Wandelanleihen - Frankreich oder Österreich

05.05.2007


By Roland Hotz

Published in «Finanz & Wirtschaft»

05/05/2007, Issue: 35, Page 10, category: BÖRSEN ÜBERSEE



In Europa gelangten am Donnerstag gleich zwei Neuemissionen an den Wandelanleihenmarkt. UBS lancierte für das französische Softwareunternehmen Business Objects eine in Euro denominierte Anleihe über 450 Mio. Euro. Der Coupon beträgt 21/4%, die Prämie liegt bei 50%. Der Titel läuft zwanzig Jahre (Isin: FR0010470245). Die Bedingungen liegen damit am teuren Ende der Ankündigung. Die Anleihe ist durch den Investor alle fünf Jahre zu Pari kündbar. Die Wandlung in Aktien kann während der ersten fünfzehn Jahre nur unter der Bedingung erfolgen, dass der Aktienkurs 120% des Konversionspreises erreicht hat. Diese sogenannte Contingent-Conversion-Klausel ist hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten bekannt. Die Anleihe ist unkündbar bis zum 11. Mai 2012. Der Bond wird nicht von den Ratingagenturen bewertet, wird aber wegen der gehandelten Creditspreads als BB-Schuldner eingestuft.


Die zweite Emission wurde von Deutsche Bank und Nomura für das österreichische Maschinenbauunternehmen A-Tec Industries in der Höhe von 180 Mio. Euro an den Markt geführt. Der Coupon wurde auf 23/4%, die Wandelprämie auf 35% fixiert. Die Anleihe hat eine Laufzeit von sieben Jahren (Isin: AT0000A05CS2). Interessanterweise wurde diese Anleihe im französischen Stil emittiert: Das Nominal eines Bonds entspricht dem Wert des Konversionspreises einer Aktie, in diesem Fall 225 Euro. Auch diese Anleihe gelangte aufgrund der sehr erfreulichen Nachfrage am teuren Ende der Zeichnungsindikationen zu den Investoren. Diese Anleihe verfügt über einen Put per 10. Mai 2012. Sie kann nicht vor dem 30. Mai 2011 zurückgerufen werden. Und danach nur, wenn der Aktienkurs 130% des Konversionspreises erreicht hat. Auch diese Anleihe ist aufgrund der fehlenden Bonitätsbewertung im spekulativen Bereich der Ratingskala (BB+ und tiefer) angesiedelt.


Im europäischen und amerikanischen Wandelanleihenmarkt kam es nach einem längeren Anstieg der impliziten Volatilitäten (erwartete Kursschwankungen) Ende April zu einer leichten Entspannung. Es wird vermutet, dass der Druck durch Hedge Funds oder die Eigenhandelsbücher der Banken entstanden ist, die zum Schluss kamen, dass die Bewertungen die Obergrenze erreicht hätten. In Asien, besonders Japan, haben die Volatilitäten der Wandelanleihen nochmals angezogen. Das lässt auf eine erhöhte Nachfrage, verglichen mit dem verfügbaren Angebot, schliessen.

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