umweg ihren Investitionsgrad zu erhöhen.

 

Hinzu kommt, dass der Markt für Convertible Bonds heute deutlich weiter entwickelt ist, als noch vor ein paar Jahren. Ein Grund dafür besteht darin, dass die Unternehmen derzeit grosse Schwierigkeiten haben, sich über die Emission von Aktien neues Eigenkapital zu besorgen. Sie begeben daher häufig Wandelanleihen. 'Dennoch müssen die Fondsmanager sehr genau darauf achten, dass sowohl die Schuldnerqualität als auch die Liquidität der Anleihe stimmen', betont Wandelanleiheexperte Fisch.

Gute Aussichten

Wandelanleihen sind aber nicht nur in Zeiten interessant, die durch grosse Unsicherheit geprägt sind, sie haben auch eine mittel- bis langfristige Perspektive. Denn sobald die Erholung an den Aktienmärkten einsetzt, werden Convertible Bonds wegen der unterlegten Aktien und deren steigenden Kursen ebenfalls profitieren. Alles in allem sind Wandelanleihen eine Anlageform mit viel versprechender Perspektive und ein disziplinierter Investmentprozess ist in der Lage, die Möglichkeiten dieser Papiere auch zu nutzen.

Zurück