Wandelanleihen - In einer Flaute
20.02.2009
Von
Roland Hotz
Veröffentlicht in der
«Finanz & Wirtschaft»
18/02/2009, Ausgabe: 13, Seite: 10, Rubrik: Boersen Europa-Uebersee
An der Neuemissionsfront herrscht nach wie vor Flaute. Gemäss Aussagen
von Investmentbanken sind zwar Deals in der Pipeline, aber die
Unternehmen warten offenbar noch bessere Emissionskonditionen ab. Wer
nicht unbedingt und dringend Geld benötigt, wartet zu – bis sich die
Aktienkurse erholt haben –, um dann zu attraktiveren Wandelkursen die
Aktien verschreiben zu können.
Somit konzentriert sich das Geschehen vollumfänglich auf den
Sekundärmarkt. Hier sind die Volumen wieder etwas grösser, aber wohl
noch weit von den alten Zeiten entfernt. Früher sorgten hauptsächlich
Hedge Funds für Umsatz, derzeit sind eher die traditionellen
Outright-Long-Investoren die treibende Kraft am Markt. Im Fokus stehen
vor allem Titel mit attraktiven Renditen auf Put oder Verfall. In den
vergangenen zwei Monaten ist die Bonität der Schuldner noch zentral
gewesen. Doch nun kehrt das Kaufinteresse auch in den
Subinvestment-Grade-Bereich (Kreditqualität im spekulativen Bereich)
zurück. Hierbei sind Wandelanleihen mit sehr kurzen Restlaufzeiten und
überblickbarer Finanzkraft des Emittenten speziell gesucht.
Zum Beispiel: 1% EFG Eurobank mit Fälligkeit am 29. November 2009,
einem Kurs von 107,5%, Rückzahlung bei 111,4% sowie einer Rendite von
5,6% (Isin: XS0205621963). Die Wandelprämie von 350% steht hier nicht
im Vordergrund, denn die Chance auf eine Ausübung der Option ist
praktisch null. Auch die 0%-Wandelanleihe der schweizerischen Adecco,
deren Laufzeit am 26. August 2013 endet, wird hauptsächlich wegen der
Rendite von rund 4,8% auf Put vom 26. August 2010 gesucht (Isin:
CH0016469279). Auch hier liegt mit einer Prämie von über 130% eine
Wandlung in weiter Ferne.
Zusätzlich von ihren Tiefst erholt haben sich Wandelanleihen mit
Konvexität. Zum Beispiel die in Dollar denominierte
31⁄4%-Wandelanleihe, Fälligkeit 2026, von Qiagen (Isin: XS0254367179).
Das Papier des niederländischen Biotech-Zulieferers ist vom Tief im
November 2008 auf 83% mittlerweile auf 97% gestiegen. Die Rendite auf
Put im Mai 2013 beträgt immerhin noch 4%, und die Prämie von 12,5%
lässt genügend Kurspotenzial für die Wandelanleihe im Rahmen einer
Aktienpreiserholung offen.
Leider wird im europäischen Wandlermarkt die Auswahl liquider Bonds
zusehends schwieriger, da auf die auslaufenden Papiere (noch) keine
neuen folgen. Dies ist aber insofern von Vorteil, als die Preise von
der Angebot-Nachfrage-Situation gut gestützt werden – immer
vorausgesetzt, der Schuldner kommt nicht in einen Rückzahlungsnotstand.