Wie ist der Swiss-Re-Wandler zu bewerten?
14.02.2009
By Peter Reinmuth
Published in «Finanz & Wirtschaft»
14/02/2009, Issue: 12, Page: 18, Section: Schweiz
Warren Buffett hatte die besseren Karten – Wartezeit wird versüsst – Rückversicherer hält sich Hintertürchen offen.
Am 5. Februar gab Swiss Re bekannt, dass der US-Investor Warren Buffett
über seine Investmentholding Berkshire Hathaway 3 Mrd. Fr. in Form
einer nachrangigen Wandelanleihe ohne Laufzeitbeschränkung einbringen
will. Falls Buffett sein Wandlungsrecht ausübt, kann er seinen Anteil
an Swiss Re auf über 20% ausbauen. Die Wandelanleihe, die vor
Verwässerung geschützt ist, ist mit einem Coupon von 12% ausgestattet
und kann nach frühestens drei Jahren zu einem Wandelpreis von 25 Fr.
pro Aktie gewandelt werden. Swiss Re kann die Anleihe frühstens nach
zwei Jahren Laufzeit für 120% des Nominalwerts zurückkaufen.
Wie sind die Konditionen für Buffett einerseits und Swiss Re anderseits
zu bewerten? Aus Sicht von Buffett ergibt sich im Fall des Rückkaufs
durch Swiss Re nach zwei Jahren eine Rendite inklusive Coupon von über
20% jährlich. Sollte Swiss Re mit dem Rückkauf der Anleihe länger als
zwei Jahre warten, kann sich die jährliche Rendite für Buffett
allerdings verringern. Falls Swiss Re nichts unternimmt, stellt sich
die Situation wie folgt dar: Ausgehend vom Kurs der Swiss-Re-Aktien vom
5. Februar ergibt sich eine Wandelprämie von 15%, d. h., der Kurs von
Swiss Re muss jährlich um rund 5% steigen, damit eine Wandlung möglich
ist. Das Versüssen der Wartezeit mit einem jährlichen Coupon von 12%
erscheint uns sehr attraktiv.
Bei einem Credit Spread (Risikoaufschlag, abgeleitet von Credit Default
Swaps) von rund 500 Basispunkten (Bp) und einem risikolosen Zins von 80
Bp ergäbe sich für den Investor einer synthetischen nachrangigen
Obligation von Swiss Re ein jährlicher Coupon von knapp 6%. In diesem
Fall ist allerdings das Optionsrecht, das Buffett erhält, noch nicht
berücksichtigt. Er bekommt es gewissermassen gratis, allerdings
reduziert um das Recht für Swiss Re zum Rückkauf der Anleihe nach zwei
Jahren. Die Option für Buffett ist also nicht ganz so günstig, wie es
auf den ersten Blick erscheinen mag.
Falls Swiss Re in Zukunft Kapital zu besseren Konditionen als
gegenwärtig aufbringen kann, wäre die Partnerschaft relativ schnell
beendet – mit einem kurzzeitig hochrentierenden Finanzinvestment für
Berkshire. Andernfalls kann Buffett sein Wandelrecht nach drei Jahren
ausüben und als Grossaktionär die Geschicke der Gesellschaft
mitbestimmen.
Bei der Aushandlung der Transaktion hatte Buffett in der gegenwärtigen
Situation die besseren Karten. Immerhin jedoch hält sich Swiss Re ein
Hintertürchen offen, falls sich die Situation für das Unternehmen
mittelfristig verbessern sollte.