HOME > MEDIEN > Medienspiegel > Details

„Aktienähnliche Rendite, aber mit weniger Volatilität“

29.07.2006

Von Falko Bozicevic
Veröffentlicht in der «Smart Investor»

29/07/2006, Ausgabe: 8/2006, Seite 14, Rubrik: Hintergrund


Smart Investor im Gespräch mit Roland Hotz, Portfoliomanager der Schweizer Fisch Asset Management, über Chancen, Risiken und Fallstricke bei Wandelanleihen

Smart Investor: Herr Hotz, warum sollten mich als Anleger Wandelanleihen überhaupt interessieren?

Hotz: Als so genanntes hybrides Produkt ermöglichen sie es Ihnen, am Aktienmarkt zu partizipieren und damit eine aktienähnliche Rendite zu erwirtschaften, dies aber mit einem nur anleiheähnlichen Risiko.

 

Smart Investor: Für wen eignen sich Wandelanleihen dann Ihrer Meinung nach?

 

Hotz: Da es viele verschiedene Strategien gibt, die man mit Wandelanleihen abdecken kann, eignet sich dieses Produkt prinzipiell für jede Kategorie von Anlegern. Die Strategien reichen von sehr defensiv, also rentenähnlich, bis hin zu sehr aggressiven, aktienvergleichbaren Ansätzen.

 

Smart Investor: Was sind die größten Fallstricke beim Thema Wandelanleihen?

 

Hotz: Man wird sich den Emissionsprospekt schon genauer ansehen müssen. Ein typisches Beispiel sind die so genannten Zwangswandler. Hierbei haben Sie nicht das Recht, sondern die Pflicht in die Aktie zu wandeln, spätestens zum Ablaufdatum der Wandelanleihe – ob Sie wollen oder nicht. Das entspricht dem Verkauf einer Put-Option, die Sie bei Verfall eingelöst bekommen. Ferner sollte man auf die Takeover Protection achten, die Sie vor einer Schlechterstellung bei einem Besitzerwechsel schützt. Bei einer Übernahme durch ein Unternehmen mit einem schlechteren Rating würde Ihre Wandelanleihe ebenfalls in die niedrigere Kategorie abrutschen, was mit Kursverlusten verbunden wäre. Und schließlich ist auch die Dividend Protection zu berücksichtigen, die bei Sonderausschüttungen eine Rolle spielt. Nicht nur die normalen Aktionäre erhalten diese, auch Sie als Wandelanleihenbesitzer werden adäquat berücksichtigt. Natürlich gibt es noch viele weitere Klauseln.

 

Smart Investor: Was geschieht im Falle eines Konkurses mit einer Wandelanleihe?

 

Hotz: Sie befinden sich in der Konkursmasse wie auch die anderen Anleihebesitzer der Gesellschaft, sind also gleichgestellt. Früher waren Wandelanleihen oftmals subordinated, also nachrangig, dies ist heute aber praktisch nicht mehr der Fall.

 

Smart Investor: Welches war Ihr größter Flop in Bezug auf Wandelanleihen, wo haben Sie sich komplett verschätzt?

 

Hotz: Einen Default, die Pleite eines Schuldners und die ausbleibende Rückzahlung, hatten wir noch nicht. Verschätzen kann man sich allerdings überall, indem man die Aussichten des zugrunde liegenden Unternehmens falsch beurteilt. Natürlich verfolgen wir ein entsprechendes Risikomanagement und ziehen die Notbremse, wenn z. B. das Rating zurückgestuft wird.


Smart Investor: Wie steht es mit der anderen Richtung: Gibt es derzeit irgendeine Wandelanleihe, die Sie für komplett unterbewertet halten?

 

Hotz: Nein, denn das ist heute im Grunde auch ausgeschlossen. Der Markt für Wandelanleihen ist durch die ganze Optionstheorie viel effizienter geworden und hat etwaige Unterschiede durch seine Marktmechanismen nivelliert.

 

Smart Investor: Das gesamte Thema ist sehr komplex, man muss zahlreiche Fachbegriffe kennen und verstehen. Steht für einen Anleger der Nutzen in einem angemessenen Verhältnis zum Recherche-Aufwand?

 

Hotz: Wenn man bedenkt, was man alles beim Kauf einer Wandelanleihe berücksichtigen muss, dann kann man Ihre Frage mit Nein beantworten. Zumal man auch nach dem Kauf ständig seine Risikoparameter im Auge haben muss, z. B. Aktienkurs, Schuldnerqualität, Call- oder Put-Möglichkeiten, Wandelprämie, Volatilität. Das ist ziemlich aufwändig, und Sie bräuchten nach Möglichkeit Kenntnisse in der Optionstheorie.

 

Smart Investor: Mit anderen Worten, ein Anleger sollte das wohl besser einem Fondsmanager überlassen. Welche Renditen darf man von einem auf Wandelanleihen spezialisierten Fonds realistischerweise erwarten?

 

Hotz: Ganz pauschal würde ich sagen, 6 bis 8% ist der durchschnittliche Erfahrungswert über die letzten Jahre. 2005 war ein außerordentlich gutes Jahr, dafür gab es davor eben schlechtere Jahre. Das entspricht einer aktienähnlichen Rendite, aber mit weniger Volatilität.

 

Smart Investor: Herr Hotz, vielen Dank für das informative Gespräch.

Zurück