2025 war ein starkes Jahr für Emerging-Markets-Unternehmensanleihen. Und auch 2026 dürfte nicht schlechter werden – im Gegenteil. Denn die Entwicklung ist Teil eines globalen Trends: das Ende des „US-Exzeptionalismus“. Schwellenländer-Emittenten gehören zu den Gewinnern und zeigen sich resilient. Die jüngste Aktion der US-Regierung in Venezuela hat zwar die geopolitischen Risiken in Lateinamerika erhöht, eine regionale Ansteckung erscheint jedoch unwahrscheinlich. Unterstrichen wird die insgesamt positive Entwicklung durch die Prognose des Internationalen Währungsfonds. Dieser erwartet für Schwellenländer im kommenden Jahr erneut ein robustes Wachstum von 4 Prozent – mehr als doppelt so viel wie in den Industrieländern, für die 1.6 Prozent prognostiziert sind. Da Emerging Markets inzwischen 60 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmachen, und dieser Anteil weiter steigen wird, sollten sie in keinem diversifizierten Portfolio fehlen.
Technologie, Rohstoffe und KI sind Treiber für strukturelles EM-Wachstum
Gestärkt werden viele Schwellenländer zudem vom Technologiewettbewerb zwischen China und den USA. Sie profitieren von der Nachfrage nach Rohstoffen und Technologieexporten. Gleichzeitig bauen sie technologische Kompetenzen aus. Auch die hohen Preise für Rohstoffe erweisen sich als Wachstumsmotor. Gold dürfte 2026 weiter stark nachgefragt werden, Basismetalle wie Kupfer und Aluminium profitieren von KI-Investitionen und Elektrofahrzeugen. Der Ölpreis dürfte durch die Aussicht auf mögliche zusätzliche Produktion aus Venezuela auf tieferen Niveaus verharren, jedoch durch höhere Nachfrage und politische Interessen, vor allem im Nahen Osten, teilweise ausgeglichen werden.
Schwacher Dollar, starke Märkte: Der makroökonomische Rückenwind
Nicht zuletzt bekommen Schwellenländer Rückenwind durch einen schwachen US-Dollar. Er dämpft die Inflation und ermöglicht Zentralbanken Zinssenkungen. Daher dürfte der globale Zinssenkungszyklus auch 2026 anhalten – einschließlich weiterer Schritte der Federal Reserve.
Institutionelle Anleger aus Asien und den Golfstaaten fragen US-Dollar-Anleihen weiterhin stark nach. Dabei verlagert sich die Nachfrage zunehmend auf Emittenten außerhalb der USA. Auch aus dem Retail-Bereich sind die Zuflüsse seit dem „Liberation Day“ von US-Präsident Donald Trump positiv. Eine weitere Abwertung des US-Dollars wird diesen Trend voraussichtlich unterstützen. Angebotsseitig ist erneut mit einem rückläufigen Nettoemissionsvolumen zu rechnen – zum fünften Jahr in Folge. Ein Grund dafür sind günstige Liquiditätsbedingungen in lokalen Märkten, die Emittenten eine Alternative zum US-Dollar-Anleihemarkt bieten.
EM-Unternehmen solider als US-Pendants
Unternehmen aus Schwellenländern werden weiterhin von soliden Fundamentaldaten gestützt – bedingt durch wachsende Umsätze und Gewinne. Die Nettoverschuldung ist niedriger als bei US-Wettbewerbern. Auch die Kreditkennzahlen sind besser. Entsprechend positiv entwickeln sich die Ratings. Zum ersten Mal seit 2019 gibt es mehr „Rising Stars“ mit verbessertem Rating als „Fallen Angels“, deren Rating sich verschlechtert hat. Diese Ratings wirken sich auch auf die Bewertungen aus, die in vielen Regionen und Sektoren derzeit historisch eng sind. Die Credit Spreads chinesischer US-Dollar-Staatsanleihen handeln sogar negativ gegenüber US-Treasuries. Wir erwarten, dass Länder wie Südkorea, Hongkong und Katar diesem Beispiel folgen und US-Pendants outperformen.
Lateinamerika eröffnet Chancen für aktives Management
In Lateinamerika bleiben wir übergewichtet. Das Wachstum in der Region bleibt robust, unterscheidet sich jedoch stark zwischen den Ländern. Rohstoffexporteure und konsumorientierte Unternehmen bieten Chancen.
In Peru und Chile dürften sich hohe Edel- und Basismetallpreise positiv auswirken. Für Mexiko erwarten wir ein beschleunigtes Wachstum – angetrieben durch eine erholte Industrieproduktion in den USA und weltweit. Zudem wird das USMCA-Abkommen neu verhandelt, an dessen weitgehender Fortsetzung beide Seiten interessiert sein dürften. In Brasilien gehen wir aufgrund der anhaltend hohen Zinsen von einem verlangsamten Wachstum aus. Die dort anstehenden Wahlen können jedoch zu einer expansiveren Fiskalpolitik und damit einem höheren Wachstum führen.
