CIO Bericht - Dezember 2025
Märkte
Das Jahr 2025 war insgesamt ein erfreuliches Börsenjahr. Über nahezu alle Anlageklassen hinweg herrschte ein konstruktives Umfeld, getragen von robustem globalem Wachstum, steigender Liquidität, anhaltendem Optimismus rund um das Thema künstliche Intelligenz sowie weiteren Zinssenkungen wichtiger Zentralbanken. Gleichzeitig blieb der Jahresverlauf nicht frei von Zäsuren. Die Ankündigung der globalen US-Zölle Anfang April führte zweitweise zu erheblichen Marktverwerfungen, während die Entscheidung der Deutschen Bundesregierung für ein umfangreiches fiskalisches Stimulusprogramm einen markanten Richtungswechsel in der deutschen Wirtschaftspolitik darstellte. Die Aktienmärkte erwiesen sich dabei als sehr robust und alle wichtigen globalen Indizes in den USA, Europa und den Emerging Markets konnten deutlich zulegten. Globale Anleihen (gemessen am Bloomberg Global Agg Index) verzeichneten ihr bestes Jahr seit 2020, aber fiskalische Sorgen belasteten weiterhin Staatsanleihen. Die Zinskurven wurden in allen wichtigen Märkten steiler und die Divergenzen zwischen einzelnen Ländern verstärkten sich deutlich. Während in den USA die Rendite auf 10-jährige Staatsanleihen nach vierjährigem Anstieg wieder leicht sank, zogen die Renditen in Japan nach Zinserhöhungen der Bank of Japan und dem Wahlsieg Sanae Takaichis stark an. In Europa führten Zweifel an der fiskalischen Konsolidierungsfähigkeit Frankreichs ebenfalls zu steigenden Renditen. An den Rohstoffmärkten stachen Edelmetalle wie Gold und Silber heraus, die als Absicherung gegen geopolitische und fiskalische Risiken stark nachgefragt waren. Der US-Dollar wiederum schwächte sich infolge der US-Zollpolitik gegenüber allen G10-Währungen deutlich ab.
Ausblick
Die Entwicklung der globalen Liquidität bleibt weiterhin der Haupttreiber sowohl der Aktien- und Kreditmärkte als auch der Konjunktur, der Rohstoffpreise und damit auch der Inflation und der langfristigen Zinsen. Allerdings bestehen hier unterschiedliche zeitliche Vorläufe auf diese Märkte und Makrofaktoren. Sehr direkt, mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten, reagieren die Aktien- und Kreditmärkte, aber auch Bitcoin, auf Liquiditätsveränderungen. Danach folgen die Konjunktur, die Rohstoffpreise und damit die Inflation sowie Gold und Silber. Dies beeinflusst dann letztlich auch das Niveau der langfristigen Zinssätze. Da bereits seit einigen Monaten ein deutlicher Momentumsverlust beim globalen Liquiditätswachstum zu beobachten ist, muss dementsprechend in der ersten Jahreshälfte des neuen Jahres mit einem dämpfenden Einfluss auf „Risky Assets“, insbesondere Aktien- und Unternehmensanleihen sowie Bitcoin gerechnet werden. Allerdings hat die US-Notenbank damit begonnen, die Liquiditätsversorgung wieder zu verstärken und damit den Momentumsverlust zu kompensieren. Die Fed hat im Dezember ein neues Quantitative-Easing-Programm (QE) gestartet und senkt gleichzeitig die Leitzinsen. Und auch die Chinesische Notenbank (PBoC) erhöht die Liquidität im chinesischen System, und zwar mit positiven globalen Folgen. Da aber sowohl das Fed-QE (über T-Bills-Käufe und damit höheren US-Staatsausgaben) wie auch die chinesische Liquidität tendenziell in die Wirtschaft und weniger an die Aktienmärkte fliesst, dürfte das Aufwärtspotenzial an den Aktienmärkten trotz einer soliden globalen Konjunkturentwicklung beschränkt bleiben. Letzteres dürfte aber zu Rückenwind bei den Rohstoffpreisen und insbesondere beim Kupferpreis (als historisch zuverlässiger Konjunkturindikator) sorgen. Zudem ist in diesem Umfeld mit anhaltend hartnäckiger Inflation und damit tendenziell moderatem Aufwärtsdruck bei den langfristigen Zinsen zu rechnen. Da die erwähnten Liquiditätsimpulse im Moment nicht besonderes stark sind, ist auch an den Märkten, bei der Inflation und damit bei den Zinsen nicht mit extrem starken Bewegungen zu rechnen, insbesondere solange der US-Dollar in seiner aktuell beschränkten Bandbreite bleibt.
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