Wandelanleihen - WVB
15.03.2003
Von Kurt Fisch (Fisch Asset Management)
Erschienen in der «Finanz und Wirtschaft»
15. März 2003, Nr. 21, Seite 10, Rubrik: Börsen Übersee
Die Flaute am Markt für Neuemissionen hielt an. Die Abwärtsbewegung an den Börsen hatte sich derart akzentuiert, dass die meisten Marktteilnehmer es vorzogen, an der Seitenlinie zu verharren. Die Übertreibung nach unten verlangte nach einer Aufwärtskorrektur, die denn auch am Donnerstag begann. Wie weit sich daraus ein Trend nach oben entwickelt, werden die kommenden Tage zeigen.
Von einer Erholung dürften alle Kategorien von Wandelanleihen profitieren. In einer übertriebenen Abwärtsbewegung ergeben sich für viele Titel sehr hohe Wandelprämien, die die Sensibilität der Wandler - auf Kursbewegungen der zu Grunde liegenden Aktien - gegen Null tendieren lassen. Zusätzlich können sich in einem sehr unsicheren Umfeld die Credit spreads betroffener Schuldner extrem ausweiten.
In letzter Zeit haben sich die Renditeaufschläge (Credit spreads) von Versicherungen gegenüber risikoarmen Staatspapieren ausgeweitet. Versicherungen haben unter der Entwicklung an den Märkten besonders zu leiden. Im Falle einer Erholung an den Märkten dürften sich diese Credit spreads wieder deutlich verringern. Es gibt heute viele Wandelanleihen, die wohl auf eine Aktienerholung positiv reagieren werden, dies aber mehr dank einer Verbesserung der Krediteinstufung als wegen der Aktiensensibilität.
Ein Beispiel für die mögliche Verbesserung der Krediteinstufung bildet die Wandelanleihe der Württembergischen Versicherungsbeteiligungsgesellschaft (WVB), 2 1/4% WVB 2008 (ISIN: DE0003504569). Die Anleihe wandelt in die Aktie der Swiss Re. Wegen der hohen Prämie von 150% besteht der Anreiz zurzeit besonders in der hohen Rendite von gegenwärtig 6,32% mit einem Preis von 82,75%. Mit diesem Preis resultiert ein Kreditaufschlag von 300 Basispunkten, was für den Schuldner (Muttergesellschaft ist die Wüstenrot & Württembergische Aktiengesellschaft) sehr grosszügig ist. Mit einer Normalisierung der Lage ist gut und gerne eine Kurserholung von acht bis zehn Prozent möglich. Im herrschenden Umfeld kann eine gute Kreditanalyse für den Anleger ebenso gewinnbringend wenn nicht gar besser sein als eine Aktienanalyse.