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Wandelanleihen versüssen Anlegern die Krisenzeiten

17.01.2003

Von Karin Baur

Veröffentlicht in der «VDI-Nachrichten»

17/01/2003, Seite: 7, Rubrik: Geldanlage

 

Fast wie Weihnachten: Wandelanleihen sind nahezu so sicher wie gewöhnliche Zinspapiere und steigen beinahe so hoch wie Aktien. Gewusst wie, lässt sich mit Wandelanleihen viel Geld verdienen - und das gerade in diesen schlechten Zeiten.

 

Zunächst funktionieren Wandelanleihen wie gewöhnliche Zinspapiere. Wer eine Anleihe kauft, stellt einem Unternehmen ein Darlehen zur Verfügung und erhält dafür Zinsen. Eine Wandelanleihe gibt dem Anleger zusätzlich das Recht, die Anleihe in Aktien derselben Gesellschaft umzutauschen. Dieses Recht heisst Wandelrecht.

 

Wann getauscht werden kann, in welchem Verhältnis und zu welchem Preis wird, wie der Zinssatz und die Laufzeit, von vornherein festgelegt. Ein Zwang zum Tausch besteht in der Regel nicht. Ohnehin lohnt sich der Tausch nur, wenn die Aktie über dem vereinbarten Wandlungspreis notiert. Je näher der zunächst niedrigere Aktienkurs also Richtung Wandlungspreis rückt, desto wertvoller wird das Tauschrecht und damit die Wandelanleihe.

 

Übersteigt die Aktie den Wandlungspreis, reagiert die Anleihe zunehmend so, als wäre sie selbst eine Aktie. Zurzeit aber sind die Aktienkurse niedrig und viele Wandelanleihen weit davon entfernt, den Charakter von Aktien anzunehmen. Im Gegenteil: Oft ist der Wandlungspreis um so viel höher als der aktuelle Kurs der zu Grunde liegenden Aktie, dass das Tauschrecht nahezu wertlos ist. Die Wandelanleihe funktioniert dann wie eine gewöhnliche Anleihe. Sie reagiert nur noch auf Zinsänderungen.

 

Wandelanleihen lohnen sich besonders dann, wenn sie sowohl auf Zins- als auch auf Aktienkursänderungen reagieren. Fachleute bezeichnen sie dann als hybrid. Die Vorzüge der Wandelanleihe kommen so voll zur Geltung: Der Anleger profitiert überproportional von steigenden Aktienkursen und ist gegen fallende Kurse abgesichert. Als Faustformel kursiert: Die Anleihe macht nach oben zwei Drittel der Kursbewegung der Aktie mit und nach unten ein Drittel.

 

Das Ergebnis des DWS Convertibles Fonds (WKN 847 426) bestätigt die Absicherungsregel: 2002 hat der Aktienindex MSCI World, 33% verloren, der Wandelanleihenfonds nur 12%.

 

Wann eine Wandelanleihe hybrid ist, lassen zwei Rechengrössen erkennen. Die eine ist die Prämie, auch Aufgeld genannt. Das Aufgeld ist quasi der Preisunterschied zwischen dem Bezug der Aktien über die Wandelanleihe und dem direkten Kauf der Aktien an der Börse. Je höher die Aktie steigt, je näher sie also dem Wandlungspreis rückt, desto geringer wird die Prämie.

 

Bei der anderen Grösse handelt es sich um das so genannte Delta. Das Delta gibt an, in welchem Umfang eine Wandelanleihe vom Anstieg der Aktie profitiert. Es wird grösser, wenn die Aktie steigt.

 

'Die guten Seiten der Wandelanleihe kommen vor allem dann zum Tragen, wenn sich die Prämie in etwa zwischen 10% und 35% bewegt und das Delta zwischen 40% und 80% liegt', sagt Marc-Alexander Kniess, Manager des DWS Convertibles. Kurt Fisch vom Schweizer Wandelanleihenspezialisten Fisch Asset Management ergänzt: 'Je volatiler die Aktie, desto höher kann die Prämie sein.' Klar: Je höher die Kursausschläge sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie den Wandlungspreis erreicht - selbst wenn ihr Kurs noch weit entfernt ist.

 

Ausser mit den Rechengrössen müssen sich Anleger auch mit der wirtschaftlichen Situation der beteiligten Unternehmen befassen. Hierbei kommt es zum einen auf die Kreditwürdigkeit der Unternehmen als Anleiheschuldner an. Auch Wandelanleihen können nämlich abstürzen, wie die Beispiele EM.TV und Gold Zack zeigen, die derzeit bei rund einem Drittel ihres Nennwertes notieren. Dagegen wird etwa der Nahrungsmittelgigant Nestlé als besonders kreditwürdig eingestuft, zu erkennen an der Ratingnote «AAA».

 

Zum anderen kommt es auf die Aussichten der Aktien an, in die getauscht werden kann. Bei der Wandelanleihe bekommt der Anleger Aktien derselben Firma. Eine weitere Spielart ist die Umtauschanleihe. Hier gibt es Aktien einer anderen Gesellschaft, beispielsweise von Töchtern oder Beteiligungen. 'Kaufen Sie eine Wandel- oder Umtauschanleihe nur, wenn Sie nicht nur die Anleihe, sondern auch die Aktie kaufen würden', lautet der Tipp der Zeitschrift Finanztest an diejenigen, die es auf eigene Faust wagen wollen.

 

Private Anleger kommen an Daten über Wandelanleihen allerdings nur schwer heran. Kaum eine Zeitung veröffentlicht die für eine ausreichende Analyse notwendigen Kriterien. Auch im Internet gibt es nur wenige Informationen darüber. Nicht zuletzt deswegen raten die Finanzexperten der Stiftung Warentest vom direkten Kauf von Wandelanleihen ab und empfehlen Fonds.

 

Auch hier gibt es Unterschiede: Kurt Fisch bietet einen konservativen Fonds mit hybrider Strategie, den International Convertible Expert Fund (WKN 974 582). Fisch rechnet im langjährigen Schnitt mit Renditen von 8% bis 10% pro Jahr. Zur Zeit liegt die durchschnittliche Jahresrendite bei 5,5% seit Auflage 1995.

 

Der DWS Convertibles ist offensiver: Er hat in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt 10,4% gebracht, hat Finanztest ausgerechnet. Eine noch bessere Fünfjahresbilanz hat der risikoreichere Warburg-OSWA (WKN 848 883) mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 17,9%. Na, wenn das keine schöne Bescherung ist!

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