Wandelanleihen: Einstieg in Aktien ohne Stress
24.09.2008
By Patrick Gügi
Published in «Handelszeitung»
24/09/2008, Issue: 44, Page: 39, Section: INVESTOR
Wandelanleihen haben einen guten Ruf. Sie werden auf Grund des Wandelrechts in Aktien oft als Anlage mit Airbag bezeichnet. Diese Zwitterpapiere profitieren vom Kapitalschutz, den ein Bond bei Fälligkeit bietet, und der Option zur Wandlung in eine bestimmte Anzahl Aktien während der Laufzeit.
Wandelanleihen stellen zurzeit eine interessante Alternative zu Aktien dar. Sie bieten einen natürlichen Schutz vor weiteren Kursrückgängen sowie eine im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verbesserte Verzinsung.
Zudem können Investoren auch in Regionen oder Sektoren mit starkem Wachstumspotenzial mit begrenztem Risiko investieren. Asien oder Japan stellen hier gute Beispiele dar. Insbesondere in Asien sind Investoren momentan mit einer Ausnahmesituation konfrontiert: Die implizite Volatilität von Wandelanleihen hat sich seit Jahresbeginn von der Aktienmarktvolatilität abgekoppelt. Dies bedeutet, dass das Recht, die Obligation in Aktien zu tauschen, aktuell extrem günstig bewertet ist.
Der natürliche Schutz der Wandelanleihe kommt durch das sogenannte asymmetrische Kursverhalten. Damit ist die Kombination aus garantiertem Rückzahlungspreis und unlimitiertem Kurspotenzial nach oben gemeint. Aufgrund des Wandlungsrechtes profitiert der Käufer von steigenden Aktienkursen. Da aber nicht gewandelt werden muss, behält er bei schlechter Börsenlage die Anleihe und ist durch den Rückzahlungspreis geschützt.
Durch eine sorgfältige Fundamentalanalyse wird die Beständigkeit des Bondfloors sichergestellt. Der Kursverlauf entspricht damit einer nach oben gekrümmten Kurve. Die Gewinnbeteiligung nach oben nimmt laufend zu und erreicht schliesslich jene eines direkten Aktieninvestments. Man könnte diese Asymmetrie auch als Timing-Hilfe bezeichnen. Denn sie entspricht einer Anlagestrategie, die Verluste begrenzt, Gewinne aber laufen lässt. Für die Attraktivität der Wandelanleihe spricht ausserdem, dass sich die Emissionstätigkeit besonders in unsicheren Zeiten auf einem hohen Niveau befindet.
Entscheidend ist die Tatsache, dass zwischen Börse und Volatilität ein inverser Zusammenhang besteht. Generell ist die Volatilität in abwärts gerichteten Märkten höher als in steigenden Märkten. Die Option wird durch eine verringerte Rendite der Wandelanleihe gegenüber einer normalen Anleihe finanziert. Steigt die Volatilität, steigt der Wert der Wandelanleihe. Es ist allerdings zu beachten, dass auch andere Faktoren den Preis beeinflussen. Dazu zählt neben der Bewertung des zugrundeliegenden Wertes eines Wandlers auch die Kreditqualität. Je besser die Bonität des Emittenten, desto höher ist auch der entsprechende Wert der Anleihenkomponente.
In Zeiten wie jetzt nutzen insbesondere institutionelle Investoren die Vorteile der Wandelanleihe, um einen allfälligen Aufschwung nicht zu verpassen. Diesen sollten sich auch private Investoren nicht entgehen lassen.
«Die Gewinnbeteiligung nimmt laufend zu eine Anlagestrategie, die Verluste begrenzt, aber Gewinne laufen lässt.»