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Extrem wandelbar

18.12.2007

Lukrativ wie Aktien, defensiv wie Bonds: In turbulenten Börsenzeiten spielen Wandelanleihen ihre Trümpfe aus.


Von Thomas Bolte
Veröffentlicht in der «Wertpapier»
17/12/2007, Seiten: 40-41, Rubrik: Zinsen


Chamäleons sind die Verwandlungskünstler des Tierreichs: Bei Gefahr können sie blitzschnell ihre Farbe und Gestalt ändern, um sich der Umgebung anzupassen. Anleger verpassen dagegen oft den richtigen Zeitpunkt an der Börse. Im ungünstigsten Fall stecken sie ihr Geld mitten in der Aktien-Hausse in wenig rentable Zinspapiere, um just vor einem Börsenabschwung in Anteilscheine umzuschichten. Derart falsches Timing lässt sich verhindern. Wer sich besonders in volatilen Marktphasen nicht auf sein Gespür verlassen möchte, ist mit Wandelanleihen auf der sicheren Seite: Die Zwitterpapiere verbinden den Schutz von Anleihen mit den Chancen von Aktien.

Wandelanleihen sind in fast jeder Börsenphase eine gute Anlagemöglichkeit. „Wenn die Aktienmärkte nach unten gehen, entfalten sie ihre Bremswirkung. Geht es dagegen nach oben, partizipieren Anleger an den Kursaufschwüngen“, erklärt Dr. Martin Kühle, Wandelanleihen-Fachmann bei Fisch Asset Management in Zürich.

Die Statistik gibt dem Experten Recht: Langfristig bringen Wandelanleihen aktienähnliche Erträge bei deutlich verringertem Risiko. In den vergangenen zehn Jahren erzielten die Zwitterprodukte sogar mehr Gewinn als der MSCI-Welt-Index.

Der Grund für die stabile Entwicklung liegt in der Konstruktion von Wandelanleihen: Bei den Papieren handelt es sich einerseits um festverzinsliche Anleihen mit einer bestimmten Laufzeit und einem definierten Rückzahlungsbetrag, andererseits um Aktienoptionen. Da der Kupon von Wandlern in der Regel niedriger ist als der normaler Unternehmensanleihen, erscheinen die Zwitter zunächst wenig lukrativ. Obendrauf erhalten Investoren jedoch das Recht, die Anleihe während der Laufzeit jederzeit in eine festgelegte Zahl von Aktien des emittierenden Unternehmens zu tauschen – diese Wette zahlt sich aus, sobald der Aktienpreis über den Nennwert der Wandelanleihe steigt. „Das Wandlungsrecht stellt im Prinzip eine Call-Option dar“, meint Wandelanleihen-Experte Patrick Hofer.Läuft die Aktie nach oben, wird das Wandlungsrecht mit steigendem Aktienkurs immer wertvoller und lässt auch den Kurs der Wandelanleihe steigen.

Bei hohen Kursen wird der Anleger nicht die Rückzahlung des investierten Geldes abwarten, sondern in Aktien wandeln und diese dann in seinem Depot halten oder verkaufen. Die Prämie der so genannten Convertible Bonds gibt an, um wie viel Prozent der Aktienkurs steigen muss, damit sich ein Tausch lohnt. Je höher die Prämie ausfällt, desto unwahrscheinlicher wird eine Wandlung. Unterm Strich profitieren Anleger bei Wandelanleihen von Kursanstiegen durchschnittlich zu zwei Dritteln.

Fällt jedoch der Basiswert, ähnelt die Performance des Wandlers eher der einer traditionellen Anleihe. „Der Kapitalschutz verhindert große Verluste, auch wenn an dem Papier festgehalten wird. Denn durch die garantierte Rückzahlung sinkt der Wandelanleihenkurs nur begrenzt“, erläutert Experte Kühle. Der Kursboden liegt in der Regel maximal ein Drittel unterhalb des Nominalbetrags der Anleihe. Bis zum Ende der Laufzeit steigt der Kurs wieder auf 100 Prozent des Nennwerts. Wer durchhält, bekommt am Schluss wenigstens die garantierte Verzinsung.

Ohne ihr Zutun liegen Investoren mit Wandelanleihen bei jedem Börsenwetter richtig: „Der Fangnetzmechanismus der Wandelanleihe führt zu einer Reduktion der psychologisch motivierten Fehler. Privatanleger können so Panikverkäufe vermeiden, da sie nicht in Stress geraten“, so Kühle. Nur bei Aktienkursen oberhalb des Basiswerts müssen sich Wandelanleihen-Besitzer fragen, wann der optimale Tauschzeitpunkt gekommen ist.

Doch das ist noch das geringste Problem. Privatanlegern werden auf der Suche nach einer geeigneten Wandelanleihe viele Steine in den Weg gelegt: Unterschiedliche Prämien, teilweise hohe Stückelungen sowie verschiedenste Klauseln, zum Beispiel zu Kündigungsrechten oder Kuponanpassungen bei Dividenden. Unkompliziert ist dagegen der Kauf von Wandelanleihen-Fonds. Die Fonds unterscheiden sich darin, ob sie ausschließlich Wandler, Optionsanleihen oder auch die gewandelten Aktien und andere Spezialiäten enthalten. Außerdem gibt es regionale Ausrichtungen. Besonders lukrativ und dabei völlig risikolos waren für Anleger zuletzt asiatische Wandler-Fonds.

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