Japanische Wandler sind attraktiv

03.05.2008

By Kurt Fisch
Published in «Finanz & Wirtschaft»
03/05/2008, Issue: 35, Page: 47, Section: Derivate


Vom vorherrschenden Abwärtstrend an den internationalen Finanzmärkten blieb auch die japanische Börse nicht verschont. Obschon auch aus fundamentaler Sicht grundsätzlich nichts gegen ein Engagement in Japan spricht, halten sich die meisten ausländischen Investoren nach wie vor zurück. Dies ist nicht weiter erstaunlich, wurde doch der japanische Aktienmarkt in den vergangenen Jahren kräftig durchgeschüttelt.

Auch jetzt wäre es aber falsch, von der vergangenen Performance auf die Zukunft zu schliessen – und Japan wird schliesslich nicht umsonst als Land der aufgehenden Sonne bezeichnet. Denn die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt weist ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 3,7% und eine Inflationsrate von 0,7% auf. Demgegenüber ist in den USA im vierten Quartal das BIP-Wachstum auf 0,6% eingebrochen und die Inflationsrate auf 4,4% gestiegen.

Was für Japan spricht

Aufgrund der historisch tiefen Bewertungen birgt die japanische Börse grosses Aufwärtspotenzial. Auch was den Neugeldzufluss anbelangt, stehen die Zeichen gut: Die Post-Gruppe, die teilprivatisiert ist, kann jederzeit als mächtiger Käufer im Markt auftreten. Dies wiederum dürfte Signalwirkung auf weitere Akteure haben. Ein ebenso nicht zu unterschätzender Faktor sind opportunistisch agierende japanische Investmenttrusts, die sich keine Kaufgelegenheiten entgehen lassen werden. Und je länger die Krisenstimmung in Wallstreet anhält, desto mehr werden sich japanische Investorenklassen und Investmentpools aus den Nachbarstaaten anschliessen.

Besonders der Bankensektor dürfte für Anleger interessant sein, sind doch japanische Banken und bankähnliche Institute praktisch nicht von der Krise am US-Immobilienmarkt betroffen. Dennoch sind sie in letzter Zeit mächtig unter Druck geraten und haben Federn lassen müssen. Dank ihrer niedrigen Bewertung sind sie nun äusserst attraktiv. Aus fundamentaler Sicht sind japanische Unternehmen ohnehin so solide wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Massive betriebliche Umstrukturierungen während der vergangenen Dekade zeigen Wirkung: Japanische Unternehmen verfügen über einen hohen Selbstfinanzierungsgrad und komfortable Liquiditätsreserven. Besonders erfolgreich sind Gesellschaften, die im Hochseetransport oder im Technologie- und Handelsbereich tätig sind. Denn japanische Markenprodukte werden im asiatischen Raum, speziell in China, kräftig nachgefragt.

Stabiler Wandelanleihenmarkt

Die Emissionen japanischer Wandelanleihen haben sich in den vergangenen Jahren zwar leicht verlangsamt, dennoch sind sie auf hohem Niveau stabil. Dies deshalb, weil einerseits weniger Anleihen per Endverfall aus dem Markt genommen und anderseits infolge der sinkenden Aktienkurse an den Finanzmärkten bei einer geringeren Zahl von Anleihen Call-Optionen ausgeübt wurden. Rund 10% der weltweiten Marktkapitalisierung der Asset-Klasse Wandelanleihen entfallen auf japanische Titel. In der umfassenden UBS-Global-Convertible-Benchmark entspricht dies rund 35 Mrd.$, verteilt auf 61 Titel. Im Vergleich dazu beträgt die Marktkapitalisierung der gesamten europäischen Wandelanleihen rund 26% des weltweiten Volumens: 75 Mrd.$ verteilt auf 80 Titel. Viele Wandelanleihen mit unterliegenden japanischen Aktien wurden übrigens aus Kostengründen im europäischen Markt – unter anderem auch in der Schweiz – begeben. Durch das grosse Volumen an Wandelanleihen auf dem japanischen Markt können Wandelanleihenportfolios exakt auf die Bedürfnisse der Anleger abgestimmt werden. Ein weiterer Vorteil des japanischen Marktes ist die hervorragende Kreditqualität: 80% aller Wandelanleihen sind im Investment-Grade-Bereich (ausreichende Schuldnerqualität) einzustufen. Auch die Auswahl mit Blick auf Aktiensensitivität ist breit. Es finden sich sowohl Anleihen mit niedriger wie auch mit hoher Aktiensensitivität.

Interessante Titel mit hohem Aktienexposure sind Mitsui OSK mit Laufzeit bis 2011 und Nippon Yusen mit Laufzeit bis 2026 (vgl. Grafik).
Beide Wandelanleihen werden bei einem Kurs von ungefähr 129% gehandelt und weisen ein Delta im Bereich von 67% auf. Die hohe Bewertung und das grosse Exposure resultieren aufgrund der kräftigen Performance der unterlegten Titel. In einem gut diversifizierten Portfolio können auch Papiere mit tieferem Aktienexposure erworben werden. Hierzu eignet sich zum Beispiel der Wandler von Suzuki mit Verfalldatum Ende März 2013. Er notiert auf einem Kurs von rund 106%; das Delta liegt auf 47%. Charttechnisch betrachtet hat Suzuki ein Double Bottom erreicht und verspricht – falls die Unterstützung hält – ein grosses Aufwärtspotenzial. Wird das asymmetrische Verhalten der Wandelanleihen richtig eingesetzt, können auch Aktienindizes übertroffen werden.

Aktien schlagen

Der Fisch CB Japan Fund kombiniert Wandelanleihen mit japanischen Aktien und Warrants auf den Gesamtmarkt. Das so zusammengesetzte Portefeuille weist immer eine Aktiensensitivität im Bereich von 100% auf. Sobald Bewegung in den japanischen Aktienmarkt kommt, generiert der Fonds durch die Asymmetrie des Wandelanleihen- und Optionenanteils eine markante Überperformance. Dass der japanische Aktienmarkt übertroffen werden kann – und zwar sowohl in schwierigen Phasen mit deutlichem Abwärtstrend wie auch in guten Zeiten mit einer kräftigen Aufwärtsbewegung –, lässt sich auf folgender Grafik erkennen.
Der Wandelanleihenfonds hat über verschiedene Perioden (ein, drei und fünf Jahre) beinahe alle bestehenden Aktienfonds in japanischen Aktien übertroffen.

Das aktive Fondsmanagement konzentriert sich auf die Auswahl von Wandelanleihen, die einerseits eine hohe Asymmetrie aufweisen und andererseits Value-Potenzial bergen. In heftigen Marktbewegungen sinkt oder steigt das Aktienexposure des Fonds markant. Das muss das Management umgehend anpassen (Rebalancing der Aktiensensitivität). Dank marktführender Value-Analyse lassen sich Kreditrisiken ausschliessen, was zu einer zusätzlichen Überperformance führt. Dank dem asymmetrischen Kursverhalten von Wandelanleihen – Kapitalschutz bei unlimitiertem Kurspotenzial nach oben – entfallen schwierige Timingentscheide, was in der andauernden hohen Volatilität ein entscheidender Vorteil ist.

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