Abbiegen erlaubt - Wandelanleihen mit guten Rendite-Chancen
28.10.2005
Von Manuela Frey-Broich
Veröffentlicht in der «VDI-Nachrichten»
28/10/2005, Ausgabe: 43/2005, Seite: 25, Rubrik: Geldanlage Privat
VDI nachrichten, Frankfurt, 28.10.05 - In Zeiten, in denen alle Zeichen auf steigende Zinsen deuten, die Aktienmärkte noch unsicher sind, fragt sich so mancher Anleger wohin er gehen soll. Dabei stellen Wandelanleihen eine exzellente Option dar. Sie bieten Anlegern eine gute Rendite-Chancen bei überschaubarem Risiko.
Wandelanleihen, das bedeutet Anleihen im herkömmlichen Sinn mit einer zusätzlichen Option. 'Sie kombinieren verschiedene Rechte, und zwar eine Rente und ein Wandelrecht', erklärt Kurt Fisch, Geschäftsführer von Fisch Asset Management. Meist weisen sie die gleichen Merkmale wie eine gewöhnliche Anleihe auf: fester Zins, fester Rückzahlungskurs, feste Laufzeit.
Und dennoch unterscheidet sich die Wandelanleihe von anderen Bonds. Hier handelt es sich um Schuldverschreibungen von Aktiengesellschaften. Sie geben dem Inhaber das Recht, die Anleihe unter bestimmten Voraussetzungen jederzeit in eine festgelegte Anzahl Aktien des emittierenden Unternehmens umzutauschen.
Der Aktien-Anteil der Anleihe steckt im Wandlungsrecht, das vergleichbar mit einer Kauf-Option ist. Die Rentenseite beinhaltet einen Zinskupon. Der Anleger kann den Wandler dem ausgebenden Unternehmen zu einem festen Kurs wieder verkaufen. Ein Tausch von Anleihen in Aktien zahlt sich dann aus, wenn der Wandlungspreis günstiger ist als der Börsenkurs der Aktie.
In der Regel geben Unternehmen Anleihen aus, um Geld zu Finanzierungszwecken aufzunehmen. Somit handelt es sich dabei um Fremdkapital, das verzinst und zurückbezahlt werden muss. Aktien verfolgen ebenfalls das Ziel der Finanzierung. Allerdings handelt es sich hierbei um Eigenkapital. Durch die Emission einer Wandelanleihe nimmt ein Unternehmen also Fremdkapital auf, das während der Laufzeit in Eigenkapital umgewandelt werden kann.
Dadurch entspricht die Ausgabe eines solchen Wertpapiers einer Kapitalerhöhung über einen längeren Zeitraum. Gesellschaften können so an Liquidität gewinnen und ihre Eigenkapitalquote verbessern. Trotzdem emittieren derzeit nicht viele Firmen Wandelanleihen. 'Das kann sich schnell ändern, sobald Unternehmen wieder mehr Fremdkapital aufnehmen, um ihre Investitionen oder Zukäufe zu sichern', weiss Alexander Müller von Credit Suisse Asset Management.
Die Kombination aus Renten und Aktien bietet auch Anlegern Vorteile. Wandelanleihen besitzen ein ausgewogenes Chancen-Risiko-Verhältnis. Denn ihr Kurspotenzial ist zwar aktienähnlich. Dafür ist ihr Risiko aber dennoch stark eingeschränkt. Somit profitieren Wandler von steigenden Aktienkursen, büssen aber weniger ein, wenn die Kurse fallen. Das Gegenteil gilt für den Zinskupon. Die negativen Auswirkungen bei einem Zinsanstieg sind ebenfalls begrenzt.
Wandelanleihen erwirtschaften Renditen von durchschnittlich 6 % bis 8 %. Generell hängt ihre Performance von folgenden Faktoren ab: Aktienmarkt, Zinsentwicklung, Credit Spread (Zinsunterschied wegen der unterschiedlichen Bonität der Emittenten) und Volatilität, d.h. der Schwankungsbreite der Aktienkurse. 'Je problematischer die Aktienmärkte werden, desto mehr steigt die Volatilität', beschreibt Fisch.
Doch natürlich bietet auch diese Asset-Klasse nicht nur Vorteile. Worauf sollte demnach ein Anleger achten? 'Zunächst gilt es, wie bei jeder anderen Schuldverschreibung, die Bonität des Schuldners zu prüfen. Je schlechter die Bonität eines Schuldners, desto höher die zu erwartende Rendite', so Müller. Im Falle einer schlechten Qualität steigt jedoch auch das Risiko eines Kursverlustes. Denn möglicherweise kann das Unternehmen seine Schulden nicht mehr tilgen. 'Der Privatanleger sollte deshalb immer auf gute Schuldnerqualität mit mindestens einem Investment Grade Rating achten', meint Müller. Ausserdem steigt mit zunehmender Laufzeit das Zinsrisiko.
Darüber hinaus unterliegen sowohl die erzielte Verzinsung der Anleihe, vor Ausübung des Wandlungsrechtes, als auch die ausgezahlten Dividenden nach dem Umtausch der Kapitalertragsteuer. Nur die darüber hinaus erzielten Kursanstiege bleiben steuerfrei.
