Wandelanleihen - Start in Japan
13.02.2010
By Dr. Klaus Göggelmann
Published in «Finanz & Wirtschaft»
13/02/2010, Issue: 12, Page: 10, Section: Boersen Europa-Uebersee
Wie üblich blieb das japanische Emissionstableau für Wandelanleihen im Januar verwaist. Die letzte Emission von E-Access datiert von Mitte Dezember 2009 und wurde von Barclays sowie Goldman Sachs begleitet (Isin: XS0473317732). Nach anfänglichen Startschwierigkeiten notiert die Wandelanleihe des Internet-Breitbandanbieters, welche die japanische Agentur Rating and Investment Information (R&I) mit der Bonitätsnote BBB einstuft, bereits über 116%.
Per 12. Februar haben nun Temp Holdings und Nippon Meat Packers ihr Interesse an der Plazierung von Wandelanleihen auf dem Markt kundgetan. Wie es für japanische Verhältnisse üblich ist, sind für beide Emissionen keine Coupons – also keine fixe Verzinsung – vorgesehen. Der federführende Manager für beide geplanten Papiere ist Nikko Cordial. Sowohl die Wandelanleihe von Temp Holdings als auch die von Nippon Meat Packers enthalten Dividendenprotektionsklauseln. Das bedeutet, dass bei klar definierten ungewöhnlich hohen Dividendenausschüttungen der Konversionspreis zum Schutz der Wandelanleiheninvestoren angepasst werden wird.
Der japanische Arbeitsvermittler Temp Holdings beabsichtigt, mit dem Erlös aus der Emission über 5 Mrd. Yen, was rund 60 Mio. Fr. entspricht, 12% der Aktien zurückzukaufen. Auf diese Neuigkeit hat der Aktienkurs mit einem Anstieg von über 5% reagiert. Die Emission auf dem Heimmarkt mit Fälligkeit am 4. März 2013 wird von Japan Credit Rating Agency (JCR) mit der Note A– beurteilt. Das Papier wird indikativ mit einer Konversionsprämie von 5 bis 10% offeriert. Mit der Note A+ ein leicht höheres Anleihenrating von JCR weist die zweite Heimemission auf. Nippon Meat Packers ist der grösste japanische Fleischverarbeiter. Die Wandelanleihe mit vierjähriger Laufzeit und einem Volumen von 30 Mrd. Yen wird ohne Call- und Put-Eigenschaften sowie mit einer Konversionsprämie zwischen 16 und 21% begeben. Das so aufgenommene Volumen wird zu zwei Dritteln für den Rückkauf eigener Aktien aufgewendet, was rund 7% des Aktienkapitals entspricht. Der restliche Betrag, 10 Mrd. Yen, wird hingegen für die Schuldenbedienung benutzt.
Dass unspektakuläre Geschäftsmodelle auch mit einer aufsehenerregenden Kursentwicklung einhergehen können, zeigt der amerikanische Fleischverarbeiter Tyson Foods. Die Aktie sprang nach einem über halbjährigen Seitwärtstrend seit Jahresbeginn 30% in die Höhe. Die entsprechende Wandelanleihe über 460 Mio. $ mit einer Verzinsung von 31⁄2%, Fälligkeit März 2013 und der Note BB von S&P dankte dies mit einem Kursanstieg von 103 auf 116% (Isin: US902494AP84).