CIO Bericht - Juli 2025
Märkte
Die globalen Aktienmärkte entwickelten sich im Juli weiterhin positiv, insbesondere in den USA, China und auch Japan. Einige Börsen wie Indien und Brasilien in den Emerging Marktes hatten dagegen aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der US-Zollpolitik Mühe mit dem globalen Trend mitzuhalten. Haupttreiber für diese insgesamt sehr freundlichen Märkte war weiterhin eine stark steigende globale Liquidität, die geo- und handelspolitische Unsicherheiten und eine abkühlende Konjunktur mehr als kompensierte. Dieser Liquiditätsanstieg war zum Teil eine Folge einer massiven Ausgabe von T-Bills durch das US-Treasury zur Finanzierung des Staatsdefizits. T-Bills sind geldähnlich und erhöhen die Liquidität im Finanzsystem. Dementsprechend reagierten auch die Märkte für Unternehmensanleihen positiv mit entsprechend fallenden Credit Spreads. Im Gegensatz dazu kam es aber zu einem leichten Anstieg der Zinsen für länger laufende Staatsanleihen in den USA, aber auch in Europa. Hier waren eine hartnäckige Inflation in den USA, eine steigende Staatsverschuldung sowie die trotz Abkühlung noch solide US-Konjunktur wichtige Treiber. Auch in Europa konnte eine Rezession im zweiten Quartal knapp vermieden werden. Aufgrund einer durch die Zollpolitik induzierten Verbesserung der US-Handelsbilanz entwickelte sich der US-Dollar stark, was interessanterweise den Plänen der Trump-Administration entgegenläuft. Die erwähnte Kombination aus noch solider Konjunktur, hartnäckiger Inflation und hoher Liquidität führte zudem zu steigenden Rohstoffpreisen, insbesondere von Erdöl und vorübergehend auch von Kupfer. Letzterer kam durch die US-Zollpolitik gegen Monatsende wieder deutlich unter Druck.
Ausblick
Die seit Jahresbeginn stark gestiegene Liquidität hat dazu beigetragen, dass sich die globalen Aktienmärkte seit dem „Liberation Day“ Anfang April in einer bemerkenswerten Rallye rasch wieder erholt haben. Mit der Aufhebung der Schuldenobergrenze in den USA entfällt nun ein positiver Liquiditätsfaktor, da das US-Treasury sein Konto bei der Fed („Treasury General Account“) bis Ende September um rund 500 Mrd. US-Dollar wieder auffüllt. Dies entzieht dem Geldmarkt direkt Bankreserven und wirkt liquiditätsmindernd. Aus globaler Sicht überwiegen jedoch weiterhin die positiven Faktoren: Die People’s Bank of China hat die Geldmenge allein in den letzten sechs Monaten um rund 1500 Mrd. US-Dollar ausgeweitet. Zudem setzt das US-Treasury verstärkt auf kurzlaufende T-Bills, die als «geldähnlich» gelten und die Liquidität erhöhen. Rund 60% der Zentralbanken befinden sich weiterhin in einem Lockerungszyklus, was risikoreiche Anlagen stützt. Der US-Arbeitsmarkt hat sich zuletzt spürbar abgekühlt. Das Jobwachstum konzentriert sich auf wenige Bereiche wie Gesundheit & Bildung. Für künftige Zinsentscheide durch die Fed wird die Arbeitslosenrate entscheidend sein – deren weiterer Verlauf hängt davon ab, ob die sinkende Arbeitsnachfrage das rückläufige Arbeitsangebot (u. a. durch die restriktive Einwanderungspolitik) auf- oder überwiegt. Die US-Inflation dürfte in den kommenden Monaten weiter anziehen. Umfragen zeigen, dass Firmen die höheren Importpreise mehrheitlich an die Konsumenten weitergeben werden – mit entsprechend inflationärer Wirkung. Die Fed steht damit vor einem Zielkonflikt, sollte jedoch ihr Beschäftigungsmandat priorisieren: Während der US-Arbeitsmarkt nachhaltig unter Druck geraten dürfte – Unternehmen müssen sich über Jahre an die neuen Zolltarife anpassen – wirkt der durch die Zölle ausgelöste Preisdruck temporär. Er wird zusätzlich durch sinkende Realeinkommen und eine nachlassende Wirtschaftsdynamik gedämpft. Die Kosten einer zu restriktiven Geldpolitik steigen somit rasch – eine Zinssenkung im September erscheint als angemessen. Insgesamt dominiert somit eine nach wie vor stark steigende globale Liquidität die Entwicklung an den Finanzmärkten und kompensiert potenzielle Gefahren einer konjunkturellen Abkühlung oder höherer Inflation.
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