Wandelanleihen - Sonderbewegung
25.08.2007
By Kurt Fisch
Published in «Finanz & Wirtschaft»
25/08/2007, Issue: 66, Page 11, category: BÖRSEN ÜBERSEE
Die konjunkturellen Aussichten der globalen Wirtschaft sind weiterhin positiv. In den meisten Regionen existiert eine robuste Aufwärtsbewegung. Einzig in den USA ist die Perspektive unsicher. Wie weit werden die Turbulenzen am Immobilienmarkt das künftige Wachstum tangieren? Es sieht so aus, dass die daraus resultierende Abschwächung nicht zu einer Rezession führen wird.
Die relative sektorielle Performance am US-Aktienmarkt zeigt allerdings, dass es Hintergedanken gibt. Nach den Finanztiteln, die von den turbulenten Börsenbewegungen direkt betroffen waren, sind die Bau-, Automobil- und Detailhandelsbranche gegenwärtig von einer relativen Schwäche gekennzeichnet. Der Markt bereitet sich offenbar auf eine Abschwächung des Konsums vor. Diese Tatsache ist nicht zu unterschätzen, da der Konsum zwei Drittel des gesamten US-Bruttosozialprodukts ausmacht. Besonders die Entwicklung des Aktienmarkts wird über den weiteren Verlauf der US-Wirtschaft bestimmen. Vorderhand bleiben wir der Meinung, dass in den USA keine Rezession eintreten wird.
Eine interessante und ungewöhnliche Bewegung war in Wandelanleihen festzustellen. Trotz der markanten Zunahme der Optionsvolatilitäten bildete sich die implizite Volatilität in Wandlern zurück. Damit verhielt sich der Wandelanleihenmarkt entgegen der Theorie und übte nicht den zu erwartenden Schutzpuffer in turbulenten Zeiten aus. Die Sonderbewegung ergab sich aus dem marktbedingt forcierten Abbau von Wandelanleihen durch Arbitrageure sowie der Reduzierung von Händlerpositionen. Die implizite Volatilität in Wandlern stand auf einem hohen Niveau, das Angebot der Arbitrageure drückte die Volatilität leicht nach unten. Dies hat am Markt insofern eine Normalisierung gebracht, dass sich damit die implizite Volatilität der Optionen und Wandler wieder gemeinsam auf einem historisch durchschnittlichen Niveau befinden. Sollten sich die schwierigen Zeiten an den Finanzmärkten fortsetzen, rechnen wir allerdings mit einer Ausweitung der impliziten Volatilitäten auch in Wandelanleihen.
Eine entgegen dem Gesamtmarkt steigende implizite Volatilität weist der Wandler von France Telekom auf (1,6% France Telekom 1.1.2009, Kurs: 103,5%, Prämie: 23,5%, Delta: 0,25, Isin: FR0010113357). Auch die Aktien von France Telecom stehen deutlich über dem Stand von Mitte Juli, als die Turbulenzen an den Märkten einsetzten. Der Wandler erlaubt eine konservative Variante der Beteiligung am europäischen Telecomsektor.