Aufgrund von fallenden Volatilitäten an den Aktienmärkten hatten Wandelanleihen im ersten Halbjahr dieses Jahres eine schwierige Phase zu überstehen. 'Dadurch sind sie zum ersten Mal seit zehn Jahren schlechter als Aktien aber auch als Staatsanleihen gelaufen', so Mueller. Allerdings hat sich die Lage in den letzten Wochen deutlich entspannt. 'Seit dem 3. Quartal haben sich die Volatilitäten auf niedrigem Niveau stabilisiert und die Wandelanleihen haben wieder Terrain wettgemacht', erklärt Müller.
Die Grösse des Wandelanleihenmarktes wird oftmals unterschätzt. Zurzeit beläuft er sich auf rund 600 Mrd. $. Davon entfallen je ein Viertel auf Europa und Japan, auf die USA knapp 40 %.
Im Grunde sind Wandelanleihen einfach zu verstehen. Um sie effizient einzusetzen, bedarf es aber doch einiger Fachkenntnisse. Ausserdem ist der Aufwand enorm, die bestehenden Positionen ständig zu überprüfen. Deswegen raten Experten zu Wandelanleihen-Fonds.
Günstige Investitionen mit Schutzfaktor
Wandelanleihen: Fondsmanager Kurt Fisch setzt auf gute Bonitäten
Wandelanleihen stellen eine Kombination aus Renten und Aktien dar. Damit bieten sie ein hervorragendes Chancen-Risiko-
Profil. In diesem Bereich hat sich die Schweizer Fisch Asset Management spezialisiert. Fragen an Geschäftsführer Kurt Fisch.
VDI nachrichten: Herr Fisch, seit dem vergangenen Jahr haben die Kapitalmärkte wieder langsam an Fahrt gewonnen. Was bedeutet dieser Aufwärtstrend für Wandelanleihen?
Fisch: Wir befinden uns jetzt in einem Umfeld, wo es äußerst interessant ist, in Wandelanleihen zu investieren. Aufgrund der Marktstabilisierung hat sich die Schwankungsbreite (Volatilität) zurück entwickelt. Der Tiefstpunkt wurde Anfang dieses Jahres erreicht. Dadurch hatten Wandelanleihen an Wert verloren. Somit wurden sie günstiger und gleichzeitig interessanter.
VDI nachrichten: In welchen Börsenzyklen machen Wandelanleihen mehr oder weniger Sinn?
Fisch: Das Schöne an Wandelanleihen ist, dass sie eigentlich immer Sinn machen. Je nach Marktlage sollten die Wandelanleihen bezüglich der Sensitivitäten auf Aktienentwicklung, Zinsen, Bonität und Volatilität die richtigen Eigenschaften aufweisen. Für die jetzige Situation sind vor allem Wandler mit einer hohen Korrelation zum Aktienkurs ratsam. Sie sind nur wenig zinssensitiv. Zudem bevorzugen wir Papiere von sehr guter Bonität, damit allfällige Ausweitungen der Risikoaufschläge möglichst wenig Einfluss auf die Kursentwicklung ausüben werden. Schließlich suchen wir Wandelanleihen, die volatilitätssensitiv sind, damit sie von den von uns erwarteten höheren Volatilitäten möglichst stark profitieren werden.
VDI nachrichten: In den vergangenen Jahren konnten festverzinsliche Wertpapiere von sinkenden Zinsen profitieren. Nun zieht die Konjunktur jedoch langsam an. Herr Fisch, wie sehen Sie die zukünftige Zinsentwicklung?
Fisch: Der global synchrone wirtschaftliche Aufschwung dürfte länger dauern als erwartet. Die weiterhin überdurchschnittlichen Produktivitätsfortschritte sowie die Globalisierung werden aber die Inflation unter Kontrolle halten. Deswegen werden wir nur eine mäßige Zinssteigerung sehen. Diese Erwartung wird allerdings nicht zutreffen, wenn unvorhergesehene Entwicklungen stattfinden, wie weiterhin extrem stark steigende Rohstoffpreise.
VDI nachrichten: Wie sieht die aktuelle Situation der Risikoaufschläge aus?
Fisch: Wir haben heute ein Umfeld mit sehr tiefen Credit Spreads. Der Investor wird für das Eingehen von Risiken, sprich den Kauf von tiefen Bonitäten, nur ungenügend entschädigt. In Zukunft werden wir allerdings wieder deutlich höhere Credit Spreads sehen. Daher legen wir heute Wert auf überdurchschnittlich hohe Schuldnerqualität.
VDI nachrichten: Welche Rolle spielt die Bonität bei Wandelanleihen und wie hat sie sich entwickelt?
Fisch: Die Bonität der Wandelanleihe ist von größter Bedeutung. Sie ist der Garant dafür, dass im Falle einer negativen Entwicklung der unterliegenden Aktie die Rückzahlung gewährt ist. Je besser die Bonität einer Wandelanleihe, umso besser ist der Rückschlagsschutz in einem schwierigen Umfeld.
Der globale Wandelanleihenmarkt besteht zu rund 60 % aus Titeln mit Investmentgrade Bonität (BBB- oder besser) und zu 40 % darunter. Diese Aufteilung hat sich in den letzten Jahren nur wenig verändert und dürfte auch künftig so bleiben.