Wandelanleihen - Ausgewogenes Risiko
31.07.2003
Von Stefan Hoffmann
Veröffentlicht in der «Wertpapier»
31/07/2003, Ausgabe: Nr. 16, Seite: 41 - 43
Eine interessante Alternative zum Aktienkauf sind Wandelanleihen. Im zehnjährigen Schnitt werfen die Papiere zwischen 8 und 10 Prozent Rendite ab.
'Die Dynamik an den Aktienmärkten hat sich nach den starken Kursgewinnen der letzten Wochen deutlich verlangsamt', schrieb die Commerzbank vor kurzem in ihrem Börsenbericht. In den vergangenen vier Monaten hat der DAX 52 Prozent zugelegt, der EuroStoxx50 immerhin ein Drittel. Viele Anleger fragen sich, ob weitere Kursgewinne noch möglich sind oder ob das Pulver bereits verschossen ist.
'In dieser unsicheren Zeit macht es Sinn, Wandelanleihen zu kaufen', sagt Roland Hotz, Partner der Schweizerischen Fisch Asset Management, die institutionelle Kunden bei der Anlage in Wandler berät. 'Die Risikokomponente ist insbesondere bei professionellen Anlegern wieder ins Zentrum gerückt. Eine Wandelanleihe als ZwitterInstrument wird solchen Bedürfnissen gerecht', erläutert Hotz. Mit einer Wandelanleihe erwirbt der Investor das Recht, das Papier innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu einem vorgegebenen Preis in Aktien des Emittenten zu tauschen. Eine Umtauschanleihe funktioniert ähnlich. Der Unterschied ist lediglich, dass der Emittent dem Anleiheinhaber nicht eigene, sondern Aktien eines anderen Unternehmens andient. 'Der Anleger hat somit die Chance, an einer Erholung des Aktienkurses zu partizipieren. Stagniert oder fällt die Notierung des Dividendenpapiers, ist das Risiko eines Wandlers gegenüber der Direktanlage geringer. Ausserdem erhält der Anleger Zinsen', so Hotz.
Investoren sollten bei der Auswahl der Wandelanleihe auf die Wandelprämie achten. Diese drückt aus, um wieviel Prozent die Aktie steigen muss, damit sich die Ausübung der Tauschoption rechnet. Bei zahlreichen erst vor wenigen Jahren emittierten Wandlern ist es aufgrund des Kursverfalls an den Börsen unwahrscheinlich, dass es jemals zur Konvertierung kommt: Der Graphithersteller SGL Carbon hat zum Beispiel im September 2000 eine fünfjährige Wandelanleihe mit einem Tauschkurs von 89,10 Euro begeben. Damals notierte die Aktie noch mit 75 Euro, seit einiger Zeit hingegen dümpelt sie um die 14EuroMarke herum. Die Prämie beträgt satte 524 Prozent. Der Titel (ISIN DE0007235319) eignet sich angesichts einer Rendite von 5,53 Prozent nur noch als normale Anleihe.
Aber auch nicht jede Neuemission ist ein Renner, zum Beispiel die jüngst emittierte Umtauschanleihe der HVBGruppe. Hintergrund dieser Platzierung ist die Möglichkeit für die Bayern, sich von ihrem 0,66prozentigenAnteil an dem Versorger E.ON zu trennen. Anleger können nominal 10000 Euro des Bonds bis zum 22. März 2005 in 178 E.ONAktien tauschen. Dies entspricht einem Preis je E.ONAktie von 56,18 Euro. Die Anteilscheine des Versorgers notieren mit 45,64 Euro, die Prämie beträgt angesichts der kurzen Laufzeit stolze 24,4 Prozent. Es handelt sich um eine NullKuponAnleihe, während der Laufzeit werden also keine Zinsen gezahlt. Erfolgt kein Umtausch, kauft die HVB den Bond am 4. April 2005 zu 101,46 Prozent zurück, so dass Investoren gegenüber dem Emissionskurs von 100 Prozent mit dürftigen 0,875 Prozent Zinsen pro Jahr abgespeist werden. Wir raten daher von einem Kauf ab.
Mit steigender Volatilität lassen sich von den Emittenten auch höhere Prämien durchsetzen. Der InternetPionier Yahoo hat im April im Rahmen eines Private Placements 750 Millionen USDollar durch einen unverzinslichen und mit einer anfänglichen Prämie von 80 Prozent ausgestatteten Convertible Bond eingenommen. Weil die Aktie seitdem um mehr als 30 Prozent zugelegt hat, ist der Aufschlag mittlerweile auf nur noch die Hälfte gesunken.
Genauso wichtig wie die Prämie ist jedoch die Qualität des Anleiheschuldners. Nur wenn dieser solvent bleibt, werden am Ende der Laufzeit die Forderungen der Anleger erfüllt. Bei der richtigen Auswahl lässt sich mit Wandlern Geld verdienen. 'Wir kalkulieren im zehnjährigen Durchschnitt mit einer jährlichen Rendite von 8 bis 10 Prozent', sagt Experte Roland Hotz.