Convertible Bonds - Besser als Aktien
17.08.2006
Von Franz von den Driesch
Veröffentlicht im «Wertpapier;
17/08/2006, Ausgabe: 17/2006, Seite: 40 und 41, Rubrik: Zinsen
Mit Wandelanleihen winken höhere Renditen als mit Aktien. Mit Verlusten müssen Anleger bei diesen Papieren jedoch nicht rechnen.
Nach unten abgesichert und dennoch die Chance auf eine überdurchschnittlich hohe Rendite. Mit Wandelanleihen könnte dieser Traum eines jeden Anlegers Wirklichkeit werden. Grund: Neben den in der Regel jährlichen Zinszahlungen, kassiert der Gläubiger am Laufzeitende – die Zahlungsfähigkeit des Schuldners vorausgesetzt – den Nominalbetrag zurück. „Auf der anderen Seite hat der Anleger die Möglichkeit auf eine aktienähnliche Kursperformance“, erklärt Beat Thoma, Fondsmanager der auf Wandelanleihen spezialisierten Fisch Asset Management.
Die Besonderheit der so genannten Convertible Bonds liegt im Wandlungsrecht: „Während der Laufzeit hat der Anleger das Recht, die Anleihe zu einem vorher festgelegten Umtauschkurs in Aktien zu wandeln“, erklärt Uwe Barth, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Prämie zeigt dabei an, um wie viel Prozent die zugrunde liegende Aktie an Wert zulegen muss damit sich der Tausch lohnt. Eine Verpflichtung zu tauschen, besteht jedoch nicht. „Vor allem risikoscheue Anleger sollten sich eher gegen einen Tausch entscheiden“, rät Experte Thoma. Grund: Während nach dem Tausch die Aktie zügig an Wert verlieren kann, ist der Wandelanleiheanleger durch den Rückzahlungsbetrag nach unten abgesichert.
Aufgrund der festen Laufzeit, der Verzinsung und des fixen Rückzahlungsbetrags ähneln Convertibles herkömmlichen Anleihen. Doch je mehr sich der Aktienkurs dem Umtauschkurs nähert, desto mehr gleicht die Performance der Wandelanleihe der einer Aktie. „Notiert der Aktienkurs höher als der Umtauschkurs, bestimmt mehr und mehr die Aktienkursentwicklung die Anleiheperformance“, weiß Thoma. Entfernt sich der Dividendentitel vom Umtauschkurs, orientieren sich die „Zwitterpapiere“ am Rentenmarkt. „In der Regel gehen Anleger mit Wandelanleihen eine Wette auf steigende Aktienkurse ein“, erklärt LBBW-Mann Barth. Zudem hoffen Investoren, dass die Volatilität zunimmt. Mit einer zunehmenden Schwankungsintensität der Aktien steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Umtauschkurs erreicht wird.
Natürlich hat die Option auf eine hohe Rendite bei gleichzeitigem Schutz vor hohen Verlusten auch ihren Preis. Im Vergleich zu herkömmlichen festverzinslichen Wertpapieren sind Convertibles mit niedrigeren Kupons ausgestattet. „Gegenüber traditionellen Anleihen fällt der Kupon rund 2 Prozentpunkte niedriger aus“, weiß Thoma. Dass Anleger in der Vergangenheit dennoch bestens mit Wandelanleihen gefahren sind, steht außer Frage. Während Sparer mit europäischen Aktien in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite von 11,2 Prozent per annum einfuhren, erzielten Wandelanleihen eine Rendite von 11,7 Prozent – und dies bei einer deutlich geringeren Volatilität.
Problem: Häufig beträgt die Stückelung der Convertibles mindestens 50000 Euro. Zudem sind Wandelanleihen Finnanzinnovationen. Die Kursgewinne müssen somit unabhängig von der Haltedauer versteuert werden. „Privatanleger sollten sich auch aus Diversifikationsgründen eher einen Fonds ins Depot legen“, empfiehlt daher Experte Barth.