Wandelanleihen - Erneut Japan?
27.01.2010
By Stefan Meyer
Published in «Finanz & Wirtschaft»
27/01/2010, Issue: 7, Page: 10, Section: Boersen Uebersee
Regelmässig zum Jahresbeginn pflegen Fondsmanager und Vermögensverwalter ein Ritual: Das Börsenland Japan wird wiederentdeckt und als Geheimtipp herumgereicht. Anfang 2009 schienen die Argumente stichhaltig zu sein: Ein vernachlässigbares Engagement der heimischen Finanzindustrie in Subprime-Papieren, eine abebbende Deflation und vor allem die Nähe zur Wachstumslokomotive China sollten dem Land der aufgehenden Sonne zum Vorteil gereichen.
Es kam anders: Ab dem zweiten Halbjahr 2009 hat der Konjunktureinbruch der Industrieländer und der kräftig anziehende Yen die Exportüberschüsse Nippons massiv geschmälert. Koreanische und taiwanesische Konzerne profitierten von ihrer schwächeren Heimwährung und brachten die exportorientierte japanische Industrie in Bedrängnis. Das Resultat zeigte sich Ende 2009 mit einer rund 16% schlechteren Aktienperformance gegenüber den westlichen Aktienindizes.
Welche Kurstreiber haben 2010 das Potenzial, den Kabutocho zu beflügeln? Historisch betrachtet ist festzustellen, dass die japanische Börse aufgrund ihrer starken Gewichtung zyklischer und exportorientierter Sektoren die konjunkturellen Auf- und Abschwünge stärker durchlebt. Nach unteren Wendepunkten – in den Jahren 1998, 2003 und 2009 – ist ein zyklischer Börsenaufschwung erfahrungsgemäss zu erwarten.
Institutionelle Investoren (Smart Money), die bis anhin dem japanischen Markt ferngeblieben sind, reduzieren seit Anfang Jahr ihre Untergewichtung in Japan deutlich. Dies lässt sich an den rekordhohen Nettokäufen der Ausländer ablesen, die in der ersten Januarhälfte den höchsten Stand seit März 2004 aufgewiesen haben.
Sind 2010 die meisten Industriestaaten mit dem Anziehen der geldpolitischen Zügel konfrontiert, wird in Japan aufgrund deflatorischer Tendenzen die Notenbank nicht darum herumkommen, noch mehr billiges Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Dies dürfte eine Abschwächung der japanischen Valuta bewirken.
Für potenzielle Investoren, die sich zurzeit noch nicht für ein japanisches Aktieninvestment erwärmen können, ist ein Engagement mit Absicherung (Downside-Protektion) sinnvoll: Der Restrukturierungskandidat Hitachi emittierte im Dezember 2009 eine Wandelanleihe (Isin: JP378860P9C6) mit Laufzeit bis 2014, Stückelung von 1 Mio. Yen und Rating A3. Das Papier handelt gegenwärtig mit einer Prämie von 22% auf 117%. Sowohl eine Konjunkturbelebung als auch ein schwächerer Yen würden die Aktien von Hitachi beflügeln. Für Investoren mit Referenzwährung Franken oder Euro ist eine Absicherung des Währungsrisikos empfehlenswert.