Wandelanleihen bieten natürlichen Inflationsschutz
23.05.2009
By Kurt Fisch
Published in «Börsen-Zeitung»
23/05/2009, Issue: Nr. 97, Page: B10, Section: Sonderbeilage Asset Management
Investition gibt elegante Antwort bezüglich der Timing-Frage – Günstig im historischen Vergleich – Fokus auf Asien legen
Trotz
der Frühjahrsrally am Aktienmarkt trauen die Investoren den Aktien noch
nicht so richtig über den Weg. Werden wir den im Frühling erreichten
Tiefpunkt in nächster Zukunft nochmals ernsthaft testen oder gar
deutlich unterbieten? Auch die klaren Anzeichen dafür, dass sich in den
zurückliegenden Wochen der wirtschaftliche Fall deutlich verlangsamt
hat, sorgen nicht für eine allgemeine Beruhigung. Aufgrund der sehr
hohen Kredit-Spreads richten daher viele Investoren bei der Suche nach
geeigneten Investments ihren Fokus auf festverzinsliche Anlagen.
Interessant erscheinen dabei Unternehmensanleihen, deren nominale
Verzinsung wegen der Ausweitung der Risikoprämien aktuell besonders
hoch ist.
Die nahe Zukunft zeigt es
Um die Turbulenzen an den Finanzmärkten aufzufangen, haben die
Notenbanken sehr viel Geld in Umlauf gebracht und den notleidenden
Finanzinstituten Möglichkeiten zur Refinanzierung weit geöffnet. Das
werden sie weiter so machen müssen, um ein Abgleiten der globalen
Konjunktur in eine Depression um jeden Preis zu verhindern. In die
gleiche Richtung arbeiten die überall in riesigem Umfang lancierten
Konjunkturprogramme. Die zu erwartende Folge dieser Entwicklung wird in
einer mehr oder weniger nahen Zukunft eine deutliche Belebung der
Inflation sein. Aus heutiger Sicht ist die Prognose einer künftigen
Inflationsbelebung nicht besonders mutig. Sehr viel schwieriger ist
allerdings die Festlegung des Zeitpunkts.
Strategische
Anlageentscheidungen sollten aber trotzdem diese Perspektive nicht aus
den Augen lassen. Obwohl wir erst in 2011 mit einer Belebung der
Inflation rechnen, würden wir trotzdem ein gewisses Augenmerk auf
Anlagen richten, die in Inflationszeiten zu den Gewinnern zählen. In
zurückliegenden Inflationsphasen haben Wandelanleihen klar zu diesen
gehört.
Einer künftigen Inflationsbelebung können Anleger
mittels Wandelanleihen sinnvoll ausweichen. Denn Wandelanleihen
kombinieren hohe Renditen mit einer Gratis-Option auf den langfristig
steigenden Aktienmarkt. Damit bieten Wandler nicht nur Renditevorteile
gegenüber Firmenbonds, sondern durch die Aktienkomponente auch einen
natürlichen Inflationsschutz. Zudem sind Wandelanleihen in der
derzeitigen Marktsituation selbst im Vergleich zu Unternehmensanleihen
zu günstig bewertet.
Ein Blick in die Historie zeigt, dass sich
die Eigenschaften von Wandelanleihen in Inflationszeiten positiv
gegenüber Aktien und Treasury Bonds bemerkbar machen. In einer von
Fisch Asset Management erstellten Analyse wurde der Zeitraum zwischen
1973 und 2008 beleuchtet. In den Hochinflationsjahren 1973 bis 1982
wiesen Wandler in neun von zehn Jahren eine höhere Rendite auf als
Aktien und in acht von zehn Jahren eine höhere Rendite als Treasury
Bonds.
Daher haben Wandelanleihen die Assetklasse Aktien über
den gesamten Beobachtungszeitraum um 300 Prozent übertroffen (inklusive
des Jahres 2008). Bis vor der Technologieblase im Jahr 1994 war die
Outperformance von Wandelanleihen gegenüber Aktien ebenfalls 300
Prozent. Aktien rentierten lediglich in den Technologie-Bubble-Jahren
von 1994 bis 1998 konstant besser als Wandler und Bonds nur in den
Bärenmarkt-Jahren von 2000 bis 2002 und von 1973 bis 1974 besser als
Wandelanleihen.
Neben dem Inflationsschutz bietet eine
Investition in Wandelanleihen eine elegante Antwort bezüglich der
Timingfrage, da sie dem Anleger diese Entscheidung automatisch abnimmt.
So erhöht sich das Aktienexposure (Wertänderungsrisiko) eines
Wandelanleihenportfolios bei steigenden Aktienmärkten automatisch, da
in diesem Fall die Wandelprämie stetig abgebaut wird und der Wandler
immer mehr einer Aktie ähnelt. Bei fallenden Märkten wird das Exposure
durch einen Aufbau der Wandelprämie andererseits relativ zügig
abgebaut, wodurch der Wandler immer stärker einer Anleihe ähnelt. Dies
führt zu einem sehr disziplinierten Anlageprozess und schließt
emotional gesteuerte Handlungen aus. Frühzeitige Gewinnmitnahmen und
ein zu langes Festhalten an Verlusten wird hierdurch verhindert. Ihre
ganze Stärke spielen Wandelanleihen dann aus, wenn sie im so genannten
hybriden Bereich notieren. Charakteristisch für diesen sind
Wandelanleihen, die in der Nähe ihres Rückzahlungspreises (plus/minus
15 Prozent) notieren. Die Verlustrisiken sind hier sehr moderat,
während man an einem Anstieg der Aktienmärkte zu 50 bis 60 Prozent
partizipiert.