Neben Brasilien stehen auch in Peru und Kolumbien Präsidentschaftswahlen an. Zwar könnten die Wahlen zu Volatilität in den jeweiligen Märkten führen, aber insgesamt erwarten wir marktfreundliche Entwicklungen in der Region. Mit der Einflussnahme der US-Regierung in Venezuela erhöhen sich die geopolitischen Risiken in der Region zwar, wir gehen allerdings nicht von einer Ausweitung militärischer Interventionen in andere Länder aus. In Bezug auf die anstehenden Wahlen besteht die Möglichkeit, dass die US-Regierung vor allem in Kolumbien und Brasilien indirekten, sogenannten „soften“, Einfluss nimmt, um dort die linken Präsidenten abzusetzen. Erhöhte Sicherheitsbedenken der Bevölkerung, insbesondere durch einen Anstieg an Immigranten aus Venezuela, können zudem rechtsgerichtete Positionen fördern – wie zuletzt in Chile beobachtet. Insgesamt wäre eine mögliche politische Bewegung Richtung Mitte oder Mitte-Rechts in der Region aus Marktsicht jedoch positiv zu bewerten. Bei einer wirtschaftlichen Öffnung könnten andere lateinamerikanische Länder langfristig von Exporten nach Venezuela profitieren. Die vielfältigen Entwicklungen bieten dabei auch gute Chancen für aktives Management.
CEEMEA mit attraktiven Euro-Emissionen und umfangreichen Reformen
In Mittel- und Osteuropa, im Nahen Osten und in Afrika (CEEMEA) bieten sich heterogene Diversifizierungsmöglichkeiten. Osteuropa dürfte vom Aufschwung in Deutschland und hohen Subventionen aus dem europäischen SAFE-Fonds profitieren. In Erwartung attraktiver Euro-Emissionen bleiben wir übergewichtet. Im Nahen Osten – insbesondere in den Golfstaaten – zeigt sich eine dynamische Diversifizierung der Wirtschaftssektoren. Ebenso in Zentralasien, wo Regierungen Wirtschaftsreformen vorantreiben. In der Türkei dürfte das politische Risiko zu Volatilität führen, weshalb wir untergewichtet bleiben. Unsere Präferenz liegt dort bei Unternehmen aus defensiven Sektoren, die bereits lange am Kapitalmarkt aktiv sind.
Historisch enge Spreads und Fokus auf hochwertigem Wachstum in China
China ist als Sieger aus dem Handelskrieg mit den USA hervorgegangen. Nach einem Abkommen im November liegen die Zölle wieder auf dem Niveau vor der Eskalation. Im Inland muss China jedoch strukturelle Herausforderungen angehen. In einem deflationären Umfeld muss verhindert werden, dass defizitäre Unternehmen zum Angebotsüberhang beitragen. Mit einem Reformprogramm sollen Überkapazitäten abgebaut werden. Auf der Nachfrageseite liegt der Fokus auf einem qualitativ hochwertigen Wachstum – wie Pilotprogramme zu Kinder- und Altenbetreuung zeigen.
Die Credit Spreads für China sind historisch eng, sodass wir China als defensive Long-Position im Investment-Grade-Bereich sehen. Dank der negativen Risikoprämie für chinesische Staatsanleihen in US-Dollar sind diese Spreads auch für Unternehmensanleihen verankert. Im Hochzinssegment bleiben wir in China untergewichtet. Insbesondere kleinere Unternehmen zeigen oft eine schwache Corporate Governance und entsprechend geringe Transparenz.
Asien im Doppelprofil zwischen Exportmärkten und Binnenwirtschaften
Außerhalb Chinas gibt es in Asien zwei Kategorien von Volkswirtschaften: exportorientierte Länder wie Südkorea, Taiwan, Singapur und Thailand sowie starke Binnenwirtschaften wie Indien, Indonesien und die Philippinen.
Die exportorientierten Staaten profitieren trotz Zöllen weiterhin von hohen KI-Investitionen in den USA, im Nahen Osten und in Asien selbst. Die starken Binnenwirtschaften lassen ein anhaltend hohes Wachstum erwarten. Insgesamt sehen wir für die Region eine positive Wachstumsdynamik, aber auch teure Bewertungen – weshalb wir uns selektiv positionieren.
Renditepotenziale 2026: Wo EM-Anleger Alpha finden können
Bei der Rendite läuft die Situation in den Emerging Markets unserer Ansicht nach auf mittlere einstellige Werte hinaus – mit Chancen auf eine bessere Entwicklung bei einem schnelleren und weitreichenderen Zinssenkungszyklus in den USA. Nominalrendite und Carry Trade bleiben stabil. Kapitalgewinne müssen durch Selektion und idiosynkratische Situationen erzielt werden. Dank der Heterogenität von Sektoren und Teilregionen bieten Emerging-Markets-Unternehmensanleihen stets Möglichkeiten zur Alpha-Generierung.
