Wandelanleihen - Attraktiv

22.04.2008

By Roland Hotz
Published in «Finanz & Wirtschaft»
19/04/2008, Issue: 31, Page: 11, Section: BÖRSEN ÜBERSEE


Die Aktienmärkte scheinen langsam in einen Bodenbildungsprozess einzuschwenken. Obwohl die Unsicherheiten noch keineswegs ganz vom Tisch sind und nach wie vor Uneinigkeit über die effektiven Auswirkungen der Kreditkrise auf die globalen Volkswirtschaften herrscht, ist an den Märkten eine deutliche Beruhigung der Situation eingetreten. Die sinkenden Volatilitäten an den Aktien- und den Optionsmärkten verdeutlichen diese Tendenz. Auch am Wandelanleihenmarkt ist es zu einem weiteren Rückgang der impliziten Volatilitäten gekommen. Dies macht den Markt weiterhin attraktiv und bietet den Anlegern eine gute Plattform, diese schwierige, mit vielen Fragezeichen behaftete Zeit elegant zu überstehen. Nicht selten bleiben neue Wandelanleiheninvestoren nach solchen Phasen dem Produkt auch in Zukunft treu. Das konnten wir aus der Erfahrung der vergangenen Korrektur von 2000 bis 2003 feststellen. Rückblickend dürften diese Anleger nicht ganz unglücklich über ihre Produktwahl sein.

Leider ist es auch am Neuemissionsmarkt ruhig geworden. Zudem entziehen Rückzahlungen und vorzeitige Kündigungen dem europäischen Wandlermarkt zusätzlich Liquidität, wie das Beispiel von Linde zeigt. Der deutsche Gasspezialist ruft seine 11/4%-Wandelanleihe (Isin: DE000A0BBP11) diese Woche vorzeitig zurück. Einige weitere bekannte Namen wie Nestlé, KfW/Deutsche Telekom, Publicis oder Unicredito/Generali werden im Laufe des Jahres durch Endfälligkeiten vom Markt verschwinden und verlangen nach Ersatz. Lediglich die angeschlagene Finanzbranche bedient sich zu teilweise fast horrenden Zinskosten am Kapitalmarkt. In der Mehrheit unter Druck geratene US-Banken gelangen mit Convertible Preferred Shares an den Markt. Um ihre Kapitalbasis wieder zu stärken, greifen sie mit unüblich hohen Coupons tief in die Tasche. Die amerikanische Super-Regional-Bank Huntington Bancshares offerierte diese Woche für die aufgelegten 500 Mio.$ einen Coupon von 81/2%. Das Investmenthaus Lehman Brothers verzinst seine 4-Mrd.-$-Anleihe von Anfang April mit 71/4%. Leider werden diese Emissionen meist vollständig vom amerikanischen Heimmarkt absorbiert. Selten gelangen diese US-Emissionen nach Übersee. Dem Investor bieten sich in diesem Umfeld gute Gelegenheiten, die aber unbedingt eine seriöse und fundierte Kreditanalyse verlangen. Denn man sollte nicht blauäugig darauf vertrauen, dass im Notfall – wie im Falle der US-Investmentbank Bear Stearns – immer ein rettender Engel zur Seite steht.

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