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Mythos «Managed Futures»

21.02.2011

By Michael Rasch
Published in «Neue Zürcher Zeitung»
21/02/2011, Issue: 43, Page: 21, Section: Geld und Anlage

Diversifikationseffekte und Depotstabilisierung durch Trendfolge-Hedge-Funds

ra. · In der Hedge-Funds-Branche tummeln sich viele «bunte Vögel». Darunter sind aber nicht nur zwielichtige Gestalten, wie man aufgrund der Presseberichte der letzten Jahre meinen könnte: Bekannt und berüchtigt wurden in den USA etwa der Betrüger Bernard Madoff und in der Schweiz Dieter Behring. Die Branche hat aber viel mehr Legenden und Helden als dubiose Figuren.

Mehr Legenden als Betrüger

Namen von Leuten wie George Soros, der im Jahr 1992 die Bank of England in die Knie zwang, oder John Paulson, der mit der Wette auf den Verfall von Subprime-Papieren seit 2007 Milliarden verdiente, sind längst über die Finanzbranche hinaus bekannt. Dazu gibt es herausragende Spekulanten wie Paul Tudor Jones, Richard Dennis oder Ed Seykota. Viele dieser «Stars» verfolgten die Strategie Managed Futures, auch Commodity-Trading-Advisory (CTA) genannt. Sie ist ein wenig die Königsklasse in der Hedge-Funds-Welt.

Der erste Managed-Futures-Fonds soll 1949 in den USA von Richard Davoud Donchian aufgelegt worden sein. Der Rohstoff-Futures-Händler Donchian war auch ein Pionier auf dem Feld der technischen Analyse (Donchian-Trendkanal). Er kreierte einen regelbasierten Handelsansatz für systematische Investitionen in Terminkontrakte und Optionen auf Rohwaren. Grundsätzlich investieren CTA in derivative Produkte wie Futures und Optionen für alle möglichen unterliegenden Märkte: Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Devisen und Indizes darauf.

Die meisten Managed-Futures-Manager setzen auf Trendfolge, sie versuchen also, Trends aufzuspüren und diesen dann zu folgen, bis sie enden. Kenner unterscheiden verschiedene Substrategien, die Einteilung variiert jedoch. Wikipedia nennt die fünf Strategien Langzeit-Trendfolge, Kurzzeit-Trendfolge, Discretionary Trading, Global Macro und Devisenhandel. Eine andere Einteilung unterscheidet dagegen nur streng regelbasierte Strategien (Handelsentscheidungen fussen auf mathematisch-computergestützten Modellen) und diskretionäre Strategien (Handelsentscheide liegen im Ermessen des Fondsmanagers).

Die bedeutendste Gruppe unter den CTA sind also die Trendfolger, die je nach Strategie Preisbewegungen in unterschiedlichen Zeitebenen verfolgen. Oftmals werden dabei über hundert Märkte gleichzeitig gehandelt, wodurch die Fonds meistens gut diversifiziert sind. Dabei spielt es für diese Hedge-Funds keine Rolle, in welche Richtung sich die Märkte bewegen, denn sie können sowohl steigenden als auch fallenden Kursen folgen. Auslöser von Trends sind beispielsweise am Aktienmarkt massenpsychologische Effekte, am Devisenmarkt Zinsdifferenzen zwischen Wirtschaftsräumen sowie an den Rohstoffmärkten typische Saisonalitäten.

Anleger müssen aber beachten, dass ein einzelner CTA unter Risikogesichtspunkten letztlich wie eine einzelne Aktie anzusehen ist. Und so wie Anleger nie nur in eine einzelne Aktie investieren sollten, ist auch vom Kauf eines einzelnen Managed-Futures-Fonds abzuraten. Besser ist die Investition in mehrere Vehikel oder der Kauf eines Dachfonds. Dieser übernimmt dann die Diversifikation, was der Anleger jedoch mit höheren Gebühren bezahlt.

Stark in der Krise

Managed Futures sind attraktiv als Stabilisatoren für das Depot, da sie mit vielen Anlageklassen gering korreliert sind. Oft rentieren sie während Kursstürzen am besten. So erzielten CTA im Jahr 2008 eine Performance von rund 18%, während sie ein Jahr später gut 6% abgaben. Laut den CTA-Experten von Alternative Investment Partner (AIP) sind die Managed Futures am besten, die über einen längeren Zeitraum eine konsistente Performance in einer vordefinierten Bandbreite erzielen. Dies erschwert aber die Darstellung in Rankings. Als nützlich hat sich als Kriterium die sogenannte MAR-Ratio erwiesen, welche die annualisierte Rendite ins Verhältnis zum maximalen Verlust eines CTA-Hedge-Fund setzt. Nach diesem Kriterium ist auch die Tabelle sortiert.

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