Empirische Beobachtungen zeigen, dass solche
Wandelanleihen ein interessantes Risiko-Rendite-Verhältnis aufweisen.
So konnten über einen langen Zeitraum Renditen erzielt werden, die nur
knapp unter denen eines Aktien- und deutlich über denen eines
Anleihenengagements liegen. Dabei lagen die Risiken des Engagements
signifikant unter den Risiken am Aktienmarkt. In der aktuellen
Marktsituation sprechen eine ganze Reihe von Argumenten für eine
Investition in Wandelanleihen. Volatilität: Wandler sind derzeit, trotz
einer Erholungsphase seit Ende Oktober, günstig bewertet.
Kredit-Spreads (Risikoprämien): Der Wandelanleihen-Markt bietet
gegenwärtig Value-Juwelen im Kreditbereich. Sicherheit: Wandelanleihen
geben Sicherheit in unsicheren Zeiten. Inflationsschutz: Dank der
Aktienexposure bietet die Wandelanleihe ebenfalls einen effizienten
Schutz in inflationären Zeiten.
Wandelanleihen sind im
historischen Vergleich auf dem heutigen Niveau günstig, da die
implizite Volatilität nach wie vor tief ist und die durchschnittliche
Rendite - aufgrund höherer Zinsen und Kreditspreads - gestiegen ist.
Durch das gefallene Aktienexposure weisen Wandler aktuell ein deutlich
geringeres Risiko bei weiteren Rückschlägen am Aktienmarkt auf als noch
vor einem Jahr. Das Aktienexposure, welches Anfang Mai 2009
durchschnittlich bei rund 30 Prozent lag, ist ein Maß dafür, wie stark
die Wandelanleihe auf Schwankungen der zugrunde liegenden Aktie
reagiert.
Die internationalen Bondmärkte konnten nur teilweise
von den Turbulenzen an den Aktienmärkten profitieren. Die Aussichten
auf steigende Staatsschulden infolge der Übernahme von Lasten der
Finanzindustrie verhinderten, dass es bei längeren Laufzeiten zu den
sonst üblichen starken Kursgewinnen kam. Zudem nahm die Ausweitung der
Kreditspreads im vergangenen Jahr teilweise dramatische Züge an. Dazu
trug der Ausverkauf durch Hedge-Fonds maßgeblich bei. Diese
Entwicklungen führten auch zu Kursrückschlägen im Wandelanleihenmarkt
wie selten zuvor und das Rendite-Risiko-Verhältnis wies eine sehr
ungünstige Korrelation aus.
Doch Wandelanleihen haben
offensichtlich wieder zurück zu ihrer Asymmetrie gefunden. Vereinzelt
legten Papiere trotz sinkender Aktienkurse zu. Der Einfluss der
Kreditspreads dominierte über die Aktiensensitivität. Ursache dürfte
die Suche nach Rendite sein, insbesondere im Investment Grade-Bereich.
Aber auch Wandler von Unternehmen mit tieferen Bonitäten, aber soliden
Geschäftsaussichten, finden wieder vermehrt das Käuferinteresse.
Prinzipiell zieht der Wandelanleihenmarkt in grossem Umfang neue
Investoren an. Pensionskassen und Versicherungen zum Beispiel beginnen
im Portfolio Wandler aufzubauen aufgrund von sehr attraktiven
risikoadjustierten Renditen.
Fernost beeindruckt
Wir empfehlen Wandelanleihen in allen globalen Regionen.
Allerdings gewichten wir asiatische Wandelanleihen zurzeit
überdurchschnittlich stark, da sie im weltweiten Vergleich immer noch
günstig bewertet sind - obwohl im ersten Quartal 2009 Wandler
asiatischer Emittenten besonders kräftige Zugewinne verzeichneten. Denn
seit den Tiefstständen im vergangenen Herbst weisen besonders die
Aktienmärkte in Fernost eine beeindruckende Erholung auf.
Überdurchschnittlicher Zuwachs kann vor allem in China festgestellt
werden. Zudem haben sinkende Kreditspreads und eine allgemeine
Normalisierung im Wandelanleihenmarkt zur Erholung beigetragen.
Auch
angesichts der weltweit schwierigen Wirtschaftsentwicklung kann man in
einer Region mit nach wie vor guten Wachstumsaussichten, und das sind
diese aufstrebenden Nationen mit China an der Spitze, mit deutlich
geringeren Risiken investieren. Zudem hat in China ein neuer
Zinssenkungszyklus begonnen, der mittelfristig zu einer deutlichen
Liquiditätszunahme führen wird. Generell ist eine genaue
Bonitätsanalyse der einzelnen Basiswerte vor dem Kauf wichtiger denn
je, da in Folge der Finanzkrise die Risiken bei einzelnen Werten extrem
gestiegen sind. Für Anleger sind zur Risikoreduzierung und bezüglich
einer sinnvollen Diversifikation Fondslösungen besser geeignet als
Einzelinvestments.